Antwort auf: Nr. 14 – 2. 5. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 14 – 2. 5. 1796 Antwort auf: Nr. 14 – 2. 5. 1796

#722

Letzte Fassung!

 

Nr. 14                                                                                                                      1796 Mai 2

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

 

Linden berichtet über den guten Ertrag seiner Holzverkäufe. Auf Drängen seiner Hauer zahlt er ihnen Zulagen wegen der „Teuerung“. Dies lässt er sich nachträglich von dem Landkomtur genehmigen. Außerdem bittet er um Unterstützung für einen Mann namens Mönchhoff, dessen Haus durch die Unachtsamkeit seines Nachbarn niedergebrannt ist und der sich mit Frau und Kindern nicht mehr zu retten weiß. Der Kaskadeweiher ist inzwischen gesäubert, der Schlamm ist nur unter großen Kosten weg zu transportieren, weswegen Linden darauf vorläufig verzichten möchte.

 

 

Hochwürdig-Hochwohlgebohrner Freyherr, Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur, -Hochgebietend-gnädiger Herr!

 

Den richtigen Empfang Euer Hochwürden Exzellenz Hochverehrlichen Erlasses vom 16ten. v. M. habe ich die Gnade andurch unterthänig zu accusiren[1] und miteins den Monats Status Aprilis zur gnädigen Einsicht[2] und Hohen Genehmigung dahier unthg. anzuschließen.

Da in Euer Hochwürden Excellenz Buschen das Schlagholtz ergiebiger als die Hauern anfangs vermuteten, ausgefallen ist, so daß anstatt 17 Viertel 22 sind gefället worden, so hab ich im April Monat ferner neun Viertel /: wofür der Ertrag auch bereits mit 171 Rhr. entrichtet ist :/  nacher Wisdorff  hinlieferen lassen; es sind also bereits 16 Viertel abgeliefert und wird nun auch noch die Halbscheid deren noch vorrätigen 6 Viertel abzulieferen und zu versilberen, der Überrest aber zu Euer Hochwürden Exzellenz dereinstig eignenen Consumption[3] aufzubewahren seyn. Den Haulohn für sothane 22 Vrtl. hab ich zwarn denen Haueren bereits p. Vtl. zu 1 Rhr., mit 22 Rthlr. Spec. abgeführet, allein dieselben beklagten sich sehr über die Nichterhaltung einiger Zulagen und stunden um einen etwaigen gnädigen Zusatz /: wovon ich in meinem unthgen. Berichte vom 2n. Jenner jüngsthin zu melden die Gnade hatte :/ in Rucksicht der großen Theurung umso mehr unterthänig an, als ihnen solche auch von jedweden andern Herrschaft zuerkennet worden sei. Da es seine Richtigkeit hat, daß allenthalben denen Haueren nicht nur in diesem, sondernn schon im vorigen Jahr eine Zulage von 2 – 3 – 4 bis 5 Blaffert, p. Vrtl. zugedacht worden ist, so werden Euer Hochwürden Exzellenz es mir nicht zur Ungnade bemercken, wenn Hochdenenselben ich die Supplikanten[4] zu einer gnädigen Zulage von wenigst 2 Blaffert pro Viertel für diesmal unterthänig empfehle.

Am 16n. v. M. wurden zu Schlebusch durch Unvorsichtigkeit eines Nachbarns zween Häuser in die Asche gelegt. Einer deren Verunglückten, nahmens Mönchhoff[5] bittet /: wie Euer Hochwürden Exzellenz aus dem Anschlusse zu ersehen die Gnade haben werden :/ um eine gnädige Unterstützung mit einigem Baugehöltz. Da Supplikans durch diesen Brand, der sich den abscheulichen Plünderungen noch zugesellet, schier ganz zu Grund gerichtet ist und ohne milde Beihilfen sich mit Frau und Kinderen nicht mehr zu retten weiß und übrigens ein Mann des ohntadelhaftesten Lebenswandels ist, so werden Hochdieselben gnädig erlauben, daß ich denselben zur gnädigen Willfahrung unterthänig empfehle; solten Euer Hochwürden Exzellenz sich hirzu gnädig entschließen, so könte dem Supplicanten /: weilen er bereits ein paar Eichen von hiesigen Gemarken erhalten hat :/ eine ohnweit Schlebusch stehende abständige Weide, die den Werth von etwa 7 rhr. hat, angewiesen werden worüber Hochdero gnädigen Weisung ich unterthänig erbitte. Mit Schneidung deren umgeworfenen Eichen und Weiden zu 1 und 2 zölligen Bretteren sind die Holtzschnittern wircklich in Arbeit. Auch ist die Cascadearbeit beendigt und der ausgefüllte Weyer mit Heu- und wilden Kleesaamen besäet worden, was aber die Auslettung[6] des Hausweyers betrift, kann solche ohne Pferde und Karrigen nicht wohl geschehen, ohnedies würde hierzu wenigstens ein Zeitraum von 5 bis 6 Monaten und eben so viele Taglöhnern, die man aber auch für den gringen Taglohn von 12 stbr. zu dieser Arbeit nicht haben kann, erforderlich seyn und folglich ein kostspieliges Werck werden, welches desfalls bis auf  eine schicklichere Zeit hinauszusetzen ich unterthänig ohnmaasgebig für gut erachte. Dem Balleijäger zu Steinbüchel habe ich das 1te. qtal.[7] für die Mitaufsicht auf die hiesigen Jagden und Buschen mit 7 Rhr. Spec. abgeführet. Ob es Krieg oder Friede werde und ob die k. königln. oder aber die Republicanischen Truppen in Italien die Sieger gewesen, ist bei uns noch immer ein Räthsel, so wie man übrigens nach dem allgemeinen Frieden seufzt, verlangt man ebenfalls wegen anhaltender Dürre und Kälte in hiesigen Landen nach einem gedeihlichen Regen und gelinden Witterung.

 

Zu Hohen Gnaden mich ganz unthg. empfehlend ersterbe in tiefester Hochverehrung

Euer Hochwürden Exzellenz

 

unterthänig treu gehorsamster  J. P. Linden mppria.

 

Morsbroich d. 2ten. Mäy 1796

 

[1] Hier: anzeigen.
[2] Am Rand ein Anlagenhinweis der Mergentheimer Kanzlei.
[3] Verbrauch.
[4] Bittsteller.
[5] Wie Anmkg. 2.
[6] Letten = veraltete Bezeichnung für Lehm, Schlamm.
[7] Das erste Quartal = die ersten 3 Monate.

Die Hauer sollen 2 Blaffert mehr erhalten: 1 Blaffert = 4 Albus in Köln und Jülich-Berg, 32 Albus = 1 Tag

 

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