Antwort auf: Nr. 9 – 26. 1. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 9 – 26. 1. 1796 Antwort auf: Nr. 9 – 26. 1. 1796

#716

Letzte Fassung!

 

Nr. 9                                                                                     1796 Januar 26

 

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen 49 a

Linden versucht die Hinterlassenschaft des Revier-Jägers Johan Eysel zu regeln, der am 24.1.1796 nach kurzer Krankheit frühzeitig verstorben ist. Durch dessen Trunksucht sind bei den Wirten und Handwerkern erhebliche Schulden entstanden. Linden hat ihn mit möglichst geringen Kosten bestatten lassen. Die freigewordene Stelle bittet Linden seinen Dienstherren mit dem Fasanen-Jungen Peter Servohs zu besetzen. Weiter wird die jährliche Zuteilung des Christbrands geregelt. Linden berichtet über Steuern, die von den Franzosen festgesetzt wurden und eigentlich innerhalb bei Strafe von 24 Stunden zu leisten sind, die jedoch von den Einwohnern in der Zeit des Waffenstillstands nicht gezahlt werden.

 

Hochwürdig – Hochwohlgebohrner Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur,

Hochgebietend Gnädiger Herr!

 

Euer Hochwürden Exzellenz hab ich andurch unthg. berichten sollen, daß gestern abend halb 10 Uhren, hiesiger Revier-Jäger Johan Eysel mit den h. Sacramenten der Sterbenden fruhzeitig versehen, dem Herrn entschlafen sei. Der Seele.[1] war nur 3. Tage bettlägerig, einem starken Katarr gesellte sich ein hitziges Faulfieber, und, ohnerachtet ich gleich anfangs der Kranckheit dHn. Dr. Conzen von Mülheim hierhin berufen ließ, so war doch schon an dem ohnehin verdorbenen Körper die vorgeschriebene Arznei ohne Wirkung. Der Seele. war auf den Brandewein sehr attachirt[2], und da er, um sich den durch die Plünderung erlittenen Verlust seiner Haabseeligkeiten aus dem Kopf zu schaffen, noch mehr dem Trunck sich ergab, so zoh er sich den frühzeitigen Tod zu. R.I.P.[3] – Morgen werde ich den Verstorbenen mit den eingezogensten Kosten zur Erde bestaten lassen und lebe der Hofnung, daß Euer Hochwürden Exzellenz deren Abführung gnädig ratificiren[4] werden.

Solten Hochdieselben die durch diesen Todsfall erledigte Stelle wieder zu besetzen gnädig nicht gesinnet seyn, so könte meines unterthänigen Erachtens die Mithütung Hochdero Waldungen /: falls Hochdieselben sich doch zu einer monatlichen Pension für den entlassenen Fasanenjung Pet: Servohs gnädig entschließen solten :/ demselben dafür gnädig aufgetragen werden. Einsweilen hab ich indessen desselben Vatern, dem Jägern zu Steinbüchel die Mitbewahrung deren landkomthürln. Buschen bestens anempfohlen. Die bei dem seeln. Jäger vorgefundene Baarschaft besteht in 3 r. – 6 stbr. zwei Gewehre, einen Hirschfänger mit silbernem Grif, samt dito Kuppel nebst einigen goldenen Borden hat derselbe im Busche verborgen. Wo? Weiß man nicht. Da er noch sprechen konte, wolte er‘s nicht offenbaren, da er wolte; konte er nicht mehr. Dies wird den ganzen Activ-Statum der Hinterlassenschaft ausmachen. Allein! der Passivus, O der Schande! Dieser dörfte wohl, so viel ich schon vernohmen /: blos was die Wirthe betrift, wo er auf Credit gezecht :/ sich an die 300. Rhr. belaufen. Ist’s möglich, daß so ein Mensch bei dem guten Essen und Trinken, was er gehabt, noch so verschwendrisch hat seyn können? Nun wird auch zweifelsohne noch ein oder andere Schneiders und Schusters Rechnung offen stehen. Wie man diese Leute, auch nur in etwa wird contentiren[5] können sehe ich gar nicht ein. Vor einigen Tagen wurden auf denen Bürricher so wohl als Schlebuscher Gemarken in Beiseyn meiner von denen Försteren die gewöhnlichen Christbränd[6] ausgesetzt und angewiesen. Jeder Christbrand besteht jährlichs in einer Eiche und jeder Gewaldsherr hat deren jährlichs einen zu empfangen. Euer Hochwürden Exzellenz, als 3fach berechtiget, erhalten also deren jährlichs 3, nehmlich eine auf der Schlebuscher Gemarke wegen dem Haus Morsbroich und zwei auf der Bürricher Gemarke, nehmlich eine ebenfalls wegen Morsbroich, die andere aber wegen dem Haus Steinbüchel. Unter diesen dreyen befindt sich eine, die zu nichts als Brandholtz dienlich ist, und ½ Stunde weit von hier entfernt steht. Da Hochdero Halbwinner zu Steinbüchel darum untg. angestanden hat und des Holtzes bedürftig ist, so ist ihm solche für den Tax von 6½ Rhr. mit Bewilligung des Hn. Ballei Ratherr v. Welter zuerkannt worden. – Aus den anderen 2 Eichen können dem Ansehen nach Bord- und Bauholtz geschnitten werden, diese beiden werden also ohnmaasgebig zu eigenen Nothdürften wohl aufbewahret werden sollen. Ohnerachtet noch neuerdings die zweite französe. Contribution in Zeit 24 Stunden unter militärischen Executionsstrafe zu entrichten, von den Kanzlen verkündet worden ist, so halten doch die meisten Leute mit Abtragung derselben noch immer zuruk, umso mehr, als man wissen will, daß wehrend gegenwärtigem Waffenstillstande /: binnen welchem man den Frieden zu erlangen sehnlichst hoffet :/ die Franzosen nicht über die Wupper kommen dörfen, folglich auch derlei Executiones nicht statthaben können, ich werde also gleichs anderen, die im ähnlichen Falle sind, den Ausgang abwarten. Der hiesige Friseur Hermann, welchem ich jüngsthin seine Entlassung bekant machte, verfügte sich zu Hn. Rtmstrn. Dechen, um denselben hierüber näher zu sprechen. Bei seiner Retour meldete er mir, daß Hr. Rtmstr., seinethalben an Euer Hochwürden Exzellenz einen unthgen. Bericht abstatten würde, derselbe hat also das Logis dahier noch beibehalten und sieht Hochdero gnädigen Befehlen unthg. entgegen.

Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich ganz unterthänig und ersterbe in tiefster Hochverehrung

 

Morsbroich den 26n. Januar 1796

 

Euer Hochwürden Exzellenz unthg.-treu-gehorsamster Diener Linden

 

[1] Abgekürzt: der Selige = der Verstorbene.
[2] Franz. zugetan.
[3] Requiescat in Pace: Er möge in Frieden ruhen.
[4] Genehmigen, bestätigen.
[5] Zufriedenstellen.
[6] Der Begriff ließ sich nicht aufklären, das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm kennt ihn nicht. Dem Text zufolge muss es sich um Holzanteile aus den umliegenden Waldungen handeln, die unter Aufsicht an die Besitzer anteilmäßig verteilt werden.

Comments are currently closed.