Antwort auf: Nr. 13a – 1. 4. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 13a – 1. 4. 1796 Antwort auf: Nr. 13a – 1. 4. 1796

#728

Letzte Fassung!

 

Nr. 13 a                                                                                                                    1796 April 1

 

Linden berichtet, dass er, dem Erlass vom 20. vorigen Monats folgend, den Erben Clievers 10 Eichen schlagen lassen wird, die aber durch neue Jungpflanzen ersetzt werden sollen. Er hat Geld von der Halbwinnerin bekommen das, er an einen Primissario weiterleitet. Dann erzählt er von Streit zwischen dem Schlebuscher Müller und dessen Kunden. Die Sache landet beim Amtsgericht in Opladen und danach beim Gericht in Düsseldorf. Die Kunden waren sehr unzufrieden mit der Arbeit, dem Preis etc. des Müllers und waren darum zu anderen Mühlen gefahren. Darum hat der Schlebuscher Müller geklagt, denn er meint, dass die Leute nur bei ihm mahlen lassen dürfen.. Der Müller hat einen Teil der Pacht bezahlt und wird von Linden angehalten, den Rest bald aufzubringen. Dann schreibt Linden, dass neue Stauden und Pflanzen angekommen sind, der Hofgärtner sie aber noch nicht begutachtet hat. Er teilt noch mit, dass es z.Z. keine Kriegshandlungen gibt. Die Franzosen lagern bei Uerdingen und wollen eine dritte Brücke über den Rhein bauen. Auf der anderen Seite der Wupper wird viel Bauholz etc. beschlagnahmt. Aber es wird auch viel über Waffenstillstands- Verlängerung und Frieden gesprochen. Pariser Nachrichten sollen das berichtet haben.

 

 

Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

 

Auch insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur!

 

Werde ich den mittels Euer Hochwürden Exzellenz Hochverehrlichen Erlasses vom 20n. v: M:, auf die Bittschrift deren Erbgln. Clievers erhaltenen lehnherrl.- Bescheid an die Behörde gelangen lassen und Sorge tragen, daß nur die begehrten 10 Eichbäume und nicht mehrere abgepfählet – und statt deren, wiederum neue eichene Stahlen[1] angepflanzet werden.

Belangend die von der Halbwinnerinn zu Kochenholtz zur Schlebuscher Vicarie zahlten 80 rhr. hab ich solche dem jetzigen Primissario, nachdem dieser mir zuvorderist einen von den Erbgln. Breuer ausgestellten Schein, daß nehmlich sie wegen ihres daran noch habenden Antheils befriediget sei, vorgezeiget hatte, gegen Quittung eingehändigt.

Die Strittigkeiten, welche sich vor ein paar Jahren zwischen dem Müllern zu Schlebusch, sodann einigen unter dasigen Mühle-Zwang gehörigen Einsassen ereignet haben und noch wircklich obwalten, bestehen in folgendem: Sotaner Müller, nachdem er in Erfahr gebracht, daß etwelche Zwangbare ihre Frucht auf anderwärtigen Mühle, mit Vorbeigehung der seinigen hatten mahlen lassen, wolte dieselben durch richterlichen Bescheid wieder zu seinem Zwang vermögen. Zween aus der Schlebuscher Gemeinde traten, Nahmens derselben, auf, kamen excipiendo:[2] daß die Mühle kein Zwang-Gerechtsam habe: beim Amtsverhör ein, und brachten in der Folge, auch noch verschiedene Beschwerden wider den Müller ein, vorgebend, daß sie nicht nur mit schlechtem Gemahl bedienet würden, sondern auch zuweilen, wegen Mangel des Wassers, gar nicht bedienet werden könten, daß der Müller keinen veraideten Mahlknecht habe, und daß zu viel Molter[3] genohmen würde. – Die Sache wurde nun rechtshängig und beim Amtsverhör zu Opladen ventiliret.[4] Hr. Ballei-Sindicus Schüller grif das Possessorium[5] an und es wurde durch eine im Aug. 1794 gefällte Urthel, der Müller, Nahmens seiner Pacht-Herrschaft, bei dem Zwanggerechtsam[6] manuteniret,[7] und die Gegenseite zum Ersatz des entzogenen Molters und in Expensas condemniret.[8]

Von dieser Urtel haben Gegnern nacher Düsseldorff zum Hochpreisln. Hofrath appelliret und daselbst die Sache auch fortgesetzt. wegen Abwesenheit des Hn. Hofrathe Schüller, hat der Müller zum Advocaten angenohmen dHn. Amtsverwalter Beiderlinden zu Opladen, welcher das voriger Instantz Urthel selbst gemacht – und nunmehro auf den Ggseitigen. Libellum Gravaminum[9] eine exceptional Handlung[10] gefertigt – und übergeben hat lassen, worauf die Gegnere dermalen in mora agendi [11] sind. Immittels fahren die widerspenstigen Eingesessene, deren einige jedoch der Schlebuscher Mühle sich wieder bedienen, lite pendente[12] noch fort, ihre Früchten auf fremden Mühlen mahlen zu lassen und  zwarn um so mehr, als auf denenselben nur ½ Vrtl. – aufder Schlebuscher hingegen 1Vrtl. Molter pro Mltr.[13] genohmen wird. Dies rührt aber daher, weilen Schlebuscher Müller die Frucht bei den Eingesessenen muß abholen lassen, denen anderwärtigen Mülleren aber solche in die Mühle gebracht werden muß. Dies ist, was Euer Hochwürden Exzellenz ich für heut von der Sache unthg. einberichten kann.

Besagter Müller brachte mir gestern auf seine Ruckstände 50 rhr. Spec., worüber ich ihm im Abschlag auf seine noch ruckständigen Pachten quittiret – und den Überrest baldigst abzuführen denselben schärfest angewiesen habe.

Die Hn. André und Bertoldi werde ich wegen den anverlangten Stauden und Pflanzen auf ferneres Melden zufolg gnädigen Auftrags verbescheiden. DHr. Hofgärtner Weihen hat sich, um dieselben zu besichtigen, bis herzu dahier noch nicht eingefunden.

Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsichte und gnädigen Genehmigung[14]habe ich anbei den Monats Status Martii unterthänig anschließen sollen.

Von Kriegs-Begebenheiten ist es noch still in hiesigen Gegenden, jedoch schwebt man, fast mit jeder Stunde, in Besorgnis, daß die Republicanischen Truppen sich wieder hinauf zu schwingen werden. sie ziehen sich auf der anderen Rheinseite bei Ürdingen stark zusammen und wollen, wie es heißt, daselbst eine dritte Brücke über den Rhein schlagen, dies bestättigt eine in dieser Woche jenseits der Wupper geschehene Requisition einer ungeheuren Menge theils eichen- teils weidener Bretteren und Balcken, und die Wegnahme jener Nachen, deren sie habhaft werden konten. Von Verlängerung des Waffenstillstandes auf 3. Monate so wie auch vom baldigen Friede wird seit gestern wieder viel gesprochen. Pariser Nachrichten sollen denselben enthalten.

 

Ich befehle zu hohen Gnaden mich ganz unterthänig, und ersterbe uti in litt.

unthg. Treu gehster. Dr.[15] Linden mpr.

 

Morsbroich d. 1n. April 1796.

 

 

[1] Unbekannter Begriff, er ließ sich nicht ermitteln: Jungpflanze?.
[2] Einredeweise.
[3] Mahllohn des Müllers an Getreide.
[4] Untersucht.
[5] Die Klage.
[6] vererbliches Nutzungsrecht.
[7] Bestätigt.
[8] Zur Übernahme der Gerichtskosten verurteilt.
[9] Beschwerdeschrift.
[10] Einwand, hier wohl eine Widerlegungsschrift.
[11] Erfüllungsverzug.
[12] Wegen des noch anhängigen Streites.
[13] Malter, ein damals gängiges Volumenmaß für Kornfrüchte.
[14] Am Rand Anlagenhinweis der Mergentheimer Kanzlei.
[15] Diener.

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