Antwort auf: Nr. 19 – 28.11. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 19 – 28.11. 1796 Antwort auf: Nr. 19 – 28.11. 1796

#705

Nr. 19                                                                                   1796 November 28

Linden berichtet, dass er ausstehende Löhne ausgezahlt und Rechnungen beglichen hat. Der Schlebuscher Halbwinner hatte die Beteiligung an den geforderten Requisitionen verweigert, also hatte man ihm eine Kuh gepfändet und sie verkauft. Als sich der Halfen kurze Zeit darauf wiederum geweigert hatte, seinen Anteil an den auf Schlebusch und Morsbroich liegenden Fouragen zu leisten, wurden Soldaten bei ihm einquartiert. Als er diesen das Tor verschloss, wurde das Gut gewaltsam besetzt und der Schaden wurde dadurch noch größer. Der Revierjäger hat darum gebeten, eine Livree zu erhalten, weil er durch die französischen Plünderungen fast alle Kleidungsstücke verloren hat.

Stadtarchiv Leverkusen

 

Hochwürdig = Hochwohlgebohrner Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur Hochgebietend gnädiger Herr!

Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade, die beiden Monat-Status 8bris. et 9bris. zur Hohen Einsicht und Genehmigung dahier unterthänig beizuschließen. Aus diesen werden Hochdieselben die Gnade zu ersehen haben, daß ich dem Revier-Jäger Schmitz, auf desselben Anmelden den Rest seines vorigjährigen Jahrlohns, nemlich vom 24n. 7ber., bis 1n. Janii. a.c.[1] mit 7 rhr. 30 stbr. – sodann in Abschlag auf den diesjährigen Lohn 20 rhr., mithin 27 r. Spec, 30 stbr. – dem Steinbüchler Jäger Servohs für die Mitaufsicht auf die Morsbroicher Buschen das 3te. qtal.[2]  mit 7 rhr. Spec. – dem Hn. Doctorn Conzen für die  jüngsthinnige Bedienung des Hn. Nicola und der Köchin 4 rhr., 30 stbr.,  dem Chirurgo Zimmermann in nehmlichen Bezug 1 r. 53 stbr., dem Schreiner Haug ferner in Abschlag auf seine Kost- und  Lohngelder 12 r. und an Taglöhnen 5 ½ rhr. ausgezahlet habe. Der Empfang besteht in verkauften 5 Karrigen Splitterholtzes, dessen noch etwan 8 Karrigen zu Morsbroich vorrätig waren; da ich sah, daß die dasige Einquartirung sich dessen im Überflusse bediente, so hab 5. Karrigen davon zu 2½ rhr verkauft – dann hab einigen Schlebuscher Einsassen, die sich um einiges Brandholtz meldeten, zu Schonung deren Buschen 6 der Gefahr am meisten exponirten schlechte Eichenstümpf zu rhr. 32 überlassen. In Betref deren auf Morsbroich und Hochdero übrigen dahiesigen Gütern /: deren Bewohnern in derlei Zahlungen, außer ersterm, sich doch bis hiehin noch nie geweigert haben :/ gemacht werdenden Requisitionen hatte ich mit Hn. Sindico Dolleschall zwarn dahin verabredet, daß ich darab einen- und der Halfen zween Theile entrichten solte. Da nun in voriger Woche, weilen der Morsbroicher Halbwinner zu Entrichtung deren noch rückständigenteils Fourage – teils Fleisch und Brod requisiten /: die, wie ich ohnlängst untg. zu berichten die Gnade gehabt sich überhaupt auf r. 43 – stbr. 32 beliefen :/ keineswegs anschicken und gar nichts zahlen wolte, sohin die executio erkennet wurde, inmitels ich inne geworden, daß vermöge Beschlüssen der Central Verwaltung zu Aachen, nicht der Verpächter, sonderen der Pächter zu Entrichtung derlei Requisiten verbunden und anzuhalten sei und solchemnach ich dHn. Sindicus hierüber näher besprach, so war derselbe mit mir dahin einstimmig, daß man, um den wiederspenstigen Halfen dadurch in Zukunft vielleicht auf mildere Gedancken zu bringen, es diesmal auf die Execution solte ankommen lassen. Dieselbe ist auch wicklich durch Wegnahme einer Kuhe vollzogen, solche meistbietend verkauft und aus den Kaufschillingen der Rükstand abgeführt worden. Besagter Halfen hat ferner seiner unsinnigen Caprice eine 5 wochentliche Einquartirung von 12 Charretiers [Fuhrmännern] mit und 24 Pferden einzig zuzuschreiben. Es wurden nehmlich 100 Charretiers mit 200 Pferden ins Dorf Schlebusch einquartirt und die Fourage [Viehfutter] an die herumligenden Halbwinner ausgeschrieben. Morsbroich wurde zu 1½ Mltr Haaber angesetzt, die er nach Schlebusch lieferen solte. Zu dieser Ablieferung wolte der Halfen sich gar nicht anschicken, er wolte als Rittersitzlicher Pächter frei seyn; Nun wurden 6 Charretiers mit 12 Pferden dorthin billetiret. Diesen wurde das Thor verriegelt und sie wiederabgewiesen. Die über den Morsbroicher Halfen ohnehin und zwarn nicht ohne Grund, aufgebrachte Gemeinde beschwerte sich nun über diesen Unfug bei der Generaliteet und es wurden sofort obige 12 Mann mit 24 Pferden nacher Morsbroich beordert, da diesen das Thor wiederum verschlossen wurde, so wurde Gewalt gebraucht und solches erbrochen. Nun war allerdings des Halfens Schade immer weit größer, als wenn er sich in Ablieferung der wenigen Fourage gleich übrigen, die in dem Stande gewis nicht sind, worinn dieser sich befindet, betragen hätte. die durch diese Einquartirung veranlasten Exzessen, als die Ablassung des Hausweyers und Herausnahme deren darinn noch befindlichen Fischen, die Wegnahme verschiedener Schreiners Instrumenten, dreier Karren Buschkohlen, die noch von 2 Jahren her vorrätig waren, und des vorrätigen Splitterholtzes hat man dem Halfen auch noch zu verdancken. Da die Charretiers dem Schreiner als Pförtner, sehr gedrohet, so daß dieser sich mit seiner Frau flüchten muste und ich denselben auch, so lange diese Einquartirung anwesend war, zur Rückkehr nicht persuadiren[3] konte, so trug ich dem ehemaligen Fasanen Jäger, der ohnehin zu Morsbroich als Taglöhner in Arbeit die Thoraufsicht auf. Der Schreiner hat sich indessen gleich nach dem Abzug der Einquartirung mit seiner Frau wieder eingefunden. Pater Wendelin hält sich seit der leztern Retrait[4] in seinem Kloster zu Köln auf – Hr. Simon und Hr. Nicola sind noch immer hier in Mülheim – die Köchin bei ihren Elteren und gleichwie bei der jetzigen Lage die Wiederbeziehung des Hauses Morsbroich eines teils noch immer unthunlich – und in diesem Falle, andrenteils, die Belästigung desselben mit starcker Einquartirung unvermeidlich ist, so halte ich bis hiehin mich noch in Mülheim auf, und gehe wochentlich 2- bis 3 Mal dorthin, um der dasigen Vorfallenheiten halber mich erkundigen und darnach benehmen zu können. – Mit Morsbroich und Euer Hochwürden Exzellenz übrigen in dortiger Gegend gelegenen Häuseren und Geheuchteren sieht es /: Gott lob :/ noch zimlich gut aus. Dem Steinbüchler Halfen, welcher an die daselbst gestandenen Piquetir [5] über den anderten Tag eine Karrig Holtz abzuliefern hatte, hab mit Gutheißen des Hn. Balleirathen v. Welter ein entschädliches Stück eichen Holtz an deren Ballei Buschen angewiesen. Der Revier Jäger Schmitz bittet Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig in Rücksicht, daß er seit einigen Jahren keine Lieverei [Uniform] erhalten, und die gehabten Kleidungsstücke durch die Plündrung fast alle verlohren, die Anschaffung einer neuen wercktätigen Liverei für denselben, gnädig zu befehlen. daß Supplicent einer solchen Montour höchst bedürftig, ist wahr, und ich sehe der hieruntigen gnädigen Entschließung unterthänig entgegen.

Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen Gnaden befehle ich mich in jener tiefesten Hochverehrung, mit welcher unterthänig zu erharren die Gnade habe

Mülheim den 28n. 9bris. 1796

Euer Hochwürden Exzellenz untertänig – treu – gehorsamster Diener J. P. Linden mpia.

[1]  A. c. = anno citato = des angegebenen Jahres.
[2] Quartal.
[3] Lat. persuadere = überreden.
[4] Nach der letzten Information.
[5] Piquet oder Pikett, ein Kavallerieposten.

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