Nr. 11 – 28. 2. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 11 – 28. 2. 1796

Ansicht von 5 Beiträgen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Autor
    Beiträge
  • #284

    Nr. 11                                                                                                                      1796   Februar 28

     

    Regest (fehlt noch)

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgebohrner Freiherr, Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur,
    Hochgebietend Gnädiger Herr!

     

     

     

     

    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Einsichte und Genehmigung habe ich die Gnade den Monats Febrii. [Februar]-Statum hier unterthänig beizufügen, sodann – den Empfang Hochdero Hochverehlichen Erlaßes vom 16n. v. M.[1] samt dem Gnädigen Nachschreiben vom nehmlichen dato hiemit zu accusiren[2] und darauf unthg. zu bemercken, daß ich bereits vor 14 Tägen, sowohl in Hochdero- als auch in denen Gemarken-Buschen- mit Schlagen des Klüppelholtzes habe anfangen laßen. Aus dießen Buschen insgesammt werden sich etwan 17. Viertel Holtz für diesmal ergeben. Hievon werde ich jedoch nur höchstens 13 ad 14 Viertel aus der Ursache versilberen können, weilen der Überrest zu Ewer Hochwürden Exzellenz eigenen Consumption, bei wieder eintrettenden Ruhe, so wohl zu Köln, als dahier, nötig seyn dörfte.

    Ehedem ist das Holtz jährlichs sicherem Holtzhändler Thurn in Wistorff, p.[3] Vrtl. zu 10 ad 11 rhr. überlaßen worden. Solches plus Offerenti zu verkaufen, ware  sonsten nie gebräuchlich, jedennoch wolte ich für diesmal, den Versuch damit machen. Da ich aber zuverläßig erfuhre, daß bei einer öffentlichen Versteigerung der preiß da von höchstens auf 17 rtr. kommen würde, so habe ich dasselbe, das schlechte so wie das gute – pro Viertel zu 19 rthlr., an sichern Müller et Wirtz, nacher Wistorff /: als wohin die Halbwinnern solches hinzuführen verbunden sind :/ unter Anhofnung Hochdero gnädigen Genehmigung verkauft, und bei Ablieferung desselben, die gleich baare Erlegung der Kaufschillingen ausbedungen.

    Da so wohl an eichnen-  als weidenen Bord und Bauholtz gar kein Vorrath dahier ist, und Ewer Hochwürden Exzellenz in denen Gemarken Buschen noch zwei eichene Blöcher /: welches 2 Christbrände vom Jahr 1794 sind :/ beschlagener ligen haben, So habe andurch unthg. anfragen wollen, ob nicht solche dermalen, nebst ein paar Weiden, zu Bretteren und Bauholtz schneiden zu laßen- und zu künftigen Bedürfnißen verwahrlich aufzubehalten seien.

    Um die Landkomthürln. – und Ballei-Buschen wider die jetzig-vielen Holtz Diebereien der Bauren desto beßer zu beschützen, hab durch ein richterliches, in sämtlichen hierum ligenden Kirspelen [4]  verkundetes Befehl, das Holtz –  und Strauholen bei straf 6 rhr. und allenfalls corporalen Arrestes inhibiren [5] laßen. ich glaube sicher, daß hierdurch sowohl, als auch durch die jetzt einige Zeit hindurch geschehenen desfallsigen Hauß-Visitationen die Freveler /:wie es auch wircklich den Anschein hat :/ zimlich werden abgeschreckt werden.

    In Belang der für einen zeitlichen Gewaldschulteis bestimten Holtz-Gewald /: deßen werth 6 à 7 rtr. seyn mag :/ werde in Gefolg Hochdero gnädigen Befehls, dHn. Dinger[6] Schall, auf deßen desfallsiges Anmelden, zum nechsten Waldgeding hinweißen.

    Vom Friseur Hermann hab für die verfertigte Peruque, die gnädig befohlenen 2 Ducaten ausgezahlt; am 17n. dießes ist derselbe von hier weg-  und in sein neües Quartier nacher Köln als Pförtner eingezogen.

    Für die Gnädige Zusage des Garten-Gemüßes, und einiger Fischen aus der Dünne für die Abstinenz Tage, den unthg. gehorsamsten Dank zu erstatten, habe andurch nicht ermangeln sollen. An Gemüß ist zwarn noch ein zimlicher Vorrath dahier, der bisherige leidentliche Winter aber ist Schuld daran, daß solches verkäuflich nicht anzubringen war.

    An die Stelle der ausgerotteten Garten Hecke sind nun hochstämmige junge tragbare Apfel- und Birn -Bäume gepflanzet, ein welches zu seiner Zeit einen recht angenehmen und zugleich vorteilhaften Prospect machen wird. Die Cascade-Arbeit aber ist durch den, dießen Monat hindurch, eingefallenen vielen Regen so wohl, alß auch weilen Einer deren Täglöhneren erkrancket ist, aufgehalten worden.

    Die Frau des Reitknecht Wilhelm stattet für die gnädige Nachricht über das Wohlbefinden ihres Mannes den unthgsten. Dank ab, auf befragen: Ob sie was nötig habe: sagte sie mir, daß es ihr, weilen sie sich noch immer bei ihren Elteren aufhalte, bis herzu an nichts mangle.

    Vor etwa 14 Tägen hat der Sohn des Ballei Jägern zu Steinbüchel, der ehemalige Fasanen Jung, zween Bauren in der Ballei-Jagd – imgleichen der hießige Revier-Jäger Schmitz einen Baurn in hießiger Jagd mit flinten ertappt und gewehrlos gemacht. Das Freiheits Sistem wilt den Bauren noch nicht aus dem Kopf, indeßen wird doch durch die geschehenen Pfändungen, die Lust zum jagen denselben wohl vergehen.

    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich in jener Unterthänigkeit, mit welcher in tiefsten Hochverehrung zu
    bestehen die Gnade habe.

     

    Morsbroich den 28n. Febrii. 1796

     

    Ewer Hochwürden Exzellenz unthg.- treü gehorsamster Diener Linden mppria.

     

    [1] Vorigen Monats.
    [2] Wahrscheinlich verschrieben und als „accuriren = sorgfältig besorgen“ zu lesen.
    [3] Das p ist an der Unterlänge durchgestrichen, was als pro gelesen werden muss.
    [4] Kirchspiel.
    [5] Mittellat.:verbieten.
    [6] Eine andere Bezeichnung für Schultheiß oder Richter.

    #589

    Nr. 11 1796 Februar 28

    Linden berichtet von erfolgreichen Holzverkäufen und von Bauern, die im Kommendewald unerlaubter Weise Holz entwendet und mit Gewehren gejagt haben.

    Hochwürdig Hochwohlgeborner Freiherr,
    besonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur
    Hochgebietend gnädiger Herr!

    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Einsichte und Genehmigung habe ich die Gnade den Monats Februar-Statum hier untertänig beizufügen, sodann den Empfang Hochdero Hochverehlichen Erlasses vom16n V. M. samt dem gnädigen Nachschreiben vom nehmlichen Dato hiermit zu accusiren und darauf unthg. zu bemerken, daß ich bereits vor 14 Tagen, sowohl in Hochdero als auch in denen Gemarken-Büschen mit Schlagen des Klüppelholzes habe anfangen lassen. Aus diesen Büschen insgesamt werden sich etwa 17 Viertel Holz für diesmal ergeben. Hiervon werde ich jedoch nur höchstens 13 ad 14 Viertel aus der Ursache versilbern können, weilen der Überrest zu Ewer Hochwürden Exzellenz eigenen Consumption bei wieder eintretenden Ruhe so wohl zu Köln als dahier nötig seyn dürfte.
    Ehedem ist das Holz jährlichs sicherem Holzhändler Thurn in Wiesdorf p. Virtl zu 10 a 11 Rtlr. überlassen worden. Solches plus offerenti zu verkaufen, war sonsten ein gebräuchlich jeden noch wollte ich für diesmal den Versuch damit machen. Da ich aber zuverlässig erfahre, daß bei einer öffentlichen Versteigerung der Preis davon höchstens auf 17 Rtlrn. kommen würde, so habe ich dasselbe das schlechte so wie das gute p. Viertel zu 19 Rtlr. an sichern Müller … Wirtz, nacher Wiesdorf /: als wohin die Halbwinnern solches hinzuführen verbunden sind :/ unter Anhoffnung Hochdero gnädigen Geneh-
    migung verkauft und bei Ablieferung des elben die gleich bare Erlegung der Kaufschillingen ausbedungen.
    Da sowohl an eichnen= als weidenen Bord und Bauholz gar kein Vorrat dahier ist und Ewer Hochwürden Exzellenz in denen Gemarken-Büschen noch zwei eichene Blöcher /: welches 2. Christbrände vom Jahr 1794 sind :/ beschlagener liegen haben, so habe andurch unthg. anfragen wollen, ob nicht
    solche dermalen nebst ein paar Weiden zu Brettern und Bauholz schneiden zu lassen und zu künftigen Bedürfnissen verwahrlich aufzubehalten seien.
    Um die Landkomtürl [iche] n= und Ballei-Büschen wider die jetzig-vielen Holtz Diebereien der Bauren desto besser zu beschützen hab durch ein richterliches in sämtlichen hierum liegenden Kirspelen [=Kirchspielen] verkundetes Befehl, das Holz= und Strauho… bei Straf 6 Rtlr. und allenfalls corporalen Arrestes inhibiren lassen. Ich glaube sicher, daß hierdurch sowohl als auch durch die jetzt einige Zeit hindurch geschehenen desfallsigen Haus Visita-
    tionen die .re.eler, dieses auch wirklich den Anschein hat :/ ziemlich abgeschreckt werden.
    In Belang der für einen zeitlichen Gewaldschulteis bestimmten
    Holtz-Gewald /: dessen Wert 6 à 7 Rtlr. seyn mag :/ werde in Ge-
    folg Hochdero gnädigen Befehls, H[err]n Dinger Schall auf dessen
    desfallsiges Anmelden zum nechsten Waldgeding hinweisen.
    Vom Friseur Hermann hab für die verfertigte Peruque die gnädig befohlenen 2 Ducaten ausgezahlt; am 17n dieses ist derselbe von hier weg= und in sein neues Quartier nacher Köln als Pförtner eingezogen.
    Für die gnädige Zusage des Garten-Gemüses und einiger Fischen aus der Dünne für die Abstinenz Tage, den unthg. gehorsamsten Dank zu erstatten, habe andurch nicht ermangeln sollen. An Gemüse ist zwarn noch ein ziemlicher
    Vorrat dahier, der bisherige leidentliche Winter aber ist Schuld daran, daß solches verkäuflich nicht anzubringen war.
    An die Stelle der ausgerotteten Garten Hecke sind nun hochstämmige junge tragbare Apfel- und Birnbäume gepflanzt, ein welches zu seiner Zeit einen recht angenehmen und zugleich vorteilhaften Prospect machen wird. Die
    Cascade Arbeit aber ist durch den diesen Monat hindurch
    eingefallenen vielen Regen sowohl als auch weilen einer deren Tag-
    löhnern erkrankt ist, aufgehalten worden.
    Die Frau des Reitknecht Wilhelm stattet für die gnädige Nachricht über das Wohlbefinden ihres Mannes den unthgsten Dank ab, auf Befragen: Ob sie was nötig habe: sagte sie mir, daß es ihr, weilen sie sich noch immer bei ihren Eltern aufhalte, bis herzu an nichts mangle.
    Vor etwa 14 Tagen hat der Sohn des Ballei Jägers zu Steinhüchel, der ehemalige Fasanen Jung, zwei Bauren in der Ballei Jagd, ingleichen der hiesige Revier Jäger Schmitz einen Baurn in hiesiger Jagd mit Flinten ertappt und gewehrlos gemacht. Das Freiheits System will den Bauren noch nicht aus dem Kopf, indessen wird doch durch die geschehenen Pfändungen die Lust zum Jagen denselben wohl vergehen.
    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich in jener Untertänigkeit, mit welcher in tiefsten Hochverehrung zu
    bestehen die Gnade habe.

    Morsbroich den 28n
    Febr [uarii] 1796 Ewer Hochwürden Exzellenz
    unthg. treu gehorsamster Diener
    Linden
    Nchbemerkung: Die überarbeitete Fassung ist noch nicht als Endprodukt anzusehen. Ich habe den Text aus meinen eigenen Dateien heraus kopiert und bearbeitet. Die Endkorrektur muss noch geleistet werden. Das kann ich jedoch erst dann in Angriff nehmen, wenn ich meine Linden-Akten mit den Kopien der Lindenbriefe vorligen habe. Da ich immer noch in Italien bin, kann ich das erst in den ersten Novembertagen angehen.
    H.-J. Dorn

    #590

    Die Fassung ganz oben müsste die überarbeitete Fassung sein.

    Dort sind auf jeden Fall keine Lücken wie in diesem Text.

    Trotzdem ist es sicher nicht verkehrt noch einmal einen Abgleich mit dem Original zu machen.

    Ich habe hier weitere Abkürzungen stillschweigend aufgelöst

     

     

    Nr. 11 1796 Februar 28

    Linden berichtet von erfolgreichen Holzverkäufen und von Bauern, die im Kommendewald unerlaubter Weise Holz entwendet und mit Gewehren gejagt haben.

    Hochwürdig Hochwohlgeborner Freiherr,
    besonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur
    Hochgebietend gnädiger Herr!

    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Einsichte und Genehmigung habe ich die Gnade den Monats Februar-Statum hier untertänig beizufügen, sodann den Empfang Hochdero Hochverehlichen Erlasses vom 16n V. M. samt dem gnädigen Nachschreiben vom nehmlichen Dato hiermit zu accusiren und darauf untertänig zu bemerken, daß ich bereits vor 14 Tagen, sowohl in Hochdero als auch in denen Gemarken-Büschen mit Schlagen des Klüppelholzes habe anfangen lassen. Aus diesen Büschen insgesamt werden sich etwa 17 Viertel Holz für diesmal ergeben. Hiervon werde ich jedoch nur höchstens 13 ad 14 Viertel aus der Ursache versilbern können, weilen der Überrest zu Ewer Hochwürden Exzellenz eigenen Consumption bei wieder eintretenden Ruhe so wohl zu Köln als dahier nötig seyn dürfte.
    Ehedem ist das Holz jährlichs sicherem Holzhändler Thurn in Wiesdorf per Viertel zu 10 a 11 Rtlr. überlassen worden. Solches plus offerenti zu verkaufen, war sonsten ein gebräuchlich jeden noch wollte ich für diesmal den Versuch damit machen. Da ich aber zuverlässig erfahre, daß bei einer öffentlichen Versteigerung der Preis davon höchstens auf 17 Rtlrn. kommen würde, so habe ich dasselbe das schlechte so wie das gute per Viertel zu 19 Rtlr. an sichern Müller et Wirtz, nacher Wiesdorf /: als wohin die Halbwinnern solches hinzuführen verbunden sind :/ unter Anhoffnung Hochdero gnädigen Geneh-
    migung verkauft und bei Ablieferung des selben die gleich bare Erlegung der Kaufschillingen ausbedungen.
    Da sowohl an eichnen= als weidenen Bord und Bauholz gar kein Vorrat dahier ist und Ewer Hochwürden Exzellenz in denen Gemarken-Büschen noch zwei eichene Blöcher /: welches 2. Christbrände vom Jahr 1794 sind :/ beschlagener liegen haben, so habe andurch untertänig anfragen wollen, ob nicht
    solche dermalen nebst ein paar Weiden zu Brettern und Bauholz schneiden zu lassen und zu künftigen Bedürfnissen verwahrlich aufzubehalten seien.
    Um die Landkomtürl [iche] n= und Ballei-Büschen wider die jetzig-vielen Holtz Diebereien der Bauren desto besser zu beschützen hab durch ein richterliches in sämtlichen hierum liegenden Kirspelen [=Kirchspielen] verkundetes Befehl, das Holz= und Strauholen bei Straf 6 Rtlr. und allenfalls corporalen Arrestes inhibiren lassen. Ich glaube sicher, daß hierdurch sowohl als auch durch die jetzt einige Zeit hindurch geschehenen desfallsigen Haus Visita-
    tionen die Freveler, dieses auch wirklich den Anschein hat :/ ziemlich abgeschreckt werden.
    In Belang der für einen zeitlichen Gewaldschulteis bestimmten
    Holtz-Gewald /: dessen Wert 6 à 7 Rtlr. seyn mag :/ werde in Ge-
    folg Hochdero gnädigen Befehls, H[err]n Dinger Schall auf dessen
    desfallsiges Anmelden zum nechsten Waldgeding hinweisen.
    Vom Friseur Hermann hab für die verfertigte Peruque die gnädig befohlenen 2 Ducaten ausgezahlt; am 17n dieses ist derselbe von hier weg= und in sein neues Quartier nacher Köln als Pförtner eingezogen.
    Für die gnädige Zusage des Garten-Gemüses und einiger Fischen aus der Dünne für die Abstinenz Tage, den untertänig gehorsamsten Dank zu erstatten, habe andurch nicht ermangeln sollen. An Gemüse ist zwarn noch ein ziemlicher
    Vorrat dahier, der bisherige leidentliche Winter aber ist Schuld daran, daß solches verkäuflich nicht anzubringen war.
    An die Stelle der ausgerotteten Garten Hecke sind nun hochstämmige junge tragbare Apfel- und Birnbäume gepflanzt, ein welches zu seiner Zeit einen recht angenehmen und zugleich vorteilhaften Prospect machen wird. Die
    Cascade Arbeit aber ist durch den diesen Monat hindurch
    eingefallenen vielen Regen sowohl als auch weilen einer deren Tag-
    löhnern erkrankt ist, aufgehalten worden.
    Die Frau des Reitknecht Wilhelm stattet für die gnädige Nachricht über das Wohlbefinden ihres Mannes den unthgsten Dank ab, auf Befragen: Ob sie was nötig habe: sagte sie mir, daß es ihr, weilen sie sich noch immer bei ihren Eltern aufhalte, bis herzu an nichts mangle.
    Vor etwa 14 Tagen hat der Sohn des Ballei Jägers zu Steinhüchel, der ehemalige Fasanen Jung, zwei Bauren in der Ballei Jagd, ingleichen der hiesige Revier Jäger Schmitz einen Baurn in hiesiger Jagd mit Flinten ertappt und gewehrlos gemacht. Das Freiheits System will den Bauren noch nicht aus dem Kopf, indessen wird doch durch die geschehenen Pfändungen die Lust zum Jagen denselben wohl vergehen.
    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich in jener Untertänigkeit, mit welcher in tiefsten Hochverehrung zu
    bestehen die Gnade habe.

    Morsbroich den 28n
    Febr [uarii] 1796 Ewer Hochwürden Exzellenz
    untertänig treu gehorsamster Diener
    Linden

    #669

    Nr. 11                                                                                                                      1796   Februar 28

     

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Linden berichtet über Verbesserungsarbeiten an der Kommende, im Gemarken-Wald wurde Holz geschlagen, Nutzbäume wurden angepflanzt, er hat in sämtlichen Kirchen ein richterliches Verbot verlesen lassen, der den Bauern das eigenmächtige Holzschlagen untersagt. Zwei Bauern, die im Kommendewald ertappt wurden alse sie dort ungesetzlicher Weise jagen wollten, wurden die Flinten abgenommen.

     

    Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur, hochgebietend Gnädiger Herr!

     

     

    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsicht und Genehmigung habe ich die Gnade den Monats Febrii. -Statum hier unterthänig beizufügen, sodann – den Empfang Hochdero Hochverehlichen Erlasses vom 16n. v. M.[1] samt dem gnädigen Nachschreiben vom nehmlichen dato hiemit zu accusiren [2] und darauf unthg. zu bemercken, daß ich bereits vor 14 Tagen, sowohl in Hochdero- als auch in denen Gemarken-Buschen- mit Schlagen des Klüppelholtzes habe anfangen lassen. Aus diesen Buschen insgesammt werden sich etwan 17. Viertel Holtz für diesmal ergeben. Hievon werde ich jedoch nur höchstens 13 ad 14 Viertel aus der Ursache versilberen können, weilen der Überrest zu Euer Hochwürden Exzellenz eigenen Consumption, bei wieder eintrettenden Ruhe so wohl zu Köln als dahier, nötig seyn dörfte.

    Ehedem ist das Holtz jährlichs sicherem Holtzhändler Thurn in Wistorff, p.[3] Vrtl. zu 10 ad 11 Rtlr. überlassen worden. Solches plus Offerenti[4] zu verkaufen, war  sonsten nie gebräuchlich, jedennoch wolte ich für diesmal den Versuch damit machen. Da ich aber zuverlässig erfuhre, daß bei einer öffentlichen Versteigerung der Preis da von höchstens auf 17 Rtr. kommen würde, so habe ich dasselbe, das schlechte so wie das gute – pro Viertel zu 19 Rthlr., an sichern Müller et Wirtz, nacher Wistorff /: als wohin die Halbwinnern solches hinzuführen verbunden sind :/ unter Anhofnung Hochdero gnädigen Genehmigung verkauft, und bei Ablieferung desselben, die gleich baare Erlegung der Kaufschillingen ausbedungen.

    Da so wohl an eichnen-  als weidenen Bord und Bauholtz gar kein Vorrath dahier ist, und Euer Hochwürden Exzellenz in denen Gemarkenbuschen noch zwei eichene Blöcher /: welches 2 Christbrände vom Jahr 1794 sind :/ beschlagener ligen haben, so habe andurch unthg. anfragen wollen, ob nicht solche dermalen, nebst ein paar Weiden, zu Bretteren und Bauholtz schneiden zu lassen- und zu künftigen Bedürfnissen verwahrlich aufzubehalten seien.

    Um die Landkomthürln. – und Ballei-Buschen wider die jetzig vielen Holtzdiebereien der Bauren desto besser zu beschützen, hab durch ein richterliches in sämtlichen hierum ligenden Kirspelen [5]  verkundetes Befehl das Holtz –  und Strauholen bei straf 6 Rhr. und allenfalls corporalen Arrestes inhibiren [6] lassen. Ich glaube sicher, daß hierdurch sowohl, als auch durch die jetzt einige Zeit hindurch geschehenen desfallsigen Hausvisitationen die Freveler /:wie es auch wircklich den Anschein hat :/ zimlich werden abgeschreckt werden.

    In Belang der für einen zeitlichen Gewaldschulteis bestimten Holtz-Gewald /: dessen Werth 6 à 7 Rtr. seyn mag :/ werde in Gefolg Hochdero gnädigen Befehls, dHn. Dinger[7] Schall  auf dessen desfallsiges Anmelden zum nechsten Waldgeding hinweisen.

    Vom Friseur Hermann hab für die verfertigte Peruque die gnädig befohlenen 2 Ducaten ausgezahlt; am 17n. dieses ist derselbe von hier weg-  und in sein neues Quartier nacher Köln als Pförtner eingezogen.

    Für die gnädige Zusage des Garten-Gemüses und einiger Fischen aus der Dünne für die Abstinenztage, den unthg. gehorsamsten Dank zu erstatten, habe andurch nicht ermangeln sollen. An Gemüs ist zwarn noch ein zimlicher Vorrath dahier, der bisherige leidentliche Winter aber ist Schuld daran, daß solches verkäuflich nicht anzubringen war.

    An die Stelle der ausgerotteten Garten Hecke sind nun hochstämmige junge tragbare Apfel- und Birn -Bäume gepflanzet, welches zu seiner Zeit einen recht angenehmen und zugleich vorteilhaften Prospect machen wird. Die Cascade-Arbeit aber ist durch den diesen Monat hindurcg eingefallenen vielen Regen so wohl als auch weilen einer deren Täglöhneren erkrancket ist, aufgehalten worden.

    Die Frau des Reitknecht Wilhelm stattet für die gnädige Nachricht über das Wohlbefinden ihres Mannes den unthgsten. Dank ab, auf Befragen: Ob sie was nötig habe: sagte sie mir, daß es ihr, weilen sie sich noch immer bei ihren Elteren aufhalte, bis herzu an nichts mangle.

    Vor etwa 14 Tgen hat der Sohn des Balleijägern zu Steinbüchel, der ehemalige Fasanenjung zween Bauren in der Ballei-Jagd – imgleichen der hiesige Revier-Jäger Schmitz einen Baurn in hiesiger Jagd mit Flinten ertappt und gewehrlos gemacht. Das Freiheits Sistem will den Bauren noch nicht aus dem Kopf, indessen wird doch durch die geschehenen Pfändungen, die Lust zum Jagen denselben wohl vergehen.

    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich in jener Unterthänigkeit, mit welcher in tiefsten Hochverehrung zu bestehen die Gnade habe.

     

    Morsbroich den 28n. Febrii. 1796

     

    Euer Hochwürden Exzellenz unthg.- treu gehorsamster Diener Linden mppria.

     

    [1] Vorigen Monats.
    [2] Wahrscheinlich verschrieben und als „accuriren = sorgfältig besorgen“ zu lesen.
    [3] Pro.
    [4] Ein öffentliches Gebotsverfahren.
    [5] Kirchspiel.
    [6] Mittellateinisch: verbieten.
    [7] Eine andere Bezeichnung für Schultheiß oder Richter.

    #721

    Letzte Fassung!

     

    Nr. 11                                                                                                                      1796   Februar 28

     

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Linden berichtet über Verbesserungsarbeiten an der Kommende, im Gemarkenwald wurde Holz geschlagen, Nutzbäume wurden angepflanzt, er hat in sämtlichen Kirchen ein richterliches Verbot verlesen lassen, der den Bauern das eigenmächtige Holzschlagen untersagt. Zwei Bauern, die im Kommendewald ertappt wurden als sie dort ungesetzlicher Weise jagen wollten, wurden die Flinten abgenommen.

     

    Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur, hochgebietend Gnädiger Herr!

     

     

    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsicht und Genehmigung habe ich die Gnade den Monats Febrii. -Statum hier unterthänig beizufügen, sodann – den Empfang Hochdero Hochverehlichen Erlasses vom 16n. v. M.[1] samt dem gnädigen Nachschreiben vom nehmlichen dato hiemit zu accusiren[2] und darauf unthg. zu bemercken, daß ich bereits vor 14 Tagen sowohl in Hochdero- als auch in denen Gemarken-Buschen- mit Schlagen des Klüppelholtzes habe anfangen lassen. Aus diesen Buschen insgesammt werden sich etwan 17. Viertel Holtz für diesmal ergeben. Hievon werde ich jedoch nur höchstens 13 ad 14 Viertel aus der Ursache versilberen können, weilen der Überrest zu Euer Hochwürden Exzellenz eigenen Consumption[3], bei wieder eintrettenden Ruhe so wohl zu Köln als dahier nötig seyn dörfte.

    Ehedem ist das Holtz jährlichs sicherem Holtzhändler Thurn in Wistorff, p.[4] Vrtl zu 10 ad 11 Rtlr. überlassen worden. Solches plus Offerenti[5] zu verkaufen, war sonsten nie gebräuchlich, jedennoch wolte ich für diesmal den Versuch damit machen. Da ich aber zuverlässig erfuhr, daß bei einer öffentlichen Versteigerung der Preis da von höchstens auf 17 Rtr. kommen würde, so habe ich dasselbe, das schlechte so wie das gute, pro Viertel zu 19 Rthlr. an sichern Müller et Wirtz, nacher Wistorff /: als wohin die Halbwinnern solches hinzuführen verbunden sind :/ unter Anhofnung Hochdero gnädigen Genehmigung verkauft und bei Ablieferung desselben die gleich baare Erlegung der Kaufschillingen ausbedungen.

    Da so wohl an eichnen- als weidenen Bord und Bauholtz gar kein Vorrath dahier ist und Euer Hochwürden Exzellenz in denen Gemarkenbuschen noch zwei eichene Blöcher /: welches 2 Christbrände vom Jahr 1794 sind :/ beschlagener ligen haben, so habe andurch unthg. anfragen wollen, ob nicht solche dermale, nebst ein paar Weiden zu Bretteren und Bauholtz schneiden zu lassen und zu künftigen Bedürfnissen verwahrlich aufzubehalten seien. Um die landkomthürln.- und Ballei-Buschen wider die jetzig vielen Holtzdiebereien der Bauren desto besser zu beschützen, hab durch ein richterliches in sämtlichen hierum ligenden Kirspelen[6] verkundetes Befehl das Holtz – und Strauholen bei Straf 6 Rhr. und allenfalls corporalen Arrestes inhibiren[7] lassen. Ich glaube sicher, daß hierdurch sowohl, als auch durch die jetzt einige Zeit hindurch geschehenen desfallsigen Hausvisitationen die Freveler /:wie es auch wircklich den Anschein hat :/ zimlich werden abgeschreckt werden. In Belang der für einen zeitlichen Gewaldschulteis bestimten Holtzgewald /: dessen Werth 6 à 7 Rtr. seyn mag :/ werde in Gefolg Hochdero gnädigen Befehls dHn. Dinger[8] Schall  auf dessen desfallsiges Anmelden zum nechsten Waldgeding hinweisen. Vom Friseur Hermann hab für die verfertigte Peruque die gnädig befohlenen 2 Ducaten ausgezahlt; am 17n. dieses ist derselbe von hier weg und in sein neues Quartier nacher Köln als Pförtner eingezogen. Für die gnädige Zusage des Gartengemüses und einiger Fischen aus der Dünne für die Abstinenztage den unthg. gehorsamsten Dank zu erstatten, habe andurch nicht ermangeln sollen. An Gemüs ist zwarn noch ein zimlicher Vorrath dahier, der bisherige leidentliche Winter aber ist Schuld daran, daß solches verkäuflich nicht anzubringen war.

    An die Stelle der ausgerotteten Gartenhecke sind nun hochstämmige junge tragbare Apfel- und Birnbäume gepflanzet, welches zu seiner Zeit einen recht angenehmen und zugleich vorteilhaften Prospect[9] machen wird. Die Cascade-Arbeit aber ist durch den diesen Monat hindurch eingefallenen vielen Regen sowohl als auch weilen einer deren Täglöhneren erkrancket ist, aufgehalten worden. Die Frau des Reitknecht Wilhelm stattet für die gnädige Nachricht über das Wohlbefinden ihres Mannes den unthgsten. Dank ab, auf Befragen: Ob sie was nötig habe: sagte sie mir, daß es ihr, weilen sie sich noch immer bei ihren Elteren aufhalte, bis herzu an nichts mangle. Vor etwa 14 Tagen hat der Sohn des Balleijägern zu Steinbüchel, der ehemalige Fasanenjung zween Bauren in der Ballei-Jagd – imgleichen der hiesige Revierjäger Schmitz einen Baur in hiesiger Jagd mit Flinten ertappt und gewehrlos gemacht. Das Freiheits Sistem will den Bauren noch nicht aus dem Kopf, indessen wird doch durch die geschehenen Pfändungen die Lust zum Jagen denselben wohl vergehen.

     

    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich in jener Unterthänigkeit, mit welcher in tiefsten Hochverehrung zu bestehen die Gnade habe.

     

    Morsbroich den 28n. Febrii. 1796

     

    Euer Hochwürden Exzellenz unthg.- treu gehorsamster Diener Linden mppria.

     

     

    [1] vorigen Monats
    [2] Wahrscheinlich verschrieben und als „accuriren = sorgfältig besorgen“ zu lesen.
    [3] Verbrauch
    [4] Pro.
    [5] Ein öffentliches Gebotsverfahren.
    [6] Kirchspiel.
    [7] Mittellateinisch: verbieten.
    [8] Eine andere Bezeichnung für Schultheiß oder Richter.
    [9] Anblick

Ansicht von 5 Beiträgen - 1 bis 5 (von insgesamt 5)
  • Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.

Comments are currently closed.