Antwort auf: 26. 1. 1814

Foren Lindenbriefe Strauweiler 26. 1. 1814 Antwort auf: 26. 1. 1814

#760

<span style=“color: #ff0000;“>Letzte Fassung!</span>

 

 

Strauweiler                                                                                                    26.1.1814

 

Landesarchiv Brauweiler

 

Hochgebohrener Herr Graf, Hochzuverehendester gnädiger Herr!

Seitdem die Communication mit dem jenseitigen Rheinufer wieder eröfnet, hatte ich mit zwarn alltäglich vorgenommen, Euer Exzellenz meine unterthänige Auufwartung persöhnlich zu machen und war des Ends auch schon in voriger Woche zu Mülheim, konnte aber wegen des an diesen Tagen sich eingefundenen oberrheinischen Eises den Rhein nicht passieren. Der so gefürchtete Ruckzug der Franzosen und die ebenso furchtvoll Ankunft der Russen, besonders der Kosacken, sind für die hiesige Geegend glücklich vonstatten gegangen, so daß man weder von der einen noch von der anderen Seite einen Mann dahier hat zu sehen bekommen. Strauweiler hat bisher auch noch keine Einquartirung gehabt, obgleich zuweilen einige Kosacken, die ihre Marschroute entweder zufälliger, vielleicht auch absichtlicher Weise verfehlt hatten, sich dahier im Dorfe einquartirt haben. Indessen hab ich doch die Gelegenheit gehabt, diese Gäste kennenzulernen. Im Wege einer dem Amte Odenthal auferlegten Requisition wurden drey Kosacken zur Execution ins Ort gelegt. Schon den anderen Morgen hatte ich die Ehre von denselben einen Besuch zu erhalten. Ich gab ihnen ein Fruhstuck mit Schnaps, sie forderten endlich auch Wein und diesen bekamen sie auch. Des folgenden Tages fanden sie sich fruhzeitig wieder ein und ich gab ihnen auf ihr Begehren wiederum ein Fruhstuck wie vorhin. Imittels zoh einer von ihnen einen Brief aus der Tasche, woraus derselbe mir vorlahs und bedeutete, daß ich für ihren Hrn General zu Mulheim eine gute Portion grüner Fische besorgen müßte, ich erwiderte hierauf, daß dieses bei der jetzigen kalten Jahreszeit fast nicht möglich wäre und daß derlei Fische auch weit schicklicher in Mülheim als in hiesiger Gegend zu haben seyen. Ich müsste sorgen, daß sie beigeschaft würden sagte ein anderer mit Ungestüm und mit dem Zusatz: Es sei ihm schon bekannt, daß in vorigen Zeiten den Franzosen alles, was sie nur verlangt, dahier aufm Hause hergegeben worden sei und sie wüssten auch, daß der Herr Graf von Metternich drüben bei den Franzosen sei, ich sagte ihnen hiergegen: Sie müssten sich durch das Baurengeschwätz nicht irre führen lassen, ich könne ihnen behaupten, daß Hr. v. Metternich ein kais. Österreichischer Gesandter sei und sie müssten mich übrigens mit ihren Forderungen in Ruhe belassen, damit ich nicht genötigt würde, bei der Generalität meine Klage vorbringen zu müssen. Hierauf gingen sie weg und ließen mir des anderen Morgens schriftlich andeuten, daß ich für sie auf den Mittag eine Fischsuppe nebst gebackenen Fischen und einigen Boutaillen Wein in Bereitschaft haben müsste. Ich ließ ihnen obrucksagen, daß wenn sie mit ihren Quartieren nicht zufrieden wären, sie sich desfalls beim Bürgermeister melden müssten, ich sei ihnen nichts schuldig. Sie blieben hierauf des Mittags aus, fanden sich jedoch gegen Abend wieder ein und begehrten ganz höflichst Schnaps und etwas Wein. Ich willfahrte ihnen und sie nahmen mit weniger vorlieb, verweilten nicht lange, bedanckten sich sehr für das Empfangene, gingen weg und kamen von jener Stunde an nicht mehr wieder zu mir, obschon sie sich noch 14 Tage lang dahier aufgehalten haben. Die Requisitionen an Hornvieh und Pferden, an Fourage und Früchten jeder Gattung, an Stiefelen, Schuhen und sonstigen Montierungsstücken sind dahier im zimlich starck. Auch wird desselben mit Spanndiensten hart hergenohmen. Dies alles ist jedoch gegen dasjenige, was unsere Nachbahrn, die Bewohner der Chaussén, durch die Last der häufigen Einquartierungen ertragen müssen, gar nicht in Vergleich zu stellen. Eine Contribution von 3 Millionen Franc ist von dem hiesigen Gral Gouvernement auch schon ausgeschrieben und soll in Zeit von 3 Monaten von den Bestvermögenden vorschussweise zahlt werden. Mit der Aushebung der jungen Manschaft zum Militairdienst wird sehr rasch fortgeschritten. Gestern ist schon die 3te Musterung vor sich gegangen. Zu der 1teren sind die Jahre 21 bis 24 incl. Zu 2teren das Jahr 25 und zum 3ten das Jahr 20 genohmen worden. Nun komt der Landsturm von 17 bis 60 /: woraus dann die Landwehr bis 45 gebildet werden soll:/ noch hinzu. Welche eine ungeheure Masse von Streitereien, wenn ganz Deutschland auf die nehmliche Art zu Werk gegangen wird? Inzwischen ist der Mangel an Arbeitern schon dahier merckbar und wird noch mehr mit jedem Tage. Ebeneso verhält es sich mit dem Mangel an Geld und hierinnen muss auch wohl der Grund liegen, daß ohnerachtet der zahllosen Truppen, welche jetzt schon beinahe 3 Monathe hindurch das Land hat unterhalten müssen, dennoch die  Fruchtpreise fast mit jedem Tag herunterkommen.

Soeben vernehme ich, daß fürs hiesige Amt Odenthal schon wieder Fouragelieferung von 3000 completten Rationen ausgeschrieben ist. Der Himmel verleihe uns doch den lange gewünschten lieben Frieden! In der unterthänigen Hoffnung, daß Euer Exzellenz mit Hochdero Famille in diesem neuen Jahre sich in dem besten Wohlseyn befinden werden, hab ich die Gnade Hochderenselben eine ununterbrochene Fortdauer davon gantz gehorsamt anzuwünschen und ebenfalls voll zu bestehen.

Euer Exzellenz unterthg gehorsamster Diener Linden

Strauweiler, am 26ten Januar 1814

beantw d. 19. Febr. 1814

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