Antwort auf: Nr. 18 – 4. 9. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 18 – 4. 9. 1796 Antwort auf: Nr. 18 – 4. 9. 1796

#704

Nr. 18                                                                                                                      1796 September 4

 

Linden schickt anweisungsgemäß die Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Monate Mai und Juni 1796. Er hat die noch verbliebene Dienerschaft bezahlt und kann den Forstkommissar der französischen Republik davon abhalten, im Kommendewald Abholzungen vorzunehmen: Er besticht ihn. Die wirtschaftliche Lage des Landgutes hat sich durch die Verlagerung der militärischen Ereignisse weg vom Bergischen Land weitgehend beruhigt, die Kontributionen sind niedrig, die Ernte recht gut ausgefallen.

Landesarchiv Koblenz  55 A1 Ballei Koblenz, Nr. 297: Berichte des Rentmeisters Linden zu Morsbroich nebst darauf ergangener Entscheidungen 1796 – 1805, S. 723 – 726

 

Hochwürdig Hochwohlgebohrener Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommthur

Hochgebietend Gnädiger Herr!

Gleichwie ich vor ein paar Tagen von dHn. Sindico Dolleschall zu vernehmen gehabt, daß Euer Hochwürden Exzellenz einsweiliger Aufenthalts Ort nun in Leipzig sey und die dorthin abgelassen werdende Berichte muthmaaßlich ganz richtig eintreffen würden; so hab die Gnade, zu Hochderoselben Hohen Einsichte und gnädigen Genehmigung die beiden Monats Status Julii et Augusti dahier unterthänig beizufügen.[1]

Zufolg hohen Reglements vom 29n. 9bris 1795 ist zwarn dHr. Rentmeister Dechen angewiesen, die Auszahlungen deren von Euer Hochwürden Exzellenz gnädig ausgeworfenen Pensionen, Jahrsgehälter und Kostgelder zu [2] die gg. beibehaltene Dienerschaft zu verfügen; da aber desselben Vorraths-Cassa durch die unaufhörlichen Kriegs Erfodernisse [3]  ganz erschöpft, und die noch eingehenden wenigen Revenüen [4] nach dessen Aussage zu derlei ferneren Bestimmungen müssen verwendet werden, immittels aber bei mir sowohl als der übrigen Dienerschaft wegen den erlittenen leidigen Plünderungen und täglich habenden Ausgaben, der Mangel an baarem Gelde sich eingestellet hat, so hab ich, jedoch auf vorheriges Besprechen mit Hrn. Sindicus Dolleschall – aus dem in Händen gehabten Vorrathe etwelche Zahlungen /: wie Euer Hochwürden Exzellenz aus dem zur hohen Einsicht beiligenden Monats Augti. Statu zu ersehen die Gnade haben werden :/ einsweilen bestritten, deren gnädige Ratification[5] ich unterthänig anhoffe.

In voriger Woche kam der national Forst-Commisaire Emmerich in hiesige Gegenden, um sämtliche, Kurfürstln. so wohl  als sonstig herrschaftlichen Waldungen in Augenschein zu nehmen. Er fand sich auch des Endes bei mir ein und zeigte mir zugleich seine schriftlichen Ordres vor in sotanen Waldungen nicht nur 100.000 Klafter [6] Holtz für die republique abfählen zu lassen, sondern annebst in denenselben für 100000 Gulden Holtz zum Behuf der republikanischen Cassa zu versilberen. Er bestimmte wircklich die  Ratam [1] für Euer Exzellenz Buschen auf wenigstens 100 Klafter. Durch verschiedene Vorstellungen, die ich ihm machte, und durch Darreichung einer douceur von 1 ½ Carolin[7] gelang es mir endlich, daß nicht nur die Besichtigung – sondern auch das Hauen selbst bis herzu untergeblieben ist, ich glaube übrigens, daß ich, im äußersten Falle, auch die allenfalls angesetzt werdende Klafter-Zahl, wenigstens bis auf die Halbscheid, herunterbringen und dann diese in Geld, und zwarn in einem geringen Preise, werde redimiren können. – Da ich indessen beförchtete, daß die dahier noch vorrätigen etwan 3 Viertel [8] Schlagholtz /: so wie im vorigen Jahr geschah:/ einer baldigen Requisition nicht entgehen würde, so hab ich für dienlich gefunden, da von zween [9] auf der Stelle, und zwarn pro Vrl. zu 15 ½ Rhr. Spec. zu veräußeren; das Holtz ist bereits von dem Ankäufer dahier abgeholt worden, und der Ertrag ad 31 Rhr. dem Monats Aug.  Status eingetragen.

Seit dem letztern Vordringen der Französn. Armée ist es in hiesigen Gegenden ruhig und, wenigstens aufm Lande, an Truppen fast ganz leer. Der Landmann hat /: Gott lob :/ seine zimlich ergiebige Ernte beinahe eingescheuret. Der Himmel verleihe einen friedlichen Genus davon. – Contributiones sind bis heran noch keine gefodert[10] worden, und die Requisitiones waren auch noch leidentlich. Nur eine an Fleisch und Brod, so in Junio gemacht wurde, hat bis hiehin stattgehabt. Sie beträgt für Morsbroich 21 Rhr. 46 Stbr. Ich bin der Zahlung bis herzu ausgewichen. Ob sie ins Stecken gerathen wird, steht zu erwarten!

Untertänig hoffend, daß bei Euer Hochwürden Exzellenz die beiden Monat Status May et Junii zur Zeit richtig eingekommen seyn werden, empfehle zu Hochderoselben mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefster Hochverehrung

 

Morsbroich am 4n. 7bris 1796.

Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig-treu-gehorsamster Diener J. P. Linden
[1] Am Rand ein Anlagenhinweis der Mergentheimer Kanzlei.
[2] Korrigieret: an.
[3] Schreibfehler: Erfordernisse.
[4] Franz.; hier: Einkünfte.
[5] Lat.: Genehmigung, Zustimmung.
[6] Volumenmaß für Brennholz, in den Territorien des Reiches  unterschiedlich groß, ungefähr 3 qm. Siehe dazu Alte Maß3, Münzen und Gewichte, Ein Lexikon von Helmut Kahnt u. Bernd Knorr, Mannheim, Wien, Zürich 1987, S. 143 Klafter 2.
[7] Siehe dazu Sprenger, Bernd, Das Geld der Deutschen. Geldgeschichte Deutschlands, Paderborn, München 1991, S. 130; Kroha, Tyll, Großes Lexikon der Numismatik, Gütersloh 1997, S. 232: Karolin I.
[8] Hier offenbar eine Einteilung für Klafter, sonst nicht zu finden.
[9] Eingefügt: Vrl.
[10] Siehe Anmkg. 3, gefordert.

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