11a – 28.02.1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich 11a – 28.02.1796

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  • #667

    11 a                                                                                                              1796 Februar 28

    Von einem Postüberbringer erhält Linden aus Langenfeld die Nachricht, dass die franzosische Armee in Kürze wieder vorrücken werde. Vor einigen Tagen hatte er schon Möbel, Hausrat und Bilder aus dem Schloss nach Mülheim zu seinen Eltern und zum Gerichtsschreiber in Sicherheit bringen lassen. Damit den Franzosen möglichst wenig in die Hände fallen sollte, sind die Ämter eifrig bemüht  Steuern einzutreiben. Die Menschen jenseits der Wupper leiden arg unter den Kriegsdrangsalen. Er fürchtet, dass durch das Vorrücken der Franzosen eine Emigrationswelle unter den diesseits der Wupper lebenden einsetzen wird.

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

    Auch
    Hochgebietend gnädiger Herr!

    Hatte ich heut die Gnade, Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrliches vom 10n. diees von Langenfeld aus zu erhalten. Diesem zufolge werde ich also die Creditores des verstorbenen Revier-Jägers Eisel auszahlen und respec. verbescheiden. Der Überbringer desselben bringt mir miteins die traurige Nachricht mit, daß binnen wenigen Tagen  die Französ. Armee wieder vorrücken würde. O Elend, o Jammer!

    Der gestern von Köln gekommene Steinbücheler Ballei-Jäger referirte mir, daß, wie er von Hrn. Hofrath von Welter vernohmen habe, Euer Hochwürden Exzellenz  ihm die Mitaufsicht der hiesigen Büschen und Jägden gdg. aufgetragen hätten, und ihm dafür von gndm. Hrn. Hofrath  28 rhr. jährlichs, accordiret [1] worden seien, deren Auszahlung ich quartaliter, und zwarn à die obitus[2] des seeln. Jägern Eisel, zu entrichten hätte.

    Schon vor einigen Tagen hab ich die dahier noch vorfindlichen der Plünderung und dem Verderben ausgesetzten Meubles, als Zinn, Kupfer, Porcellain, Gläser, die Portraits, eine Hausuhr, Commode, Schreibpult  nebst noch einigen Stühlen und ein paar Säck mit Federen nacher Mülheim in meiner Elteren und des Hrn. Gerichtsschreibers Behausung hinführen lassen, hoffentlich werden sie daselbst wohl sicherer als hier seyn.

    Von executivischer Beitreibung der 2ten. Contribution vernimt man nichts mehr, die jüngsthin desfalls geschehene Bedrohung muß wohl nur ein blinder Larm geweßen seyn; indeßen ist Man doch anjetzo mit Eintreibung deren Steuren in hiesigen Ämteren sehr fleißig beschäftiget, aus Vorsorge, daß den Franzosen  bei ihrer Ruckkunft doch gar nichts in die Hände fallen solle.

    Man sieht nun wiederum, wo der Zeitpunkt des sich endigend.[3] Waffenstillstandes herbeieilet, neuen Auftritten in hiesigen Gegenden  ganz zaghaft entgegen. Man will zwar sagen, der Stillstand sei noch  auf einige Zeit prolongirt, allein, was kann uns dies nutzen, wenn nicht mitlerweile der Friede, unser einziges Rettungsmittel, zu standekomt. Unsre armen Nachbaren die jenseitigen Bewohner der Wupper fühlen die Kriegs Drangsalen auch sehr hart. Sie haben selbst, schier nichts mehr zu nagen, und müssen auch ihren hungrigen Gästen noch den Magen stopfen. Viele derenselben haben sich schon wircklich von Haus und Hof weggemacht, und es ist sicher, daß beim nochmaligen Vorrücken der Franzoßen in hießige Gegenden, die meisten Leute mit Sack und Pack emigriren werden, um wenigstens ihr bisgen Leben noch zu retten. Mögte doch der Himmel uns solch schaudervolle Tage nicht mehr erleben lassen, und ich bald die Gnade haben, von Euer Hochwürden Exzellenz mit der süßen Friedens Nachricht begnädigt zu werden.
    Die Hrn. Andrée und Bertoldi in Mülheim stehen an um einige entbehrliche Stauden und Blumen Gewächse aus Hochdero englischen Garten. über die Verabfolgung derenselben wollen. Euer Exzellenz die Gnade haben zu befehlen, sodan gnädig zu erlauben, daß ein Antwortschreiben von der Frau des Reitknecht Müller hier beifüge und ersterbe ut in litt

    Morsbroich d. 28n. Febr. 1796

    Ewer Hochwürden Exzellenz unthg. treu gehorsamster  Linden

    [1] Zugebilligt.
    [2] Vom Todestage an.
    [3] Abgekürzt: endigenden.

    #706

    11 a                                                                                                              1796 Februar 28

    Von einem Postüberbringer erhält Linden aus Langenfeld die Nachricht, dass die franzosische Armee in Kürze wieder vorrücken werde. Vor einigen Tagen hatte er schon Möbel, Hausrat und Bilder aus dem Schloss nach Mülheim zu seinen Eltern und zum Gerichtsschreiber in Sicherheit bringen lassen. Damit den Franzosen möglichst wenig in die Hände fallen sollte, sind die Ämter eifrig bemüht  Steuern einzutreiben. Die Menschen jenseits der Wupper leiden arg unter den Kriegsdrangsalen. Er fürchtet, dass durch das Vorrücken der Franzosen eine Emigrationswelle unter den diesseits der Wupper lebenden einsetzen wird.

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

    Auch
    Hochgebietend gnädiger Herr!

    Hatte ich heut die Gnade, Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrliches vom 10n. dieses von Langenfeld aus zu erhalten. Diesem zufolge werde ich also die Creditores des verstorbenen Revier-Jägers Eisel auszahlen und respec. verbescheiden. Der Überbringer desselben bringt mir miteins die traurige Nachricht mit, daß binnen wenigen Tagen  die Französ. Armee wieder vorrücken würde. O Elend, o Jammer!

    Der gestern von Köln gekommene Steinbücheler Ballei-Jäger referirte mir, daß, wie er von Hrn. Hofrath von Welter vernohmen habe, Euer Hochwürden Exzellenz  ihm die Mitaufsicht der hiesigen Büschen und Jägden gdg. aufgetragen hätten, und ihm dafür von gndm. Hrn. Hofrath  28 rhr. jährlichs, accordiret [1] worden seien, deren Auszahlung ich quartaliter, und zwarn à die obitus[2] des seeln. Jägern Eisel, zu entrichten hätte.

    Schon vor einigen Tagen hab ich die dahier noch vorfindlichen der Plünderung und dem Verderben ausgesetzten Meubles, als Zinn, Kupfer, Porcellain, Gläser, die Portraits, eine Hausuhr, Commode, Schreibpult  nebst noch einigen Stühlen und ein paar Säck mit Federen nacher Mülheim in meiner Elteren und des Hrn. Gerichtsschreibers Behausung hinführen lassen, hoffentlich werden sie daselbst wohl sicherer als hier seyn.

    Von executivischer Beitreibung der 2ten. Contribution vernimt man nichts mehr, die jüngsthin desfalls geschehene Bedrohung muß wohl nur ein blinder Alarm geweßen seyn; indeßen ist Man doch anjetzo mit Eintreibung deren Steuren in hiesigen Ämteren sehr fleißig beschäftiget, aus Vorsorge, daß den Franzosen  bei ihrer Ruckkunft doch gar nichts in die Hände fallen solle.

    Man sieht nun wiederum, wo der Zeitpunkt des sich endigend.[3] Waffenstillstandes herbeieilet, neuen Auftritten in hiesigen Gegenden  ganz zaghaft entgegen. Man will zwar sagen, der Stillstand sei noch  auf einige Zeit prolongirt, allein, was kann uns dies nutzen, wenn nicht mitlerweile der Friede, unser einziges Rettungsmittel, zu standekomt. Unsre armen Nachbaren die jenseitigen Bewohner der Wupper fühlen die Kriegs Drangsalen auch sehr hart. Sie haben selbst, schier nichts mehr zu nagen, und müssen auch ihren hungrigen Gästen noch den Magen stopfen. Viele derenselben haben sich schon wircklich von Haus und Hof weggemacht, und es ist sicher, daß beim nochmaligen Vorrücken der Franzoßen in hießige Gegenden, die meisten Leute mit Sack und Pack emigriren werden, um wenigstens ihr bisgen Leben noch zu retten. Mögte doch der Himmel uns solch schaudervolle Tage nicht mehr erleben lassen, und ich bald die Gnade haben, von Euer Hochwürden Exzellenz mit der süßen Friedens Nachricht begnädigt zu werden.
    Die Hrn. Andrée und Bertoldi in Mülheim stehen an um einige entbehrliche Stauden und Blumen Gewächse aus Hochdero englischen Garten über die Verabfolgung derenselben wollen Euer Exzellenz die Gnade haben zu befehlen, sodan gnädig zu erlauben, daß ein Antwortschreiben von der Frau des Reitknecht Müller hier beifüge und ersterbe ut in litt

    Morsbroich d. 28n. Febr. 1796

    Ewer Hochwürden Exzellenz unthg. treu gehorsamster  Linden

    [1] Zugebilligt.
    [2] Vom Todestage an.
    [3] Abgekürzt: endigenden.

    #730

    Letzte Fassung!

     

    11 a                                                                                                              1796 Februar 28

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

     

    Von einem Postüberbringer erhält Linden aus Langenfeld die Nachricht, dass die französische Armee in Kürze wieder vorrücken werde. Vor einigen Tagen hatte er schon Möbel, Hausrat und Bilder aus dem Schloss nach Mülheim zu seinen Eltern und zum Gerichtsschreiber in Sicherheit bringen lassen. Damit den Franzosen möglichst wenig in die Hände fallen sollte, sind die Ämter eifrig bemüht,  Steuern einzutreiben. Die Menschen jenseits der Wupper leiden schwer unter den Kriegsdrangsalen. Er fürchtet, dass durch das Vorrücken der Franzosen eine Emigrationswelle unter den diesseits der Wupper lebenden einsetzen wird.

     

     

    Auch
    Hochgebietend gnädiger Herr!

     

    Hatte ich heut die Gnade, Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrliches vom 10n. diees von Langenfeld aus zu erhalten. Diesem zufolge werde ich also die Creditores des verstorbenen Revier-Jägers Eisel auszahlen und respec. verbescheiden. Der Überbringer desselben bringt mir miteins die traurige Nachricht mit, daß binnen wenigen Tagen  die französ. Armee wieder vorrücken würde. O Elend, o Jammer!

    Der gestern von Köln gekommene Steinbücheler Balleijäger referirte mir, daß, wie er von Hrn. Hofrath von Welter vernohmen habe, Euer Hochwürden Exzellenz ihm die Mitaufsicht der hiesigen Büschen und Jägden gdg. aufgetragen hätten und ihm dafür von gndm. Hrn. Hofrath 28 rhr. jährlichs, accordiret[1] worden seien, deren Auszahlung ich quartaliter, und zwarn à die obitus[2] des seeln. Jägern Eisel, zu entrichten hätte. Schon vor einigen Tagen hab ich die dahier noch vorfindlichen der Plünderung und dem Verderben ausgesetzten Meubles, als Zinn, Kupfer, Porcellain, Gläser, die Portraits, eine Hausuhr, Commode, Schreibpult  nebst noch einigen Stühlen und ein paar Säck mit Federen nacher Mülheim in meiner Elteren und des Hrn. Gerichtsschreibers Behausung hinführen lassen, hoffentlich werden sie daselbst wohl sicherer als hier seyn. Von executivischer Beitreibung der 2ten. Contribution vernimt man nichts mehr, die jüngsthin desfalls geschehene Bedrohung muss wohl nur ein blinder Larm geweßen seyn; indessen ist man doch anjetzo mit Eintreibung deren Steuren in hiesigen Ämteren sehr fleißig beschäftiget, aus Vorsorge, daß den Franzosen bei ihrer Ruckkunft doch gar nichts in die Hände fallen solle. Man sieht nun wiederum, wo der Zeitpunkt des sich endigend.[3] Waffenstillstandes herbeieilet, neuen Auftritten in hiesigen Gegenden ganz zaghaft entgegen. Man will zwar sagen, der Stillstand sei noch  auf einige Zeit prolongirt, allein, was kann uns dies nutzen, wenn nicht mitlerweile der Friede, unser einziges Rettungsmittel, zu standekomt. Unsre armen Nachbaren die jenseitigen Bewohner der Wupper fühlen die Kriegsdrangsalen auch sehr hart. Sie haben selbst, schier nichts mehr zu nagen und müssen auch ihren hungrigen Gästen noch den Magen stopfen. Viele derenselben haben sich schon wircklich von Haus und Hof weggemacht und es ist sicher, daß beim nochmaligen Vorrücken der Franzosen in hiesige Gegenden die meisten Leute mit Sack und Pack emigriren werden, um wenigstens ihr bisgen Leben noch zu retten. Mögte doch der Himmel uns solch schaudervolle Tage nicht mehr erleben lassen und ich bald die Gnade haben, von Euer Hochwürden Exzellenz mit der süßen Friedens Nachricht begnädigt zu werden. Die Hrn. Andrée und Bertoldi in Mülheim stehen an um einige entbehrliche Stauden und Blumengewächse aus Hochdero englischen Garten. über die Verabfolgung derenselben wollen Euer Exzellenz die Gnade haben zu befehlen, sodan gnädig zu erlauben, daß ein Antwortschreiben von der Frau des Reitknecht Müller hier beifüge und ersterbe ut in litt

     

    Morsbroich d. 28n. Febr. 1796

     

    Ewer Hochwürden Exzellenz unthg. treu gehorsamster  Linden

     

     

    [1] Zugebilligt.
    [2] Vom Todestage an.
    [3] Abgekürzt: endigenden.

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