Antwort auf: Nr. 5 – 2. 12. 1795

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 5 – 2. 12. 1795 Antwort auf: Nr. 5 – 2. 12. 1795

#725

Letzte Fassung!

 

 

Nr. 5                                                                                                             1795 Dezember 2

 

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen 49 a

 

Linden schickt den Monatsstatus November und berichtet über die schwierige Lebensmittelbevor-ratung. Die beiden alten Kommende-Diener Simon und Niclas hat er inzwischen bei seiner Schwester in Mülheim untergebracht. Forderungen nach Holz aus den Wäldern um Morsbroich herum kann er in Verhandlungen abwehren. Es gehen Gerüchte im Bergischen Land um, dass die Franzosen sich weiter zurückziehen, eventuell sogar auf die andere Rheinseite. Für den optimistisch gestimmten Linden  ist das Anlass genug, eine erste Übersicht über Schäden zu veranlassen und an eine Reparatur zu denken.

 

Hochwürdig- Hochwohlgebohrener Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomthur,

Hochgebietend gnädiger Herr!

 

Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsicht und gnädigen Genehmigung habe ich anbei den 9.bris Monats-Status unterthänig einschicken sollen. Mit Auszahlung deren sonst gewöhnlichen Wochenlöhnen an die hiesigen Dienstmägde hab in gefolg Hochdero mir gnädig erteilten Instruktion einsweilen zucken[1] und den desfallsigen so wohl als sonstigen Gnädigen Verhaltungsbefehlen zu vorderist unthg. entgegen sehen wollen. Auch werden Euer Hochwürden Exzellenz aus obigem Monats-Statu so wie auch aus beiden vorigen die Gnade haben zu entnehmen, daß sothane Instrucktion in betref der Austheilung deren Wein- und Bier-Portionen pflichtschuldigst befolgt worden sey. Die Ursache hievon besteht darinn, weilen man bei der bisherig-traurigen und noch immer unsichern Lage einen etwaigen Vorrath an Victualien um so weniger anschaffen darf, als man stündlich wegen Wegnahme derenselben in Forcht ist. Es kostet Mühe gnug, von einemTage zum andern sich durchzuschleppen. Die beiden alten, durch die bisherigen Plünderungen auch sehr betroffenen Simon und Niklas befinden sich schon seit dem 7n. vorigen Monats, in der Flucht und zwarn zu Mülheim bei meiner Schwester, der dasigen Gerichtsschreiberinen. Da ich dieselben anderst nirgend unterbringen konte, so hat besagte meine Schwester dieselben auf mein Zureden auf- und angenohmen. Ich hab mit derselben sodann pro Tag zu 25 stbr. pro Mann für Kost, Tranck und ein Zimmer accordiret und lebe in der Hofnung, dass Euer Hochwürden Exzellenz sothanen Accord[2] gnädig genehmigen- und die Auszahlung des Ertrags bis zur Ruckkehr dieser beiden Flüchtlingen nacher Morsbroich mir zu befehlen gdg. geruhen werden; Hochdero gnädigen Entschließung unterwerfe ich mich immittels hierunter ganz unterthänig. In der Zwischenzeit, da die französische Armée sich wieder an der Sieg befand und man unter dem unerträglichen Joch der Freiheits-Männer wieder schmachten musste, wurde auch, auf Befehl eines national Forstinspecteurs Nahmens Emmerich aus Köln das aufm Hof dahier von vorigem Jahr her noch vorrätige zum Einheizen für diesen Winter bestimmte Spelterholz[3] – so wie auch der ganze Vorrath des jüngsthin von mir verkauften – auch wircklich bezahlten Splitterholtzes durch mehrere von der anderen Seite des Rheins hierhin beorderte Karrigen unter Aufsicht eines Untercommissars /: ebenfalls eines Kölners :/ und unter Bedeckung einiger Truppen dahier aufgeladen – und für die Republik /: oder hauptsächlich wohl für einige Republicanische Kölner :/ nachher Köln hingeführet. Diesemnach solte es nun auch noch auf Hochdero landkomthürln.- und Ballei- Buschen losgehen. Die Bürrich- und Schlebuscher Gemarken, auf welchen Euer Exzellenz mitberechtigt sind, mussten jede 30 Klafter verfertigen; von hier  bis Düsseldorff solten überhaupt 10000. Klafter Holtz eiligst fertiggestellet werden. Ich wendete mich gleich zu besagtem Emmerich qua Commissaire en Chef et l‘Inspecteur des Forêts  d´arrodissement[4] de Bonn  und brachte es auch durch vieles Vorstellen und Bitten und mit einer douceur[5] von 1 Carolin einstweilen soweit, dass mit dem Holtzfällen in Hochdero Buschen noch zur Zeit /:  bis dahin ich mit Ihm in der Hauptsache mich abgefunden hätte, daß nehmlich die landkomtürlen.- und Ballei-Buschen nicht angegriffen werden solten :/ gezucket[6] wurde. Gleich anderten Tags wurde nun in den benachbarten churfürstlich- so wie auch in den Dünnwalder Buschen mit 60 Bauren der Anfang gemacht, und damit continuiret,[7] da sich mitlerweile das Gerücht verbreitete, dass die Armee, in kurzem wieder in ihr voriges Lager bei Düsseldorff sich zuruckziehen-  und vermuthlich gar den Rhein passiren würde, so zauderte ich mit dem Accord-Treffen mit ihm Emmerich; die Retirade geschah auch wirklich und Euer Exzellenz Buschen blieben somit für diesmal noch geschonet. Solte auch die Armée nochmal avançiren[8], so hoffe ich jedoch, dieselben /: ein für den gegenwärtigen Zeitpunkt sehr kostbares Pfand :/ zu retten. Wirklich zahlt man pro Viertel Holtz noch einmal so viel als sonsten, nehmlich an statt 16- schon 30- und mehrere rthlr. Nur schade, dass man noch zur Zeit mit dem Abfällen, wozu die Zeit wircklich vorhanden ist, so wohl aus Forcht für die Franzosen als für die jetzt eben so schlecht denckenden Bauren noch nicht darf anfangen lassen. Den ganzen Verlust, welchen Morsbroich durch die bisherigen Plünderungen erlitten hat, können die Buschen, wenn solche noch ferner salvirt[9] bleiben, binnen  kurzem wieder ersetzen, um so mehr, als das Haus selbst mit seinen übrigen Gebäuden, außer einigen gringen Beschädigungen der Thüren und Schlosseren, fort zerbrochenen 27. Glas Scheiben noch ganz unverletzt dasteht. Der liebe Gott wolle uns nur bald wieder die süße Ruhe angedeihen lassen.

 

Zur Zeit der in etwa hergestellten Ruhe werde ich sotane Kleinigkeiten durch den Schreiner wieder repariren, sofort mit der mir gnädig befohlenen, durch die beständigen Unruhen aber immer unterbrochenen Arbeit mit Abänderung der Cascade Weyers und im Garten fortfahren lassen, wegen den im Hause abgerissenen Tapeten aber, Euer Hochwürden Exzellenz Gnädigen Befehlen unthg. entgegen sehen.

 

Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden empfehle ich mich übrigens ganz unterthänig, und ersterbe in tiefester Hochverehrung.

 

Morsbroich den 2n. Xbris. 1795

 

Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehorsamster Dr. J. P. Linden.

 

N.S. Einem hiesigen Nachbarn verkaufte ich vorgestern 3 abständiger Weiden, für 25 brabn. Kron., gegen gleich baare Bezahlung, welchen Verkauf Euer Exzellenz zu genehmigen, untg. gebetten werden.

 

 

[1] Sic! – zögern?
[2] Lat. = Übereinkunft.
[3] Hier eingefügt: größtenteils.
[4] Oberkommissar und Forstinspektor des Kreises Bonn.
[5] Franz.: Verehrung, Geschenk.
[6] Wohl wie Anmkg. 1: gezögert.
[7] Fortrgesetzt.
[8] Vormarchieren.
[9] Gerettet.

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