Antwort auf: Nr. 20 – 1. 1. 1797

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 20 – 1. 1. 1797 Antwort auf: Nr. 20 – 1. 1. 1797

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Nr. 20                                                                                                                      1797 Januar 1

 

Linden berichtet, dass die französichen Truppen vor etwa 14 Tagen den hiesigen Distrikt verlassen haben und unmittelbar danach ein Waffenstillstand mit den königlich-kaiserlichen Truppen vereinbart wurde. Dieser soll aber nach Gerüchten nicht mehr lange dauern und Linden fürchtet, dass das bislang noch fast unbeschädigte Schloss Morsbroich dann Schaden nimmt. Im Übrigen berichtet er über den Zustand der Häuser, eine Viehseuche und wünscht dem Landkomtur in etwas schwülstigen Formulierungen alles Gute für das neue Jahr.

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

 

Hochwürdig-Hochwohlgebohrner Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur

Mein Hochgebietend-Gnädiger Herr!

 

In der unterthänigen Hofnung, daß Euer Hochwürden Exzellenz meine beiden gehorsamsten Bericht-Schben.[1] , nemlich vom 11n. 8bris. und 28n. 9bris. abhin, richtiger, als das hier anschlüssige vom 30n. Junius l: J: [2] /: welches in verwichener Woche mir von hiesigem Postamt und zwarn eröfneter obruckgestellet wurde :/ zugegangen seyn werden, kan Hochdenenselben ich nun die in etwa, jedoch vielleicht nur auf eine sehr kurze Zeit, tröstliche Nachricht mitteilen, daß die franzöß. Armée vor etwa 14 Tagen die hiesige Gegend nemlich den District zwischen Aacher und Wupper geraumet habe. Der Rückzug ging sehr langsam von statten und daurte bis auf den 4ten. Tag. ehe aber noch der letztere Zug Cavallerie Mülheim verlassen hatte, arrivirte schon der k.k. General Kienmeyer mit seinem Adjutant, einem Trompeter und 1 Husarn. Gleich bei der Ankunft wurde der Adjutant nebst dem Trompeter nacher Düsseldorff zu der dortigen Generalitet abgeschickt, anderten Tags erschienen die beiden Generale Macdonald und Dupoult, und es wurde sodann in der mit Hn. Gral. Kienmeyer gehaltenen Conferenz vereinbaret, daß der District zwischen Wupper und Aacher /: Mülheim ausgenommen, wo 12 französe. und eben so viele kaiserle. Truppen verbleiben solten :/ neutral seyn sollte – daß die Rheinpassage bis auf nähere des Falls zu treffende Übereinkunft, gehemmet seyn solte und daß der Waffenstillstand alle 24 Stunden aufgekündiget und dann erst nach Verlauf von 48 Stunden die Kriegs Operationen wieder angefangen werden könten. Die Hn. Generals machten sich  nach geendigter Conferenz von Mülheim wieder weg. Es verblieben 1 franz. Officier mit 11 Infanteristen zurück und anderten Tags trafen auch so viele kaiserln. Truppen ein, welch sämtliche sich auch noch wirklich daselbst befinden. – Diese Retraite geschah mit Beibehaltung guter Ordnung, welches die von dem Obergeneral der Nordtruppen Macdonald, gegebenen strengsten Ordres bewirkten. – Morsbroich wurde bei diesem Rückzuge /: ohnerachtet  Schlebusch mit 400, und das Dörfgen Schlebuschrath mit 300 Mann belegt wurden :/ gänzlich geschont, so daß kein Mann das selbe heimgesuchet. Es warn einige Tage vor der Retraite, als der junge Hr. Andrée mir bedeuten ließ, daß  Dupoult Gral. der Cavallerie, mit dem Aide de Camp [3] des Grals. Macdonald in der Morsbroicher Jagd sich ein wenig zu divertiren gesonnen wären und ich alsdann mitbeiwohnen mögte. Wir hielten also eine kleine Klopjagd [4] und fanden ohnerachtet der vielen Streifereien der Franzosen die Reviere noch in zimlich gutem Stande. 4 Füchs, ein paar Haasen, 3 Kanin und ein paar Enten wurden uns zur Beute. Ich empfahl bei dieser Gelegenheit dem Hn. Generale und  dem Aide de Camp vorzüglich, die Schonung Morsbroichs und Hochdero übriger dahiesigen Häusern. Sie versprachen mir dieselbe auch ganz heilig und haben in der That auch Wort gehalten. In Hochdero Behausung zu Schlebuschrath msten jedoch die von dHn. Dingern Schall /: der sich noch immer zu Rad vorm Wald aufhaltet, seinen Bedienten indessen zu Schlebrath zurückgelassen hat :/ nach vorfindlichen hölzernen Meubles aus Mangel sonstigen Brandholtzes zimlich herhalten. Über dHn. Dinger sind die Bauren, weilen dieser sich so weit von seinem Amte geflüchtet, nicht wenig aufgebracht. DHn. Amtsverwalter samt einem seiner Söhnen haben die französn. Gendarmen aus bis herzu noch unbekannten Ursachen mit nacher Düsseldorff geschlept. Die BauerenScheffen sind die dermalige Regenten im Amte. Es heißt Hr. Dinger, und dHr. Gerichtschr., der sich noch in Köln aufhält, würden jedoch ehestens wieder zurückkehren. Jhr Aufenthalt dörfte doch wohl von kurzer Dauer seyn, wenn es wahr ist, daß unsere jetzige Neutraliteet, wie es seit einigen Tägen verlautet, nicht lange mehr dauern werde; Kehl soll dermalen in extremis [5] ligen – Nach deSSen Eroberung soll es über den Neuwieder Brückenkopf hergehen und demnechst das diesseitige Rhein Ufer ganz gesäubert werden. Bei einem solchen Angriff dörften die hiesigen Gegenden, auch Morsbroich /: welches gottlob bis herzu noch so unbeschädigt erhalten, und fast noch in dem nehmlichen Stande ist, wie Euer Hochwürden Exzellenz bei Hochdero Abreise solches zurückgelassen haben :/ noch wohl den empfindlichsten Stoß auszustehen haben, besonders wegen des nahen Dünnflusses und der darüber befindlichen steinernen Brücke. Man muss indessen das Beste hoffen.

Die Behausung des Hn. von Pfeil zu Stamheim ist, ohnerachtet dieser sich bei dHn. Generals so vielfach zu dessen Erhaltung verwendet hat, unter anderen am schlimsten hergenohmen worden, die unteren Zimmer wurden zu Pferdställen gebraucht, viele Thüren und Fensteren, sogar einige Tragbalken des Hauses verbrannt, und wenn die Armée noch einige Tage stehen geblieben, so hätte das gantze Gebäude einstürtzen müssen. Der Behausung des Hn. von Lützerode hats nicht viel besser ergangen – So erschrecklich die Viehseuche, welche man durch die neulich-grimmige Kälte sich zu verlieren glaubte, noch fortdaurend um sich greift, und jetzt alles Hornvieh, das sie inficirt, auch zu grund richtet, eben so vermehren sich auch noch fast täglich in hiesigen Gegenden die Mäuse und verderben die noch in die Erde gebrachte wenige Wintersaat. Kein Unheil alleine! Möge doch der Himmel sich endlich erbarmen, und die Strafruthe abhalten. – Die Rheinpassage ist bald ein wenig frei, bald wieder gänzlich gehemmt – demnach es den Carmagnols einfält.

Unterthänig hoffend und wünschend, daß Euer Hochwürden Exzellenz das vorige Jahr in der besten Gesundheit werden zurückgelegt haben, hab ich die Gnade bei Gelegenheit des heut angetretenen neuen Jahres zugleich den aufrichtigsten Wunsch dahin abzulegen, daß der Allwaltende dieses und noch eine lange Reihe derlei Jahren Hochdieselben zur Freude und Trost sämtlicher Hochdero Untergebenen in selbst wählendem Wohlergehen und in Friede wolle zurucklegen lassen. Hierum täglich bittend, empfehle zu Hohen Gnaden mich hiermit ganz unterthänig und habe die Gnade in tiefschuldigster Hochverehrung zu ersterben.

 

Morsbroich d. 1n. Jenner 1797:

 

 

Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehorsamster Diener J. P. Linden mppria.

 

[1] Abgekürzt: Schreiben.
[2] Abgekürzt: laufenden Jahres.
[3] Adjudant.
[4] Klopfjagd, nach dem Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm: die Jagd nach Niederwild durch das Klopfen mit Stecken auf Sträucher.
[5] Im Todeskampf.

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