Antwort auf: Nr. 12 – 5. 3. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 12 – 5. 3. 1796 Antwort auf: Nr. 12 – 5. 3. 1796

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Nr. 12 1796 März 5
Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katherinen 49 a
Linden leitet an seinen Dienstherrn eine Bittschrift eines Lehnsträgers zur Veräußerung von 10 Eichen weiter. Den wieder aufkeimenden Friedensgerüchten traut der Morsbroicher Verwalter nicht, er führt sie auf die durch das frostige Wetter hervorgerufenen Kommunikationserschwernisse mit der anderen Rheinseite zurück. Bestärkt werden die Gerüchte davon, dass am folgenden Tag die gesamte französischen Generalität von der Maas- und Sambre-Armee in Köln erwartet wird, die von dort nach Aachen ziehen soll. In Opladen ist indessen allerdings ein Offizier der kaiserlichen Armee mit einer Depesche für die Regierung in Düsseldorf erschienen, die die Aufkündigung des Waffenstillstandes beinhalten soll. „Heut Friede, morgen Krieg!“ lautet dazu Lindens kurzer Kommentar.

Hochwürdig-Hochwohlgebohrner Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur
Hochgebietend Gnädiger Herr!

Ewer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade eine von dem Lehnträgern Caspar Koch Namens seiner Ehefrau Anna Marg. Cliever und seines noch minderjährigen Schwagern Godfrid Cliever um den gnädigen Consens zur Veräußerung 10 lehnrühriger Eichen überreichte Bittschrift samt Anlage zur hohen Einsicht und gnädigen Entschließung anbei untertänig zu präsentiren. D Hr. Ballei-Rat von Welter ist nach einem von demselben heut erhaltenen Schreiben mit mir des untgen. Dafürhaltens, daß der nachgesucht werdende Consens, [1] nach dem zur hohen Einsicht hier anschlüssigen Entwurf ohne Anstand gnädig erteilt werden könne. Sollten Ewer Hochw. Exzellenz denselben zu genehmigen die Gnade haben, so bitte ich untertänig, solchen expeduren – und mir zur fernern Beförderung hochhändig unterschriebener zukommen zu lassen. Gestern hat die Halbwinnerinn zu Kochenholtz wegen dem Schlebuscher Vicaria Beneficium, [2] 80 Rtlr. pro 1795 in 1796 dahier gezahlt, den Rest deren Pachtgelder ad 32 Rtlr. hatte dieselbe an Hn. Rtmstrn. Dechen bereits abgeführt. Sotane 80 Rtlr. werde ich noch heute dem jetzigen Hn. Vicarius Brückman und respec. denen Erbg. [enossen] Dückers zur Doctorsburg /: als welche darab noch ihren Antheil, nehmlich à trno. Cathedrae Petri 1795 [3] als dem Sterbtage des seel. Hn. Vicar Breuer, bis ad trnum. Margarethae zu emfangen haben :/ einhändigen lassen. Seit ein paar Tagen wird wieder sehr stark von fernerm Waffenstillstande und baldigem Friede gesprochen. sed credat judaeus Apella [4] ich glaube ehender, daß bloß durch die seit 10 Tagen eingefallene grimmige Kälte und daher gehemmten Communication mit der Jenseite des Rheins wegen, durch den starken Eisgang, weggebrochener stehenden Brücken, das Krieges Theater bis herzu verschlossen geblieben sei. Auf Morgen wird die gesamte franz [ösische] Generalität von der Maas- und Sambre Armée in Köln erwartet, und solle von da nach Aachen gehen. Dies bestärkt die Friedens-Gerüchte. Heut ist ein Kaislr. Officier samt einem Trompeter in Opladen angekommen. Die bei sich habenden Depechen wurden sofort nacher Düsseldorff abgeschickt, der Offr. und Trompeter aber verbleiben so lang in Opladen, bis ihre Abfertigung zurückkommt, gesagte Depechen sollen, so sagt man, die Aufkündigung des Waffenstillstands enthalten. Heut Friede, morgen Krieg!
Nebst untertänigen Abbezug auf meinen gehorsamsten Bericht vom 28n. v: M:, [5] empfehle zu hohen Hulden und Gnaden mich ganz unthg., in tiefster Hochverehrung ersterbend

Morsbroich den 5n. März 1796
Ewer Hochwürden Exzellenz untg. treu-gehorsamter Dr. [6] Linden mpria.

[1] Am Rand ein Anlagenhinweis der Mergentheimer Kanzlei.
[2] Eine kirchliche Abgabe.
[3] À termino Cathedra Petri, das ist der 21. Februar.
[4] „Aber das glaube der (leichtgläubige) Jude Apella“ = das glaube, wer mag. Das Zitat stammt aus den Satiren des Horaz.
[5] Vorigen Monats.
[6] Diener.

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