Antwort auf: Nr. 15. – 31. 5. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 15. – 31. 5. 1796 Antwort auf: Nr. 15. – 31. 5. 1796

#703

Nr. 15                                                                                                           1796 Mai 31
Linden berichtet im Zusammenhang mit der Übersendung des Monatsstatus Mai 1796 über die Verwendung des bisherigen Holzvorrates und die Verarbeitung des Holzes zu Brettern. Diese Arbeit musste aber wegen des „abermaligen heutigen Vordringens der franzöß. Armee ausgesetzt“ werden.

Abschließend berichtet Linden noch kurz über Probleme mit Arbeiten an der Kaskade im Schlossgarten.

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katherinen 49 a
Hochwürdig-Hochwohlgebohrner Freiherr, besonders hochzuverehrendester Herr Landkommenthur

Hochgebietend-Gnädiger Herr!

 

Zu Euer Hochwürden Eczellenz Hohen Einsicht und gnädigen Genehmigung habe ich den Monats Status Mai dahier unterthänig anfügen sollen.

Von den noch vorrätigen 6 Viertel Schlagholtz hab ich weiter die Helfte, p.Vtl. zu 19 Rhr. verkauft, wofür der Ertrag ad 57. rhr auch bereits eingegangen – und dem Monats-Status eingetragen ist. Die anderte Helfte aber hab auf hiesigen Hof, zu Euer Hochwürden Eczellenz bald anhoffenden selbstigen Consumtion niederlegen lassen.

Die denen Holtzhäueren gnädig bewilligte Zulage, hab in Gefolg Hochdero gnädigen Weisung vom 17n. dieses, denenselben p.Vrtl. zu 2 Blaffert, mithin für die gefällten 22 Vrtl. mit 2 rhtr. – 12 stbr. ausbezahlt und waren dieselben mit dieser gnädigen Zulage ganz zufrieden.

Nicht minder hab dem Brandbeschädigten Jacob Mönchhoff, die demselben gnädig zugedachte ohnweit Schlebusch stehende Weide angewiesen für welch hohe Gnade und Unterstützung Euer Hochwürden Excellenz  sich derselbe mit Frau und Kinderen unterthänig zu Füßen legt.

Mit Schneidung deren ausgeworfenen Eichen und Weiden zu Bretteren sind die Holtzschnittern noch immer beschäftiget. Das abermalige heutige Vordringen der französen. Armée aber macht, daß diese Arbeit ausgesetzt werden muss; immittels hab die wircklich geschnittenen Bretter in guten Verwahr bringen lassen.  – Mehr als je, bin ich übrigens beförchtet, daß diesmal, besonders  wenn wir den künftigen Winter hindurch französisch bleiben solten, die hiesigen Waldungen der Gefahr des Verderbens sehr ausgesetzet seyn werden.

Der vor der Cascade ehedem sich angehäuften Lett[1] ist zu Ausfüllung des Weyers verbraucht worden und damit nicht in Zukunft sich wieder neuer Lett vor derselben anhäufe und durch den Abfluss in den Hausweyer diesen nicht so sehr und so geschwind damit wieder anfülle, so hab etwan 50 Schritte oberhalb der Cascade  noch eine derlei kleinere durch den Schreiner hinsetzen lassen, vor welcher seitdeme der von Zeit zu Zeit besonders bei einfallenden Regengüssen, den Graben herunter treibende Lette sich  spicht [2] und ligen bleibt.

Die in Gefolg von Herrn Sindicus Dolleschall erhaltenen Auftrages über die Vernehmung deren diesseit des Rheins gelegenen Landkommenthürl. Pächteren in Betref der neuen Verpachtungen abgehaltenen und besagtem Hn. Sindico abschriftlich zugestellten Protokollen werden Euer Hochwürden Exzellenz von demselben zweifelsohne bereits zugeschickter erhalten haben.

 

Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefester Hochverehrung

 

Morsbroich d. 31n.        May 1796

 

Euer Hochwürden Exzellenz  unterthänig treu gehorsamster  Diener J. P. Linden

[1] Lett = Dreck, Schlamm.
[2] Wohl verschrieben aus „spicken“ = anfüllen, siehe J. u. W. Grimm, Dt. Wörterguch, digitale Ausgabe, Frankfurt a. M., 2001.

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