Antwort auf: Nr. 23 – 18.1.1799

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 23 – 18.1.1799 Antwort auf: Nr. 23 – 18.1.1799

#765

Letzte Fassung!

 

Nr. 23                                                                                                                1799 Januar 18

Linden berichtet von den schwierigen Zeiten, in denen die Pächter ihre Abgaben nicht liefern und die Bedienten ihre Löhne bzw. ihre Pensionen bei ihm anfordern. Er kann nicht zahlen, da die geforderten Gelder für die Besatzungstruppen alle Vorräte aufgezehrt haben.

 

Hochwürdig hochwohlgebohrener Reichsfreiherr, insonders hochzuverehrender Landkomthur, hochgebietend gnädiger Herr,

Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsicht und gnädigen Genehmigung habe ich die Gnade den Monats-Status Xbris a. p.[1] dahier unterthänig anzuschließen. Nebst denen in besagtem Monats Statu gehorsamst angeregten und von mir wirklich ausbezahlten Rechnungen erhielt ich auch vor einigen Tagen die Rechnung des Hn. medici Conzen zu Mülheim de 1798, die sich auf 50 Rthlr beläuft. Jene des hierseitigen denen wider die beiden Mühlen Projectanten Eck und Grieß noch unerörtert obwaltenden Strittigkeiten adhibirten[2] Sindici Wisselink /: die ich noch nicht erhalten habe :/ dörfte sich wahrscheinlich wohl nicht geringer betragen. Die beiden pensionirten Hn. Simon und Niclas, der hiesige Jäger, die Köchin, Gärtner und Schreiner, alle schreien bei mir um Geld, um Auszahlung ihrer noch rückständigen Pensionen respci Löhnungen und Kostgelder. Doch wo soll ichs hernehmen. Auch ich hab meins von 2 ganzen Jahren her das mir gnädig zugelegte Salär und Kostgeld noch zu gut. Dem ohngeachtet hab ich bis herzu in der Hoffnung, daß die unglücklichen Zeiten sich bald ändern würden, mich selbst vergessen und diejenigen, die noch bedürftiger als ich waren, vor und nach, so viel es die Umstände erlaubten, unterstützt und nunmehro, wo mein weniges aufgezehrt ist, mich selbst hierdurch in eine üble Lage versetzt. Ich sehe auch platterdings nicht wohl ein, wie dem einreißenden Mangel gesteurt werden könne und in welcher Zukunft die rückstehenden sowohl als künftigen Pensionen und Gehälter ausgezahlt werden sollen. Sei es auch, daß aus dem in diesem Jahre zu fällenden Schlagholtz höchstens ein paar hundert Rthlr werden erlöst werden, so sind diese allerdings /: ohne an Gehälter und Löhnungen zu denken:/ zu Abtragung deren noch immer andauernden und unübersehbaren Kriegslasten Proceduren und sonstig vorkommenden Bedürfnissen kaum hinreichend. Und von denen dahiesigen Pächtern hat man umso weniger zu gewärtigen, als dieselben wirklich in der Vorzahlung sind und man ohnedem von ihnen in Rücksicht der continuirenden Kriegserfordernissen mit Fug nichts gewinnen kann. Die Herren Balleiräthe, welche ich ohnlängst über die Abstattung des von Euer Hochwürden Exzellenz von denenselben gnädig geforderten Gutachtens Betref deren Morsbroicher Gehälter befragte, wussten sich nicht zu erinnern, daß ein desfallsig gdger Befehl ihnen zugekommen sei, und glaubten sohin, daß der Brief, worinn solcher enthalten, auf der Post verlustig gegangen sey. Da inmittels die Nothdurft mit jedem Tage dringender wird und die hiesigen Leute meistens auf Credit zehren müssen, sodann ich bald von diesem, bald von jenem um Geld angefochten werde, indessen aber selbst nicht einst helfen kann, so bin wiederholter genötigt, Euer Exzellenz ein und anderes hiermit unterthänig vortragen und hochdero desfallsig gdgen. Verhaltungsbefehle mir gehorsamst ausbitten zu müssen. Den in Gemäßheit der am 27. April v. J. über die Eintheilung der Kriegslasten zwischen Ver- und Anpächter ergangenen Generalverordnung von mir gefertigten tabellarischen Auszug  aus denen von Hochdero dahiesigen Pächtern übergebenen Rechnungen hab die Gnade zur hohen Einsicht dahier untertänig anzuschließen, welchem zugleich ein Verzeichnis dessen, was von mir wegen Morsbroich gezahlt worden, beigefügt ist. Das Duplum dieser Tabelle hab jüngsthin dem H. Hofr. von Welter zugestellet, welcher solche dem Hn. Sindicus Dolleschall zu dem Ende übermacht hat und damit /: nach zuvorderist beigesetzten Quantum des Morsbroicher Halfens:/ den von der Regierung zu DDorff geforderten Beweis über die Nothwendigkeit des Steinbücheler Verkaufs führen zu können. Auf Anstehen des Hn. Hofrathes von Welter hab demselben die im Monat 7bre zu Abtragung der geistlichen Contribution aus der Velbrücker Cassa herbeigeschossenen 48 Livres mit 8 fr Kronthlr refundirt. Die pro tmo Martini 1798 fälligen sowohl als noch von einigen Jahren her rückständigen dem Hause Morsbroich schuldigen Martinshühner hab soviel es thunlich beigetrieben, vorab 5 .rtlr 9 stbr eingegangen sind. Wegen Abgang des Archivs fehlt mir die eigentliche Nachricht sotaner Debenten.[3] Von dem zum Haus Steinbüchel pflichtigen Lehnsträgeren haben sich bei jüngerer Hebung der Lehnzinsen mehrere aus nichts heischenden jetzt modischen Vorwänden im Zahlen geweigert. Ich werde indessen dieselben per viam Executionis hiezu anhalten lassen und dann sehen, was sie ferner machen werden. Wegen der bisherigen Überbürdung des Hauses Morsbroich in den nachher DDorf gezahlten Holtzgelder ist schon vor einigen Wochen hierseitige Beschwerdeführung zum Requisitionsdepartement übergegeben, darauf aber noch nichts resolvirt worden. Die Regierung fährt noch immer fort, über den Bestand sich genauest zu informiren, so wurde gestern der Pächter zu Doctorsburg desfalls prozokollariter vernommen. Durch einen schon zu Ende des vorigen Monats mir am rechten Arm zugestoßenen Geschwulst bin ich so hergenommen worden, daß fast kein Buchstabe mehr schreiben konnte. Seit ein paar Tagen bin doch /: Gottlob :/ wieder zimlich hergestellt. Auch die hiesige Köchin, die 2 ganzer Wochen hindurch mit dem Tode gerungen und dessen Ende man mit jedem Augenblick vermuthete, ist noch weit entfernt.

Unterthänig hoffend, daß Euer Hochwürden Exzellenz das gegenwärtige Jahr mit bester Gesundheit werden angetreten haben, wünsche zugleich, daß Hochdieselben dieses und noch viele folgende im vergnügtesten Wohlergehen werden zurücklegen.

Euer Hochwürden unterthänig treu gehorsamster Diener Linden

Morsbroich am 18n. Januar 1799

 

[1] Anno praeterito = aus dem vergangenen Jahr.
[2] Hier: befassten.
[3] Schuldnern

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