Antwort auf: Die von uns zu beachtenden Editionsrichtlinien

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#646

Notizen zur Edition

 

Die Briefe werden in ihrer zeitlichen Reihenfolge abgedruckt; soweit das nicht mehr erkennbar war, weil der Brief unvollständig erhalten ist, haben wir nach Inhaltskriterien gesucht, um den Brief einzuordnen. Jedem Brief wurde eine kurze Inhaltsangabe vorangestellt, ein sogenanntes Regest. Das soll dem Benutzer die Orientierung erleichtern.

Wir haben uns bei dieser Herausgabe um eine sachgerechte Transkription der Texte bemüht. Das ist nicht so einfach, wie es anfangs scheinen mag und alles andere als selbstverständlich. Uns ist klar, dass wir dem Leser des 21. Jahrhunderts mit unserer Buchstabentreue einiges zumuten, weichen doch Schreibweise und Interpunktion dieser mehr als 200 Jahre alten Briefe deutlich von allen Regeln moderner deutscher Orthografie ab. Hinzu kommt, dass in den Texten selbst häufig genug die Schreibweise eines Wortes unterschiedlich ausfällt, was sicherlich darauf zurück zu führen ist, dass es sich hier durchweg um Kanzleiabschriften handelt. Wir haben uns allerdings dafür entschieden, die alte Orthographie etwas an moderne Lesegewohnheiten anzupassen. Wir folgen damit einem Hinweis von Professor Dr. Udo Arnold, der uns auf die modernen Richtlinien zur Herausgabe alter Texte hingewiesen hat. So beginnen in unserer Transkription alle neuen Sätze – wie eben heute üblich, damals jedoch ganz und gar nicht selbstverständlich – mit einem großen Buchstaben, Verben werden grundsätzlich klein geschrieben, Substantive dagegen groß. Einige Schreibeigentümlichkeiten sind jedoch stehen geblieben, dazu weiter unten mehr.

Einige Auffälligkeiten lassen sich als epochenbedingte Merkmale der Texte deuten: Man muss zwar bedenken, dass im Nachbarland Frankreich die Entwicklung inzwischen einen besonderen Verlauf genommen hat, – das alte absolutistische System ist abgelöst, der König bei Beginn der vorliegenden Korrespondenz bereits als Hochverräter hingerichtet -, und die Revolutionstruppen auf der anderen Rheinseite stehen und in Kürze in das Bergische Land einfallen werden. Die Briefformalien jedoch, die Anreden gesellschaftlich höher stehender Personen, bleiben davon völlig unberührt. Im Gegenteil, der Schreiber beachtet immer noch die traditionellen Umgangsformen der absolutistischen Gesellschaft, in der der Adel den Ton angibt und die Untergebenen „in Ehrfurcht ersterben“, sobald sie sich, und sei es nur in  Briefen, einem Aristokraten nähern. Auch J. P. Linden beachtet peinlich genau diese gesellschaftlichen Regeln von Über- und Unterordnung. So schreibt er alle Begriffe, die sich auf seinen adligen Herrn beziehen, in großen Buchstaben:

[ „Hochwürdig-Hochwohlgebohrener Freiherr, Insonders Hochzuverehrendester [man beachte hier den Superlativ!] Herr Landkommenthur, Mein Hochgebietend-Gnädiger Herr!“]…nicht nur in der Anrede, sondern auch mitten im Text:

[„Er bedeutete mir miteins, daß Er zwarn, um sothane Rechnung Ewer Hochwürden Exzellenz, bei Hochdero jüngsthinnigen Anwesenheit…“]

Der Briefeschreiber selbst dagegen drückt nicht nur im Abschiedsgruß

[Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden

Empfehle ich mich ganz gehorsamst, und ersterbe in tiefester

Ehrforcht

Ewer Hochwürden Exzellenz

unterthänigst-treu-gehorsamster

Diener

J.P. Linden]

seine Devotion, seine Unterwürfigkeit aus, sondern auch dadurch, dass er konsequent „ich“ klein schreibt, auch dann wenn er seinen eigenen Satz, was selten genug passiert, mit diesem Wort beginnt. Zu seiner Ehrfurchtsgestik gehört ebenfalls, dass er die normale Wortfolge des deutschen Satzes so umstellt, dass er das Anfangs-Ich vermeidet: „Hatte ich heut die Gnade…“ Wiederholt lässt er das Wort auch ganz weg, hingegen benutzt er als Anredeformeln, wenn er also von seinem Herrn spricht, immer: „Hochdero“ und „Hochdieselben“.

Ganz kurz noch zu einigen Eigentümlichkeiten der Schreibformen: Das „u“, das in der Kursive sowieso schon schwer vom „n“ zu unterscheiden ist, wird aus eben diesem Grunde häufig mit Umlautstrichlein gekennzeichnet, ohne dass damit das Wort tatsächlich umgelautet wurde. Rätselhaft bleiben dagegen Schreibformen wie „tägen“ [im Original tatsächlich wiederholt klein geschrieben]. Wir haben uns hier für eine bessere Lesbarkeit entschieden, auf Buchstabentreue zu verzichten. Das „y“ hat er generell mit zwei Umlautstrichlein markiert. Da hier keinerlei alternative Schreibung denkbar ist, haben wir dies weggelassen. Das „s“ wird in der Kursive sehr unterschiedlich geschrieben, es gibt ein rundes „s“, das auch heute noch gebräuchlich ist, ein langes, das dem „f“ – ohne den Querstrich allerdings – ähnelt, ein schweifiges Abschluss-s und ein Zeichen, dass dem heutigen „ß“ ähnelt. Dies kann ein scharfes „s“ bedeuten, wie etwa in „Anschluß“, es wird aber oftmals auch in der Mitte des Wortes geschrieben  – etwa im Wort „Mäuße, Franzoßen“, das ebenfalls in „Mäuse, Franzosen“ modernisiert wurde. Wortauslassungen kennzeichnet unserer Schreiber mit einfachen Anführungsstrichlein unten, was in unserer Transkription durch die heute gebräuchliche Form als Gedankenstrich ersetzt wurde. Auch die Parenthese, die Einschaltung einer Bemerkung in den Satz kennt Linden und er macht häufigen Gebrauch davon. Wir haben sein eigenes Zeichen in etwa nachgeahmt durch:  /:…. :/.

Einige gängige Abkürzungen, die immer wieder in den Texten auftauchen, haben wir in der folgenden Liste zusammengestellt, andere, die nur einmal oder wenige Male auftreten, wurden von uns durch eine nachfolgende Anmerkung erläutert. Da es sich bei den Briefen um Abschriften für den Kanzleiverkehr handelt, wurden auch die Bearbeitungszeichen der Deutschordensbeamten in Mergentheim in unserer Transkription berücksichtigt. Die Schreibweise der Kanzlei wurde entsprechend der modernen Transkriptionsrichtlinien etwas modernisiert, um die Lesbarkeit zu verbessern.

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