Nr. 17 o. Dat. (Juni/Juli 1796)

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 17 o. Dat. (Juni/Juli 1796)

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    Nr. 17                                                                                                                      ohne Datum

     

     

     

    Linden berichtet seinem Herrn von der schweren Niederlage der Franzosen zwischen Uckerath und Altenkirchen, weshalb sich die französische Armee bis nach Düsseldorf zurückziehen musste. Die sich zurückziehenden Franzosen sind plündernd und mordend durch die Morsbroicher Gegend gezogen und haben dabei viel Schaden am Schloss und bei der Landbevölkerung angerichtet.

     

     

    Stadtarchiv Leverkusen Bestand, Nr. 1 C 1a-2b

     

    [Von dem Brief ist nur das Postskript erhalten, weshalb kein genaues Datum für seine Abfassung genannt werden kann. Da Linden aber am Anfang des Briefes über die Schlacht bei Uckerath schreibt, die am 19. Juni 1796 stattfand, liegt die Vermutung nahe, dass der Brief Juni/Juli 1796 geschrieben wurde.]

     

     

    Auch Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

    Wird Euer Hochwürden Exzellenz die in abgewichener Woche so unvermutet als geschwind erfolgte Retirade der franz. Armée nach vorher so wohl an der Lahn als hauptsächlich zwischen Uckerath und Aldenkirchen erhaltenen vielen Schlägen –  nicht weniger der gestern neuerdings geschehene Heraufmarsch sotaner Armée ohngezweifelt schon bekannt seyn, eben diese beiden Hin- und Hermärsche haben für verschiedenen dahiesigen Dorfschaften die traurigsten Spuren der Verwüstungen, Plünderungen und Grausamkeiten zuruckgelassen. In der tröstlichen Hofnung, daß die von den franz. Generals versprochene gute Mannszucht und die strengsten Ordres statthaben würden, hatten die meisten Landleute ihr Vieh und Meubles  entweder zu Hause gelassen oder doch nur in der Nähe in die Buschen hingetrieben und verborgen. Außerordendlich ist der Schade, welcher blos durch Wegnehmung des Hornviehes /: die Pferde ohnberechnet :/ ist verursacht worden. Man zehlet dessen in einem Districte von kaum 2 Stunden mehr denn 300 Stück, die mit fortgetrieben worden. Alle Buschen und Gesträuche, sogar die Früchten auf den Felderen, wurden zu Fuß und zu Pferde genauest durchsucht, alles entdeckt und weggeschlept. Nebst dem, daß eine Menge Menschen nackend ausgezogen wurde, wurden auch sehr viele, die sich den Plünderungen widersetzten, teils erschossen, teils erstochen. Keine Kleidung, kein Stück Brod ist dem Landmann über geblieben. Heute stellt man schon hie und da, wo noch was gerettet worden, desfallsige Collecten an. Das Elend ist platterdings unbeschreiblich. Grausam und schändlich haben die Schurcken auch diesmal wiederum mit dem weiblichen Geschlechte, ohne einen Unterschied zwischen Ledigen und Verehelichten zu machen /: nicht eins der schwangeren Weiber zu schonen :/ umgegangen. Morsbroich wurde diesmal auch wieder in all seinen Ecken und Winkelen durchsucht, und da nirgend etwas Anständiges vorgefunden wurde, so muste das Garten-Gemüs und die Kirschenbäume in etwa herhalten, hiebei blieb es jedoch auch, ohne weiters Excessen zu machen. Die Halbwinnern zu Steinbüchel und Doctorsburg haben an Meubles und Victualien  sehr vieles – und jener zur Schlangenhecke alles verlohren, das Vieh haben dieselben jedoch glücklicher weise noch gröstenteils gerettet. Euer Exzellenz Waldungen waren auch diesmal zimlich in Gefahr, aus Ursache, weilen nechst dabei auf der Bürriger Heide ein beträchliches Lager zu stehen kam. Da aber selbes gleich anderten Morgens wieder aufbrach, so blieben dieselben noch unbeschädigt. – In einer solch ungeheuren Anzahl, wie die heraufziehenden Franzosen diesmal sowohl an Cavallerie als Infanterie[1] passiret sind, hat man sie noch nie gesehen, sie hatten nicht nur einen Theil der Nord Armee, sondern auch noch frisch angekommene Truppen aus der Vendée bei sich, dieser Macht gesellt sich jener, fast eben so importanter Trup, welcher seit gestern Morgen fruh bis itzt unaufhörlich mit der fliegenden Brucke  von Köln nacher Deutz überschift. Noch eine Division der Nordarmée von 10000 Mann ist wircklich in Düsseldorff und wird daselbst die Ordres zum Nachfolgen abwarten, solte es geschehen, daß die Franz. Armée nochmal retiriren müßte, so wird, fürchte ich sehr, des Sengens und Brennens kein Ende seyn. Der Baur ist wircklich bis zur Verzweiflung gereizt, die äußerste Noth zwingt ihn dazu. Gleich den Haasen werden seit gestern die

    Franzosen von den Bauren allenthalben, wo sie nur in gringer Anzahl hinstreifen, darnieder geschossen, wenige Augenblicke vergehen, wo man nicht hie und da in denen Buschen schießen hört. Etwan 150 Schritte oberhalb dem Cascade Weyer wurde noch heut Nachmittag ein Capitaine mit 2  Kuglen durch die Dicke des Beins geschossen. Was kann man aus solchen Excessen anders folgeren, als Brennen und Sengen? –  am Sontage wurden die junge Herren Bertoldi und Andrée von Mühlheim – dann der BürgMst. von Siegburg, als Geislen wegen der forcirten Anlehen [2]  nacher Düsseldorff transportirt, sind aber auch, nach desfalls getroffenem Accord  schon wieder freygelassen worden. Ich ersterbe uti in litteris

     

    Linden

     

    [1] Eingefügt: die Chaussee. Die französische Armee hatte eine provisorische Pontonbrücke aufgebaut, auf der die Truppen rasch von einer Rheinseite auf die andere hinüberwechseln konnten.
    [2] Der Begriff ließ sich nicht klären, vielleicht: Anleihen = Kontibution.

    #758

    <span style=“color: #ff0000;“>Letzte Fassung!</span>

     

    Nr. 17                                                                                                                      ohne Datum

     

     

     

    Linden berichtet seinem Herrn von der schweren Niederlage der Franzosen zwischen Uckerath und Altenkirchen, weshalb sich die französische Armee bis nach Düsseldorf zurückziehen musste. Die sich zurückziehenden Franzosen sind plündernd und mordend durch die Morsbroicher Gegend gezogen und haben dabei viel Schaden am Schloss und bei der Landbevölkerung angerichtet.

     

     

    Stadtarchiv Leverkusen Bestand, Nr. 1 C 1a-2b

     

    [Von dem Brief ist nur das Postskript erhalten, weshalb kein genaues Datum für seine Abfassung genannt werden kann. Da Linden aber am Anfang des Briefes über die Schlacht bei Uckerath schreibt, die am 19. Juni 1796 stattfand, liegt die Vermutung nahe, dass der Brief Juni/Juli 1796 geschrieben wurde.]

     

     

    Auch Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

    Wird Euer Hochwürden Exzellenz die in abgewichener Woche so unvermutet als geschwind erfolgte Retirade der franz. Armée nach vorher so wohl an der Lahn als hauptsächlich zwischen Uckerath und Aldenkirchen erhaltenen vielen Schlägen – nicht weniger der gestern neuerdings geschehene Heraufmarsch sotaner Armée ohngezweifelt schon bekannt seyn, eben diese beiden Hin- und Hermärsche haben für verschiedenen dahiesigen Dorfschaften die traurigsten Spuren der Verwüstungen, Plünderungen und Grausamkeiten zuruckgelassen. In der tröstlichen Hofnung, daß die von den franz. Generals versprochene gute Mannszucht und die strengsten Ordres statthaben würden, hatten die meisten Landleute ihr Vieh und Meubles entweder zu Hause gelassen oder doch nur in der Nähe in die Buschen hingetrieben und verborgen. Außerordendlich ist der Schade, welcher blos durch Wegnehmung des Hornviehes /: die Pferde ohnberechnet :/ ist verursacht worden. Man zehlet dessen in einem Districte von kaum 2 Stunden mehr denn 300 Stück, die mit fortgetrieben worden. Alle Buschen und Gesträuche, sogar die Früchten auf den Felderen, wurden zu Fuß und zu Pferde genauest durchsucht, alles entdeckt und weggeschlept. Nebst dem, daß eine Menge Menschen nackend ausgezogen wurde, wurden auch sehr viele, die sich den Plünderungen widersetzten, teils erschossen, teils erstochen. Keine Kleidung, kein Stück Brod ist dem Landmann über geblieben. Heute stellt man schon hie und da, wo noch was gerettet worden, desfallsige Collecten an. Das Elend ist platterdings unbeschreiblich. Grausam und schändlich haben die Schurcken auch diesmal wiederum mit dem weiblichen Geschlechte, ohne einen Unterschied zwischen Ledigen und Verehelichten zu machen /: nicht eins der schwangeren Weiber zu schonen :/ umgegangen. Morsbroich wurde diesmal auch wieder in all seinen Ecken und Winkelen durchsucht, und da nirgend etwas Anständiges vorgefunden wurde, so muste das Garten-Gemüs und die Kirschenbäume in etwa herhalten, hiebei blieb es jedoch auch, ohne weiters Excessen zu machen. Die Halbwinnern zu Steinbüchel und Doctorsburg haben an Meubles und Victualien sehr vieles – und jener zur Schlangenhecke alles verlohren, das Vieh haben dieselben jedoch glücklicher weise noch gröstenteils gerettet. Euer Exzellenz Waldungen waren auch diesmal zimlich in Gefahr, aus Ursache, weilen nechst dabei auf der Bürriger Heide ein beträchliches Lager zu stehen kam. Da aber selbes gleich anderten Morgens wieder aufbrach, so blieben dieselben noch unbeschädigt. – In einer solch ungeheuren Anzahl, wie die heraufziehenden Franzosen diesmal sowohl an Cavallerie als Infanterie[1] passiret sind, hat man sie noch nie gesehen, sie hatten nicht nur einen Theil der Nord Armee, sondern auch noch frisch angekommene Truppen aus der Vendée bei sich, dieser Macht gesellt sich jener, fast eben so importanter Trup, welcher seit gestern Morgen fruh bis itzt unaufhörlich mit der fliegenden Brucke von Köln nacher Deutz überschift. Noch eine Division der Nordarmée von 10000 Mann ist wircklich in Düsseldorff und wird daselbst die Ordres zum Nachfolgen abwarten, solte es geschehen, daß die Franz. Armée nochmal retiriren müßte, so wird, fürchte ich sehr, des Sengens und Brennens kein Ende seyn. Der Baur ist wircklich bis zur Verzweiflung gereizt, die äußerste Noth zwingt ihn dazu. Gleich den Haasen werden seit gestern die Franzosen von den Bauren allenthalben, wo sie nur in gringer Anzahl hinstreifen, darnieder geschossen, wenige Augenblicke vergehen, wo man nicht hie und da in denen Buschen schießen hört. Etwan 150 Schritte oberhalb dem Cascade Weyer wurde noch heut Nachmittag ein Capitaine mit 2 Kuglen durch die Dicke des Beins geschossen. Was kann man aus solchen Excessen anders folgeren, als Brennen und Sengen? – am Sontage wurden die junge Herren Bertoldi und Andrée von Mühlheim – dann der BürgMst. von Siegburg, als Geislen wegen der forcirten Anlehen[2]  nacher Düsseldorff transportirt, sind aber auch, nach desfalls getroffenem Accord  schon wieder freygelassen worden. Ich ersterbe uti in litteris

     

    Linden

     

     

    [1] Eingefügt: die Chaussee. Die französische Armee hatte eine provisorische Pontonbrücke aufgebaut, auf der die Truppen rasch von einer Rheinseite auf die andere hinüberwechseln konnten.
    [2] Der Begriff ließ sich nicht klären, vielleicht: Anleihen = Kontibution.

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