Antwort auf: Nr. 10 – 5. 2. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 10 – 5. 2. 1796 Antwort auf: Nr. 10 – 5. 2. 1796

#723

Letzte Fassung!

 

Nr. 10                                                                                              1796  Februar 5

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

 

Linden beginnt seinen Brief vom 05.02.1796 mit dem Monats Status Januar, dessen Rechnung zu Folge, der verstorbene Ignaz Franz Felix von Roll eine beträchtliche Schuldenlast hinterlassen hat, die Linden nun so gut wie möglich zu begleichen sucht. Zu diesem Zweck soll soviel Brennholz als möglich aus den Morsbroicher Wäldern verkauft werden. Weiter berichtet er von Wilderern, die unerlaubt in den Wäldern jagen, von einer unerwarteten Arztrechnung des verstorbenen Landkomturs, und den bereits verrichteten Gartenarbeiten. Außerdem klärt er von Forstmeister über die momentane militärische Lage in der Gegend auf, um seinen Brief mit einem Beispiel für das unmenschliche Verhalten der französischen Besatzer zu beenden.
 

 

Hochwürdig- Hochwohlgebohrener Freiherr, insonders Hochzuverehrender Herr Landkommenthur,

Hochgebietend-gnädiger Herr!

 

Euer  Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade, den Monats Januarii Statum, zur Hohen Einsicht und gnädigen Genehmigung unterthänig beizufügen. Zufolg deren mir in Betref des verstorbenen Jägern Johan Eisel, übergebenen Rechnungen belauft sich eine derselben und zwarn des Wirthen zu       Schlebusch ad                                                                               Rr.  225     7      stb.       – ,

Eine dito des Wirthen zu Schlebuschrath   ad                                        51    22      „         8 ,

An Hergelehntem Geld                                                                       9     35      „          – ,

Eine Schusters Rechnung von                                                                11      –                   -,

Eine Schneiders von                                                                            1      –    36           -,

Und eine der Waschfrau ad                                                                  3      –      6           -,                                                                                                           ———————–

Sa                         301-   46  -8

 

Der Seele. hat noch zu gut vom Jahr 1794 in 95 an Stieflen                   „    5-  „    –   –

An Jahrlohn vom 24n. 7br. 1795 bis zum Sterbtag                                  „      10-  „    –   –

An Sterbqaertal, falls dessen Auszahlung gnädig genehmigt wird           „        7-  „   30 –

Das bei dem Seeln. vorgefundene Geld belauft                                       „         3- „    6  –

Und ein noch vorgefundenes Jagd Gewehr mit Büchsensack taxiert      „         6- „    –   –

————————-

Sa                          31- „   36   –

 

Nach Abzug dieser 31 r. 36 stbr. hinterlässt also der Verstorbene eine Schuld von Rhr. Spec. 270- 10- 8. Euer Hochwürden Exzellenz werden gnädig erlauben, daß ich aus dem Activ-Statu zuerst den Schuster, Schneider und die Waschfrau befriedige und den kleinen Überrest, nach Proportion der Forderung, unter die beiden Wirthe austheile. Wie ich aber diese beiden in Betref des übrigen Quanti zu verbescheiden habe, hierüber sehe ich den Gnädigen Befehlen unterthänig entgegen.

Mit Hn. Rentmeister Dechen habe ich zwar in Belang des so wohl in den Gemarken – als Hochdero eigenen Buschen dermalen zu fällenden Klüppelholtzes dahin verabredet, daß solches auf der Stelle gegen gleich baare Erlegung deren Kaufschillingen auf des Ankäufers Gefahr bestthunlichst zu veräußern sei; allein! Unter der Bedingung: auf des Ankäufers Gefah; will sich kein Kauflustiger dazu vorfinden. Da immittels der Holtz-Preis wegen dem in Menge her noch vorrätigen- und jetzt nacher Köln und Mülheim geführt werdenden schwarzen Brand[1] mehr und mehr herunter sinckt, so finde ich ohnmaasgeblich am dienlichsten daß das Holtz auf jede nur thunliche Weise zum besten Hochdero Interesse verkauft werde. Solches aufzubewahren kan ich wegen der Gefahr, worinn wir wegen des bei geendigtem Waffenstillstande muthmaßlich in hiesigen Gegenden  eröfnet werdenden Kriegs-Theaters uns befinden werden, nicht für gut heißen.

Vor etwa 14 Tagen erfuhr ich, daß Tages vorher einige Mülheimer sich erkühnt haben sollten, die hiesig  Morsbroicher Jagd Districte zu bejagen, ich gab also den Jägeren sofort den Auftrag, denenselben fleißig aufzulauren und im Ertappungsfalle dieselben zu pfänden. Schon des anderten Tages, da die Jägern nebst noch 3 mit sich genohmenen Bauren an Ort und Stelle sich kaum eingefunden hatten, kamen auch die Mülheimer, 6 bis 7 an der Zahl. Die Jägern traten also mit den Bauren hervor. Allein mitlerweile, daß die Jägern einen deren Mülheimer, der stehen blieb, pfändeten, gelang es den übrigen, mit Laufen durchzukommen, jedoch wurde noch einer davon durch einen Schuss eines Bauren am Armb blessiret. Ich war nun zwarn Sinnes, die Sache beim Amtsverhör zu Mülheim anzugeben und die Übertreter behörend bestrafen zu lassen: Hr. Stadtrichter aber sowohl als Hr. Gerichtschreiber hielten dafür, daß bei gegenwärtig critischen Zeitpunkte diese Sache entweder gänzlich auf sich beruhen zu lassen  oder wenigstens aufzuschieben sei, um so mehr, als sich noch vor wenigen Tagen ein ähnlicher, jedoch blutigerer Auftritt zwischen den Mülheimer und Dünnwalder Einsassen wegen von ersteren verübten Holtz-Diebereien ereignet habe.

Da seit obigem Vorgang kein Mülheimer, in hiesigem Jagdbezircke sich mehr hat blicken lassen und durch die Blessur, welche der eine erhalten, die übrigen zimlich abgeschreckt zu seyn scheinen, so bin auch ich zwarn des unthgen. Dafürhaltens, daß für diesmal gnädig durch die Finger zu sehen sei, um bei allenfallsig fernerem Ertappungsfalle desto härter strafen zu können. Inmittels submittire[2] Euer Hochwürden Exzellenz gnädigen Befehl hierunter ganz unterthänig.

Bei Gelegenheit, daß ich dem Hn. Doctorn Contzen seine jura wegen Bedienung des Seeln. Jägern ausbezahlte, übergab derselbe mir eine Rechnung von 24 rr., diewelche er an dem Hochseeligen Herrn Landkommenthurn Fhn. von Roll noch zu gut hätte. Er bedeutete mir miteins, daß er zwarn, um sothane Rechnung Euer Hochwürden Exzellenz bei Hochdero jüngsthinnigen Anwesenheit dahier zu überreichen sich hieselbst eingefunden, aber die Gnade nicht gehabt habe, Hochdieselben anzutreffen, ich verwunderte mich über diese Rechnung umso mehr, als mir, wenigstens von medicinischen Besuchen der Hn. Dren., nichts wissig, zudem auch Hochdero Herr Vorfahr derlei Casus extraordinariis[3] glich auf der Stelle abzumachen pflegte; da indessen in untergebenem Falle dies nicht geschehen, so werden Hochdieselben die Abführung sothaner Rechnung mir oder Hn. Rentmeister Dechen /: weilen mein Vorrath beinahe geschmoltzen ist :/ anzubefehlen hoffentlich die Gnade haben.

Die Gartenhecke ist nun vollends ausgerottet und mit denen sich daraus ergebenen Stählen, 800 an der Zahl, Hochdero Buschen hin und wieder ausgebesseret worden. Der Gärtner ist dermalen mit Bepflanzung deren Obstbäumen an die Stelle der ausgerotteten Hecke beschäftiget, die Taglöhnern hingegen mit Auswerfung des Hausweyers, um damit den Cascaden-Weyer auszufüllen.

Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrliches vom 29n. Xbris a. p[4] hab erst vor ein paar Tagen zu erhalten die Gnade gehabt, zur schuldigsten Folge dessen, werde ich also mit fernerem Verkauf deren Weiden bis auf weitern mit zukommen gnädigen Weisungen einzuhalten, unterthänig zu entstehen. Den dabei befindlichen Anschluss hab sogleich an Halbwinnern zu Mannforth befördert. Sollten Euer Hochwürden Exzellenz fernere gnädige Befehlschreiben an mich ergehen lassen, so bitte unterthänig, dieselben á Mühlheim in Römer addressiren zu lassen, ich vermuthe, daß ich solche alsdann fruher erhalten werde. Süß ist zwarn die Ruhe, welcher die Bewohnern zwischen Wupper und Aacher gegenwärtig genießen, aber desto bitterer werden auch, wenn der Friede nicht zu stande komt, die schröckbaren Besuche der Franzosen uns aufstoßen. Wehe uns Elenden, wenn sie sich in hiesigen Gegenden noch so /: wie wircklich die Mäuse thun :/ vermehren sollen. Zu Grimlinghausen haben sie vorgestern eine aus holländischen Schiffen bestehende Brücke über den Rhein geschlagen, zu Düsseldorff sowohl auf dieser  als der andern Seite des Rheines wird noch unaufhörlich an Batterien gearbeitet. Trübe Prospekten![5] Zu Opladen und in mehreren Ortschaften hat der Plünder-Geist der Carmagnols einen neuen Modum á aquirendi [6] ausersonnen. Sie lassen nehmlich, wo sie bei bemittelten Leuten in Quartier sind, des Nachts durch ihre Cameraden ihre eigenen Pferde aus den Ställen wegholen, geben sodann den Wirt als Thäter an, führen ihn in Prison[7], und lassen sich, ehebevor sie ihn wieder loslassen, die Pferde noch einmal so teur bezahlen, als sie werth sind. Ist die Zahlung geschehen, so erlangt der Prisonnier wieder seine vorige französische Freiheit. O Freiheit! O Schurken des le Fevbreschen Corps! Wofür der Himmel uns ferner bewahren wolle.

 

 

Euer Hochwürden Exzellenz

 

Unterthänig-treu-gehorsamster Diener Linden ppria.

Zu Euer Hochwürden Excellenz Hohen Gnaden empfehle ich mich ganz unterthänig und hab die Gnade, in tiefester Hochverehrung zu ersterben

 

Morsbroich am 5n. Febrii. 1796

 

Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig-treu-gehorsamster Diener Linden pria.

 

 

[1] Gemeint ist Kohle.
[2] Lat. : unterwerfe.
[3] Ungewöhnlicher Fall.
[4] Lat. : anno passato = im letzten Jahr.
[5] Aussichten.
[6] Lat. = die Form der Aneignung, Linden wird hier ironisch.
[7] Franz. = Gefängnis.

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