Nr. 16 – ohne Datum

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 16 – ohne Datum

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    Nr. 16                                                                                               Ohne Datum

     

    In diesem Brief berichtet Linden über die Besichtigungen des Waldbestandes durch die Regierung zu Düsseldorf und über den Status des Monats April wie auch über den Fortgang von Renovierungsarbeiten mit den voraussichtlichen Kosten und hohen Contributionsforderungen, die zum voraussichtlichen Kriegsende bereits angedroht werden.

     

    Stadtarchiv Leverkusen [Der Brief ist unvollständig, offensichtlich fehlen die erste und die letzte Seite. Er könnte vom Mai 1800 stammen aufgrund der vorangegangenen Schreiben vom 08.10.1799 und 04.01.1800 zu den Holzbeständen. ]

     

    […]

    herauszubringen. Zu bewunderen ist es, daß sich bei denen Holtzverkäufen so viele Licitanten [1] einfinden, wo doch zu beförchten ist, daß bei erfolgendem Friede, jeder Eigenthümer das Seinige ruckforderen  und derlei Verkäufe gleich werden annuliret werden.

    Die von der Regierung zu Düsseldorff schon vorlängst decretirte Besichtigung sämtlicher diesseits der Wupper befindlichen Waldungen /: wovon mein unthger.  Bericht jüngsthin schon erwehnet hat :/ ist bereits vor einigen Tagen angefangen worden, und wird damit täglich continuiret: das desfallsige
    Commissorium hat dHr. Schulteis Hutmacher zu Langenfeld, nebst 1 Gerichtschbr.[2],  1 Landmesser, 1 Scheffen und 2 unpartheiischen Buschkenneren. In hiesig- Landkomthürln. Buschen ist sotane [3] Besichtigung, in Beisein meiner wircklich vor sich gegangen. Die Morgenzahl sämtlicher dieser Büschen hab ich dem Hn. Schulteis /: welcher Euer Hochwürden Exzellenz seinen unthgen.  Respect vermelden lässt, und ein günstiges Referat abzustatten mir versprochen hat :/ auf circa 65 Morgen
    angegeben. Dem Kirspel Schlebusch kostet diese Besichtigung 25 Rhr., 10 Stbr., wovon die Rata für hiesiges Haus 7 R., 30 Stbr. beträgt, diewelche ich heute dem Scheffen zu Schlebusch gegen Schein ausbezahlet hab. Noch weiß man nicht zuverlässig, welchen Endzweck diese Besichtigung habe. Hr. Schulteis ist der Meinung, daß aus den diesseits der Wupper seyenden Buschen jene Beschädigungen, welche die jenseitigen vorzüglich erlitten haben, wieder in etwa ersetzet werden sollten. Die Zeit wird nähere Aufklärung darüber geben.

    Den Monats Status Aprilis habe ich die Gnade, zu Ewer Hochwürden Exzellenz Hohen Einsichten unterthänig beizulegen und miteins den Empfang Hochdero Hochverehrlichsten Rescripts vom 22n. v: M: gehorsamst accusiren. Die sampt Einnahme des Monats Status besteht in eingegangenen 170 Rhr. Holtzgelder von Scheffen Wirtz zu Wistorff. – Die Ausgabe hingegen in 150 Rhr., die ich auf das mir gnädig zugelegte Jahresgehalt pro 1796 unter Anhoffung der desfallsigen Gnädigen Genehmigung mir abschlägig ausbezahlt hab.

    Denen entlassenen Dienstmägden werde ich die zufolg Gnädigen Reglements denenselben noch zukommenden Löhnungen heute abführen.

    Die Aufführung der Maur an dem Rittersitze zu Schlebuschrath wird in einstehender Woche vorgenohmen. – Was die dortige Hausreparation unter der Dachrinne betrift, will sich niemand anschicken, solche per Akord [4] zu unternehmen, und deshalben bin auch nicht im Stande, darüber ein genaues Verzeichnis der Kösten unterthänig einzusenden. Meines gringen Erachtens würde es ohnehin diensahmer seyn, diese Reparation im Taglohn vornehmen zu lassen, weilen solche alsdann desto daurhafter gemacht wird, und der hiesige Schreiner annebst in etwa mithelfen kann. Nach Meinung eines adhibirten [5] Werkverständigen wird der Arbeitslohn  für Zimmermann, Leiendecker und Maurer sich auf 28 bis 30 Rthr. belaufen: Zu Behuef dieser Reparation werden 9 eichen Balcken, teils von 12- teils von 13 Fuß erforderlich seyn; weilen sämtliche in denen beiden  unterhalb der Dachrinne befindlichen Zimmeren ligenden Balcken größtenteils gantz verfaulet sind. Ich hab also hierzu den auf der Dünfelder Gemarcke erhaltenen letztjährigen Christbrand und ein daselbst noch vorrätiges Blöchelgen vom 95ger Christbrand bestimmt, und werde solche nechstens dazu schneiden lassen. Dann werden 6 à 7 tannene Bord nötig seyn, an deren statt, ich ein paar weidene Bretter hergeben werde. Der Blei und Leim, welche Hr. Dinger bereits vorlängst angeschaft hat, finden sich schon vorrätig, und wie der Maurer glaubt, werden, nach verfertigter Maur, noch so viele Steine und Kalch übrig bleiben, daß auch diese Haus-Reparation damit bestritten werden könne. Da diese Arbeit von Tag zu Tag nöthiger wird, so werden Euer Hochwürden Exzellenz solche auf die minder kostspieligste Weise vorzunehmen Gnädig befehlen.

    Am 2ten. dieses als an dem durch die Busch-Ordnung festgesetzten Tage ist das Waldgeding der Bürricher Gemarken dahier abgehalten worden. Was dabei vorgegangen, wird dHr. Hofrath von Welter bereits unterthänig einberichtet haben. Zu Betref deren obwaltenden Irrungen pto. der Gewaldschultheisstellen  wird dHr. Vogt zu Monheim /: deme von der Hofkammer der Auftrag erteilt worden, den Herrn Weibischof von Merle über die hierseits jüngsthin übergebene Vorstellung zu vernehmen  :/ seinen desfallsigen Bericht nechstens einschicken, welchemnach hoffentlich dieser Zwist sich bald endigen wird.

    Je mehr der unglückliche Krieg sich seinem Ende nähert, desto außerordentlicher häufen sich die ungeheuren Contributions-Forderungen sowohl dies- als jenseits des Rheines. Obgleich es platterdings unmöglich ist, die Zahlungen beibringen zu können, so fährt man nichts destoweniger fort, unter vielerlei Bedrohungen /: die ich hier nicht nennen mag  :/ solche einzutreiben. Es scheint, daß das Vorhaben, uns alle, aber auf eine sehr traurige Weise egal zu machen, vor dem Abzug der F: [6] noch in Vollzug gesetzt  werden solle. So viel mir heute wissig, ist der Stadt Düsseldorf eine Contribution von 600 000 – Mülheim 150 000 – der Abtey Siegburg 600 000 – Deutz 182 000 und dem Amt Portz    130 000 livres auferlegt. Auch zwischen Maas und Rhein ist bereits wieder eine Contributions Forderung von 6 Millionen livres unter der Presse. In Mülheim ligen jetz 40 Dragoner auf Execution. Sie reiten täglich aus, und bringen bald Mönchen, bald Beamten, bald Scheffen als Geiselen mit, wie ich höre, wollen besagten Abteien ehender alle ihre Gebäuden zusammenschießen lassen, als sich zu solchen Zahlungen anheischig machen.  […]

    [1] = Bieter auf einer Versteigerung.
    [2] Gerichtsschreiber.
    [3] Die genannte.
    [4] Durch Übereinkunft.
    [5] Hinzugezogenen.
    [6] Franzosen.

    #755

    Letzte Fassung!

     

    Nr. 16                                                                                               Ohne Datum

    Stadtarchiv Leverkusen, Sign. ?

     

    In diesem Brief berichtet Linden über die Besichtigungen des Waldbestandes durch die Regierung zu Düsseldorf und über den Status des Monats April wie auch über den Fortgang von Renovierungsarbeiten mit den voraussichtlichen Kosten und hohen Contributionsforderungen, die zum voraussichtlichen Kriegsende bereits angedroht werden.

     

    [Der Brief ist unvollständig, offensichtlich fehlen die erste und die letzte Seite. Er könnte vom Mai 1800 stammen aufgrund der vorangegangenen Schreiben vom 08.10.1799 und 04.01.1800 zu den Holzbeständen. ]

     

    […]

    herauszubringen. Zu bewunderen ist es, daß sich bei denen Holtzverkäufen so viele Licitanten[1] einfinden, wo doch zu beförchten ist, daß bei erfolgendem Friede jeder Eigenthümer das Seinige ruckforderen und derlei Verkäufe gleich werden annuliret werden.

    Die von der Regierung zu Düsseldorff schon vorlängst decretirte Besichtigung sämtlicher diesseits der Wupper befindlichen Waldungen /: wovon mein unthger. Bericht jüngsthin schon erwehnet hat :/ ist bereits vor einigen Tagen angefangen worden, und wird damit täglich continuiret: das desfallsige
    Commissorium hat dHr. Schulteis Hutmacher zu Langenfeld, nebst 1 Gerichtschbr.[2], 1 Landmesser, 1 Scheffen und 2 unpartheiischen Buschkenneren. In hiesig landkomthürln. Buschen ist sotane[3] Besichtigung in Beisein meiner wirkklich vor sich gegangen. Die Morgenzahl sämtlicher dieser Büschen hab ich dem Hn. Schulteis /: welcher Euer Hochwürden Exzellenz seinen unthgen. Respect vermelden lässt und ein günstiges Referat abzustatten mir versprochen hat :/ auf circa 65 Morgen
    angegeben. Dem Kirspel Schlebusch kostet diese Besichtigung 25 Rhr., 10 Stbr., wovon die Rata für hiesiges Haus 7 R., 30 Stbr. beträgt, diewelche ich heute dem Scheffen zu Schlebusch gegen Schein ausbezahlet hab. Noch weiß man nicht zuverlässig, welchen Endzweck diese Besichtigung habe. Hr. Schulteis ist der Meinung, daß aus den diesseits der Wupper seyenden Buschen jene Beschädigungen, welche die jenseitigen vorzüglich erlitten haben, wieder in etwa ersetzet werden sollten. Die Zeit wird nähere Aufklärung darüber geben.

    Den Monatsstatus Aprilis habe ich die Gnade, zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Einsichten unterthänig beizulegen und miteins den Empfang hochdero hochverehrlichsten Rescripts vom 22n. v. M: gehorsamst accusiren. Die Samteinnahme des Monatsstatus besteht in eingegangenen 170 Rhr. Holtzgelder von Scheffen Wirtz zu Wistorff. – Die Ausgabe hingegen in 150 Rhr., die ich auf das mir gnädig zugelegte Jahresgehalt pro 1796 unter Anhoffung der desfallsigen gnädigen Genehmigung mir abschlägig ausbezahlt hab.

    Denen entlassenen Dienstmägden werde ich die zufolg gnädigen Reglements denenselben noch zukommenden Löhnungen heute abführen.

    Die Aufführung der Maur an dem Rittersitze zu Schlebuschrath wird in einstehender Woche vorgenommen. – Was die dortige Hausreparation unter der Dachrinne betrift, will sich niemand anschicken, solche per Akord[4] zu unternehmen, und deshalben bin auch nicht im Stande, darüber ein genaues Verzeichnis der Kösten unterthänig einzusenden. Meines gringen Erachtens würde es ohnehin diensamer seyn, diese Reparation im Taglohn vornehmen zu lassen, weilen solche alsdann desto daurhafter gemacht wird und der hiesige Schreiner annebst in etwa mithelfen kann. Nach Meinung eines adhibirten[5] Werkverständigen wird der Arbeitslohn  für Zimmermann, Leiendecker und Maurer sich auf 28 bis 30 Rthr. Belaufen. Zu Behuf dieser Reparation werden 9 Eichenbalken, teils von 12- teils von 13 Fuß erforderlich seyn; weilen sämtliche in denen beiden  unterhalb der Dachrinne befindlichen Zimmeren ligenden Balken größtenteils ganz verfaulet sind. Ich hab also hierzu den auf der Dünfelder Gemarcke erhaltenen letztjährigen Christbrand und ein daselbst noch vorrätiges Blöchelgen vom 95ger Christbrand bestimmt und werde solche nechstens dazu schneiden lassen. Dann werden 6 à 7 tannene Bord nötig seyn, an deren statt ich ein paar weidene Bretter hergeben werde. Der Blei und Leim, welche Hr. Dinger bereits vorlängst angeschaft hat, finden sich schon vorrätig, und wie der Maurer glaubt, werden nach verfertigter Maur noch so viele Steine und Kalch übrig bleiben, daß auch diese Haus-Reparation damit bestritten werden könne. Da diese Arbeit von Tag zu Tag nöthiger wird, so werden Euer Hochwürden Exzellenz solche auf die minder kostspieligste Weise vorzunehmen gnädig befehlen.

    Am 2ten. dieses als an dem durch die Buschordnung festgesetzten Tage ist das Waldgeding der Bürricher Gemarken dahier abgehalten worden. Was dabei vorgegangen, wird dHr. Hofrath von Welter bereits unterthänig einberichtet haben. Zu Betref deren obwaltenden Irrungen pto. der Gewaldschultheisstellen wird dHr. Vogt zu Monheim /: dem von der Hofkammer der Auftrag erteilt worden, den Herrn Weibischof von Merle über die hierseits jüngsthin übergebene Vorstellung zu vernehmen :/ seinen desfallsigen Bericht nechstens einschicken, welchemnach hoffentlich dieser Zwist sich bald endigen wird.

    Je mehr der unglückliche Krieg sich seinem Ende nähert, desto außerordentlicher häufen sich die ungeheuren Contributions-Forderungen sowohl dies- als jenseits des Rheines. Obgleich es platterdings unmöglich ist, die Zahlungen beibringen zu können, so fährt man nichts destoweniger fort, unter vielerlei Bedrohungen /: die ich hier nicht nennen mag :/ solche einzutreiben. Es scheint, daß das Vorhaben, uns alle, aber auf eine sehr traurige Weise egal zu machen, vor dem Abzug der F.[6] noch in Vollzug gesetzt werden solle. So viel mir heute wissig, ist der Stadt Düsseldorf eine Contribution von 600 000 – Mülheim 150 000 – der Abtey Siegburg 600 000 – Deutz 182 000 und dem Amt Portz    130 000 livres auferlegt. Auch zwischen Maas und Rhein ist bereits wieder eine Contributions Forderung von 6 Millionen livres unter der Presse. In Mülheim ligen jetz 40 Dragoner auf Execution. Sie reiten täglich aus, und bringen bald Mönchen, bald Beamten, bald Scheffen als Geiselen mit, wie ich höre, wollen besagten Abteien ehender alle ihre Gebäuden zusammenschießen lassen, als sich zu solchen Zahlungen anheischig machen. […]
     

     

     

    [1] = Bieter auf einer Versteigerung.
    [2] Gerichtsschreiber.
    [3] Die genannte.
    [4] Durch Übereinkunft.
    [5] Hinzugezogenen.
    [6] Franzosen.

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