Antwort auf: Nr. 8a – 2. 1. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 8a – 2. 1. 1796 Antwort auf: Nr. 8a – 2. 1. 1796

#565

Die Frage ist wie werden wir das in Zukunft machen mit den Zeilen? Ich finde sie sollten wie im Original enden, da sie dadurch besser Zitiert werden können. Ich werde die Frage noch mal unter Editionsrichtlinien stellen, in der Hoffnung, dass dort eine Diskussion stattfinden wird.

Korrigiert habe ich hier:

unthgen- untertänigen

Häuseren – Häusern

salvo Regressu [Schadensersatz]

Häuseren – Häusern

gewachet – gewacht

uti in litt. – uti in litteris  – Gebrauchen sie die Sprache???

Untg. – untertänig

 

 

Nr. 8 a
Linden berichtet von den von der französischen Armee geforderten Kriegssteuern, die vom rheinischen Adel und vom kölnischen Klerus mit militärischer Gewalt eingetrieben werden. Er selbst hat ein schlimmes Erlebnis bei der Rückreise von Köln gehabt, das jedoch wider Erwarten gut ausgegangen ist.
Postskript

02.01.1796

Auch Hochgebietend-Gnädiger Herr!

Läßt an Ewer Hochwürden Exzellenz d Hr. Hofrath von Welter samt seiner Frau Gemahlin, Tochter und Sohn, ihren untertänigen Respect vermelden. Da die Franzosen anfangen, aus jenen Häusern, worinnen sie die Geiseln aufsuchen, anstatt deren abwesenden Männern, derenselben Weiber und Kinder wegzuführen, so hat Hr. Hofrath für gut gefunden, bei der diesmaligen Flucht auch seine Frau und Tochter mitzunehmen, und mit denenselben einige Schritte weit zu emigriren. Wie derselbe mir sagte, soll der Kölnische Clerus sich heute zu Abtragung einer Contributions-Summe von 60000 Kronthlr., worunter der Adel mitbegriffen, salvo Regressu [Schadensersatz] gegen letztere, anheischig gemacht haben. Hierdurch würden nun auch diejenigen Geistlichen, die seit 8 Tagen eine Wache von 2 Grenadiers zu Beschleunigung sotanen Entschlusses, in ihren Häusern gehabt, von dieser Compagnie wieder loswerden. Auch glaubt er Hr. Hofrath, über ein paar Tage wieder sicher nach Hause fahren zu dörfen. Meine heutige Rückreise von Köln ging nicht so gut von statten, wie die Hinreise. Erstere war ziemlich schröckbar und mit der äußersten Lebens-Gefahr verbunden. Die Geschichte ist diese: Mit einem Schiffmann aus Mühlheim, der mit einem französischen Freipass, sprechend auf 5 Mann, versehen war, fuhr ich nacher Köln, und wollte nun auch mit der nehmlichen Gelegenheit wieder zurück. Geld-Begierde reizte den Schiffmann. Er nahm also bei der Abfahrt von Köln, statt 5 – 23 Menschen in seinen Nachen. Da nun die Wache am Thürngen unter St. Cunibert-Kirche, den Nachen mit so vielen Mann beladen, herankommen sah, rief sie dem Schiffmann zu, um beizufahren. Aus Forcht aber unterließ dieser ein solches und wollte kühn durchfahren. Allein! Ohn man sichs versahe, fiel schon der 1te. Schuss. Die Confusion war sehr groß, in einem Augenblicke lagen alle auf dem Boden des Nachens, der eine über dem andern her, um sich wenigstens in etwa für den Kügelen zu sicheren. Der Schiffmann unterstunde sich nicht mehr zu rudern. Eine Kugel nach der andern pfiff bald links bald rechts, die meisten aber gerade über den Nachen her. Nur eine ledirte den Nachen, und das zwarn kaum 5 Zoll weit von meinem Kopfe. Der Wind war noch so zimlich günstig und trieb den Nachen mehr und mehr nach dieser Seite. Nach 53 Schüssen pausten die Carmagnols, vermutlich aus Mangel der Patronen, wir munterten den Schiffmann auf zu rudern, und erreichten glücklich oberhalb Mühlheim das Land. Mehr als die Halbscheid der Mühlheimer Einsaßen kamen dem Nachen entgegen und glaubten, uns fast alle im Reiche der Toten zu seyn, allein! die ewige Vorsicht hatte wahrlich über uns alle gewacht und die Stunde war noch nicht gekommen. Seit einigen Tagen wird sehr stark von einem 2 monatlichen Waffenstillstande gesprochen. Gott gebe es, und binnen demselben die Zustandebringung eines erwünschten dauerhaften, allgemeinen Friedens. Ich habe die Gnade zu ersterben uti in litteris Morsbroich d. 2n. Januar 1796.
Untertänig treü gehorsamster
Linden mp.

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