Antwort auf: Nr. 3a – 04.10.1795

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 3a – 04.10.1795 Antwort auf: Nr. 3a – 04.10.1795

#724

Letzte Fassung!

 

Nr. 3a                                                                                                                   1795  Oktober 4

 

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

 

Linden berichtet vom Holzfrevel der Bauern, was er auf den Einfluss der Französischen Revolution zurückführt. Die Belästigungen durch das französische Militär haben inzwischen deutlich abgenommen, den Offizieren der Revolutionsarmee gelingt es mehr und mehr, die Disziplin der Soldaten wieder herzustellen.

 

P.Stum

Auch Hochgebietend-gnädiger Herr!

Hab Euer Hochwürden Exzellenz ich hiemit untg. anzeigen sollen, wie ich so eben einem dahiesigen Holtzhändler N. Busch sechs deren in meinem gestrig untgen. Berichte angezogenen Weidenbäume pro Stück zu 7 Kronthler. als einem Hochdero Interesse ganz angemessenen Preise verkäuflich überlassen habe. Ohnerachtet die Bauren dahier von den Patrioten so hart sind hergenohmen worden, so hat doch wircklich viele derselben der Patriotismus und Freiheit inficiret und eben diese sind es, die den Buschen jetzt am meisten schaden wollen, um so kühner, als sie wissen, daß man ohne Gewehr ausgehen müsse. Heut früh ertapte ich derer 2, die mit Abhauen eines Heisters[1] sich beschäftigten; anstatt, daß sie die Axe[2] sollten ablegen, kamen sie damit frech auf mich los. Zum Glück hatte ich meine Pistole im Sack, womit ich nicht allein mich rettete, sondern auch des Beils habhaft wurde, und noch oben drauf einen davon tüchtig abschmierte. Der Jäger war hingegen gestern nicht so glücklich. er erwischte auch einen Bauren, der Holtz stehlen wollte. Dieser hatte ebenfalls das Beil nicht abgeben, vielmehr dem Jäger den Kopf damit spalten wollen. Ich werde indessen diesen Schurken noch heute vor Gericht laden lassen.

Da die Fangzeit der KrametsVögel[3] vorhanden ist und ich unter der Hand erfahre, daß einige Fängeren unter dem Vorwand, daß ihnen die Vögel von den Franzosen weggenohmen worden, die Pachtvögel hernach nicht ablieferen würden, so ließ ich sämtlichen ansagen, daß für dies Jahr die Pacht in Geld und nicht in Vögel /: deren sonst von jedem Heerd nur 10 Gebund, das Gebund zu 6 St. gerechnet abgegeben wurden :/ abzuführen sey und einjeder vor Erbauung deren Vogelheerden sich desfalls mit mir abzufinden habe. Heut fanden sich auch wirklich 4 ein, dreien verpachtete ich, jedem zu 1 ½ rthlr. der 4te aber wolte platterdings beim alten Pacht bestehen und sagte mir rund heraus, daß er widrigenfalls mit den übrigen patriotisch werden und ohne Pacht fangen würden. Elende Patrioten! Indessen sieht man hieraus, wie der Baur wirklich benebelt ist. Die Schnepfen werden diese Saison einen glücklichen Strich haben, weilen niemand, auch kein Franzos, auf die Jagd geht. Die Einquartirung  im Hause dahier ist noch die nehmliche, wie ich sie unterm 27en. jungsthin untg. einberichtete. In hiesigen Gegenden sind wenig Franzosen dermalen, jene Ortschaften, wo keine Fourage zu haben, sind meistens frei davon. Man ist übrigens mit dem Betragen der Einquartirten fast allenthalben, besser wie mit jenen der Kaiserln. zufrieden. Nur das ist dabei sehr hart, daß man Menschen und Pferde fütteren muss und die Franzosen auch keine Victualien von der andern Seite auf die hiesige passiren lassen. Hingegen kann man von dieser Seite auf die andere alles transportiren, was man nur hat. Ihre Fourage, Brod und Fleisch verkaufen sie, um ein Stüber Geld zu bekommen. Ordnung und Mannszucht tretten nun doch bei ihnen wieder ein, zu deren Beobachtung ihnen wirklich die strengsten Befehle erteilt sind. Ein Curassier und 1 Dragoner, so bei einem Kaufmann dahier in der Nähe gestern einige Stoffen umsonst kaufen wolten, wurden von den Bauren rechtschaffen abgeschmiert und dann auf Befehl des hier logirenden Lieutnants zur gebührenden Bestrafung dem Gralen. nacher Bensberg zugeschikt. In hiesigen Gegenden, besonders aber in Düsseldorff, Ratingen und den umligenden Örteren sowie auch auf der anderen Seite des Rheins wütet die Dysenterie[4] gantz erstaunlich. Hr. Reckum und seine Tochter Josepha sind heut dem Tod sehr nahe.

Ich erbitte mir übrigens /: so wie unterm 27n. 7br.[5] schon geschehen :/ in Betref der Beibehalt- oder der Abschaffung der hiesigen Haushaltung Hochdero gge. Entschließung sowie die sonstigen gg. gefälligen  Verhaltungbefehle ganz untg., und ersterbe ut in litt.

Mbroich. d. 4. 8br. 1795 Linden

 

[1] Junge Buche.
[2] Wahrscheinlich verschrieben: Axt.
[3] Drossel.
[4] Durchfall, bakterielle Darminfektion.
[5] Siehe Nr. 2.

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