Nr. 21 – 10. 9. 1797

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 21 – 10. 9. 1797

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    Ich habe hier doch noch den Brief vom 10.09.1797 gefunden.

    Er wurde von Frau Peters und mir zusammen bearbeitet.

    #528

    Hochwürdig = Hochwohlgebohrner Freiherr,

    Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommthür,

    Hochgebietend – Gnädiger Herr!

     

    Kaum hatte, uns Ewer Hochwürden Exzellens hochverehrlichen beiden Rescripten vom 15n. Aug. abhin, ich die so erfreüliche Nachricht des zwischen Österreich und Franckreich nun endlich abgeschloßen seyn sollenden Endfriedens, zu lesen die Gnade gehabt, so verbreiteten sich hingegen noch nehmlichen Tages die Gerüchte, daß von Wezlar, Giesen und Weilburg her, wircklich 10 a 11000 Mann Infanterie nach den hießigen Gegenden aufm Marsch begriffen seien, um ihre Cantonnirungs-Stationen zu beziehen. Dies letztere hat sich, leider! schon mehr als zu viel bestätiget, denn ich wüste kein Dorf im ganzen Bergischen, welches dermal Einquartirung frei. am 27n. v. M. erfuhre ich, daß das Kirspel Schlebusch, noch nehmlichen Tages, mit 1 Compagnie Grenadiers des 1n. bataillons von der 67n. halb brigade würde belegt werden. Um das Haus Morsbroich für allenfallsiger Einquartirung desto ehender zu befreien, raumte ich das selbe, und ginge nacher Mülheim. Allein! des Hn. Oberamt-Mann Fhn. [Freiherrn] v. Lüzerode Secretaire und dermaliger Marsch-Commissaire hatte die Unvorsichtigkeit gehabt dem Obersten sotanen bataillons, einem Capitain, einem Adjutent Majorn, einem Chirurgien Major, nebst einem Schreiber, das hießige Hauß zu ihrem Bureau anzuweißen. Um den Mittag kamen dieße Herrens mit 2 Bedienten und einem Weib dahier an, und fanden das Hauß leer. ihre 1te. forderung bestunde in Eßen und trinken, sodann in Beschaffung 5 Vollständigen federnen Bettungen. 1teres muste der Halfen, für den Tag hergeben; da aber derselbe kein Ordentliches Bett herschaffen wolte, oder nicht konte, so wurde der Orts-Vorstand attaquirt und mit Execution belegt. dieser schickte mir sogleich einen Expressen, und ersuchte mich um die Anschaffung deren 5 Bettungen. ich erwiderte demselben, daß dies für mich um so unthunlicher, je bekennter es seie, daß die M-broicher Bettungen durch die plünderungen, teils sehr gelitten, teils nachhero aus Ordres des Gral. receveurs des Domaines, für die Republique nacher Köln gebracht worden seien. Anderten Morgens in der fruhe erhielte ich von d.Hn. Obrist, Namens le Roy, den scharffen Befehl, die Bettungen ohnverweilter anzuschaffen, und mich selbst dahier einzufinden. ich eilte sofort nach Köln, um mit dasigen Hn. Beamten die Sache zu überlegen, H. Hofr. [Hofrat]  v. Welter und Hr. Rtmstr. Dechen waren der Meinung, daß nähere Ordres zu erwarten seien, und ich noch ein paar Täge zuruckbleiben solte. Allein! mittlerweile, daß ich in Köln ware, hatte d.Hr. Obrist mit den übrigen Offes. [Officiers] mich wircklich in Mülheim aufgesucht, da Sie aber weder mich, noch den daselbst logirenden General Compère vorgefunden, hatten Sie dem Marsch Comissaire aufgetragen, mir anzudeüten, daß in zeit 24 Stunden, ich, samt den Bettungen, mich unter der strafe, dahier einzufinden hätte, daß widrigens 30. Grenadiers hierhin gelegt – und jedem pro Tag ½ Kron. [Krontaler] gezahlt werden solten. Der Marsch – Commissaire ließe mich folgenden Morgens zu sich berufen, und, kaum hatte ich mit demselben einige worte gesprochen, so trate der dahier logirende Capitain ins Zimmer, und befragte Ihn, Ob Er mich gesprochen – und mir alles angedeütet habe. dieser erwiderte, daß ich derjenige seie, den man suche. Nun ware der Vogel gefangen. ich muste, über mein weggehen von hier, über die Ausleerung des Haußes¹ die derbsten Vorwürfe anhören, all mein Ausreden halfe nichts – Ohnverzüglich mußte ich mit Ihme, Von 2 Grenadiers, begleitet, zu Hn. Rtmstrn., um von dießem die Anschaffung der Bettungen zu gesinnen. H. Rtmstr. wolte sich ebenfalls, mit plünderungen, entschuldigen. Allein keine Entschuldigung wurde angenohmen. Nur unter dem Versprechen: daß noch nehmlichen Abends, ich mit den Bettungen dahier eintreffen würde: wurde ich entlaßen. ich suchte sogleich eine Karrich auf, und ließe in der Behausung des Hn. Sindicus Dolleschall die 4 schlechtesten Bette, 8 Küßen, 4 paar Bettlaken und 2 Küßenziege Aufladen, und begleitete die Karrich Anhero. ich gewärtigte nun abermal die schönsten reprochen, und noch was mehr. Allein! Nichts weniger, als das, geschahe. Hr. Obrist ein sehr feiner und Solider Mann empfinge mich sehr freündschaftlich. Er forderte indeßen auch von mir die baldige Anschaffung des nötigsten Tischzeügs, der Kuchen Geschirren, der Köchin /: die Er selbst auch schon aufgesucht hatte :/ und endlich die fournitung der Tafel. ich  erwiderte demselben, daß ich ersteres, so viel nur möglich, thuen würde, Letzteres aber, wegen der jetzig – traurigen Lage der Sachen, unmöglich auf Kösten des hießigen Haußes geschehen könte, und ohnehin die Anschaffung deren Vivres [Lebensmittel, Verpflegung] wo nicht vom gantzen Amte, doch wenigstens von dem Kirspel Schlebusch, gemeinschaftlich geschehen müste, als worüber ich d.Hn. Richter besprechen würde. hinmit begnügte sich einsweilen d.Hr. Obrist. ich ginge sodenn zu Hn. Richter, stellte demselben die Lage der Sache deütlich vor, und beredete Ihn, daß zwischen Ihme, des Amts-Vorsteheren und mir eine desfallsige gemeinschaftliche Berathung vorgenohmen werden möge. dieße ist auch bereits unterm 3ten. dießes vor sich gegangen. in derselben zeigte es sich, aus dem vom Schlebuscher Vorstand bis dahin fournirten Kuchen Zettel des Obristen¹, daß deßen Tafel, ein Tag in dem andern, gerechnet, mit = und ohne frembden Gäste, pro Tag auf 14 ad 15 rhr. zu stehen kame. Auf  die frage: wie die Gemeinde, zu dießen täglichen Ausgaben für die Zukunft zu concurriren habe? wolte dieselbe darauf bestehen, daß Ewer Hochwürden Exzellenz darab eine Hälfte, und Sie Gemeinde die anderte Hälfte zu entrichten haben solle. Hierinn konte und wolte ich aber für diesmahl nicht einwilligen. ich erhielte indeßen anderten Tages den zur hohen Einsichte dahier beigefügten neuen Kuchen-Zettel von dem Hn. Obrist², welcher den obigen noch mit 2 Schüßlen übersteigt, mit dem Bedeüten: ohne Aufschub die fournirung der Tafel, selbst zu übernehmen, und mich des falls, so gut ich könte, mit dem Amte zu arrangiren hätte. Seit dem 5ten. dießes hab ich mich also hierzu anschicken, und alle und jede Anschaffung deren Vivres  bestreiten müßen. da nun nach meiner genauen Berechnung vom 5n. bis auf heüte, der Tägliche Ertrag /: besonders so lange es noch wildprett gibt :/ nicht über 14 r. sich pro Tag beloffen, so bin ich heüte mit Hn. Richtern als Bevollmächtigten der Gemeinde, dahin übereingekommen, daß Ewer Hochwürden Exzell. nur ⅓tel, der Gemeinde hingegen ⅔tel zu last fallen – sohin dieße an jedem decade; so lang die gegenwärtige Einquartirung bestehen wird, an mich ein hundert Reichsthlr. auszahlen solle.² Gleichwie nun aber der gringe Geld-Vorrath, der ausweis des zur hohen Einsichte und gnädigen Ratification anligenden Monats – Status Augti., in meinen Händen noch beruhete, schon aufgezehrt ist, und ich dermalen auch nicht im stande bin, derlei Auslagen aus dem Meinigen zu thuen; so sehe mich in die Nothwendigkeit versetzt, um die Gnädigen Verhaltungs-Befehle: woher so wohl zu Bestreitung dießer täglichen Ausgaben, als zu Befriedigung deren teils pensionirten teils Salarirten Dienerschaften, fort sonstigen Nothwendigkeiten die erforderlichen Gelder zu nehmen seien: um so mehr unterthänig zu bitten, alß allem gegründeten Anschein nach, es wohl gar keinem Zweifel mehr ausgesetzt ist , daß die Cantonnirungen der Franzoßen, den bevorstehenden gantzen Winter hindurch, continuiren werden. O! wie wird’s wehrend dießer Zeit, Morsbroich und mir annoch ergehen? die letztern Dinge werden, scheinbarlich noch schlimmer sey denn die ersteren. Heüte sinds just 2 Jahre, daß wir im gegenwärtigen Kriege die Franzosen, zuerst hier sahen, und wehrend dieser 2 Jahren ist das Bergische Land /: die plünderungen ausgenohmen :/ von denselben noch nicht so hergenohmen worden, als bei den jetzigen Einquartirungen. Fleisch und Brod, tabac und haarpuder, ja alle erdenckliche Nothwendigkeiten muß der Bürger so wohl als der Baur, und zwarn ohne einige widerrede, dem Soldat hergeben. darbeneben [sic!] muß jede Stadt, jedes dorf seine einquartirten Truppen vom Kopf bis zu den füßen neü equipiren; die noch ruckständige alte Contribution wird, mit all möglichen Geschwinde, executive beigetrieben, damit eine neüe, die schon unter der preße, desto ehender statt finde. bei allem deme ist´s friede? Endlich hat auch d.Hr. forst-Inspector Emmerich /: nachdem von der Mittel-Commission zu Bonn, demselben neüerdings die Ordre zugegangen, das holtz-Geschäft zu beschleünigen, sich zu Zeichnung deren Baümen dahier eingefunden. Er hatte eine, Ihme miteins zugeschickte Liste bei sich, worinnen Specificè [besonders] bemercket, wie Viele Klafteren holtz in jedem Busch  /: diejenigen ausgenohmen, so sich mit Eichhoff  bereits abgefunden :/ Verfertiget- und wie viele Baüme hierzu geschlagen werden solten. Zufolg sotaner Liste solten aus denen Morsbroicher Buschen 40 Klafter gefertiget- und hierzu 30 Baüme gezeichnet werden. Die Zeichnung solcher Baümen fande ich, am diensamsten in den zur Doctorsburg gehörigen Buschen, aus der Ursache vorzunehmen, weilen eines theils in denselben die Eichbäume am dicksten zusammen stehen, auch die ältesten Bäume sind, und andertens dieße Lage, der Gefahr sehr exponiret ist, weilen solche nicht weit vom rhein enfernet, und sohin leichtlich Jemandem einfallen könte, eine parthie dießer Baümen von der Republique zu erhandlen, und aufm waßer weg zu transportieren der tax deren 40 Klafteren /: welchen Emmerich an Eichhoff eingeschickt hat :/ wird sich auf 160 rhr. belaufen. die zu Klafterholtz gezeichneten 30 Baüme kann ich dermalen, wo die rheinpassage wieder offen und zimlich viel holtz den rhein herunter komt, höher nicht als 270 r. taxiren. Ob Eichhoff, an welchen ich des falls geschrieben hab, für die besagten 40 Klafteren Holtz /: deren Bestimmung in das Magazin nacher Düsseldorf ist:/, sich mit etwan 100 rhr. begnügen- und zugleich, seinem ehemaligen Versprechen gemäs, einen revers abgeben wird, wodurch sämtliche in hießiger Gegend gelegenen T.O:³ Waldungen gegen zukünftige Unfälle sicher gestellt werden, dies werde ich wohl ehestens von demselben ruckantwortlich zu erwarten haben. es fragt sich indeßen schon wiederum, wo die hierzu erforderlichen Gelder herzunehmen seien. wie es übrigens bei den bevorstehenden winter quartieren den Buschen ergehen werde, läst sich leicht denken, Dann werden Soldaten und Bauren gemeinsahme Sache machen. Ohne die obig-bemerckten, Zu Klafterholtz, für die Republique gezeichneten 30 Eichen, hat Emmerich auf mein Ansuchen, deren annoch 17 in den zur doctorsburg gehörigen Ballei-Buschen, und 13. in denen Land-Kommtürln. Buschen, welch-alle recht gesunde Baüme sind, zu desto mehrerer sicherheit, mit dem republicanischen waldbeil gezeichnet, für welch–gehabte Bemühung derselbe sich mit 4 brab. Kron.⁴ begnügen laßen. Der Rest deren, aus dem Verkauf des diesjährigen Schlagholtzes eingegangenen Gelder,ist dem Monats Status Aug. mit 41 r.-57 stb. eingetragen. die ganze Masse desselben betruge sich 24 viertel. hievon [sic] sind verkauft und abgeliefert worden 21 Viertel. 19½ hundert, welche an Kaufschillingen sich belaufen auf-rhr. 387-9 stbr. Zur hiesigen Consumtion sind folglich noch verblieben 2 Viertel- 5½ hundert, diewelche, bei der jetzigen lage dem Vulcanus bald aufgeopfert seyn werden. Denn die starke wacht, welche dahier ist, und die gantze hubertus-Burg, außer dem Zimmer des Gärtners eingenommen, fängt wircklich an, die Öfens einzuheizen. Meine wohnung ist dermalen in dem Zimmer des P. Wendelin. ich glaube nicht, daß es lang dauren wird, so werde ich auch hieraus weggetrieben werden. O. Friede! Nie ist das wort: Krieg : so gehäßig geweßen als dermalen der – Friede. was wird denn doch endlich aus Uns werden? Zufolge des Aug. Monats–Actus ist der Zimmermann, welcher die Reparation an der Behausung zu Schlebuschrath unternohmen und bereits geendigt, mit 12 r.-7 stb.-8 hlr. – sodann der Maurer für die verfertigte Maur mit 13 r. ausbezahlt. Dermalen sind die Leiendecker mit der reparatur des Dachs und der Dachrinne beschäftigt, wenn solche fertig, so wird auch die, in beiden unter der Dachrinne befindlichen Zimmeren, zu machende Maurers und Pflästers Arbeit vorzunehmen seyn. Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst, und ersterbe in tiefester

    Ehrforcht              Ewer Hochwürden Exzellenz

    Morsbroich d. 10ⁿ.                      unterthänig – treü – gehorsamster

    7bris 1797.                                    diener

    J.P. Linden

     

    ¹Hier ein hakenähnliches Zeichen auf der Schriftlinie, das las et cetera gelesen werden muss.

    ²Hier am Rand des Briefes ein Kanzleivermerk: ein Schrägstrich zwischen 2 Punkten mit der Bedeutung: Dieser     Teil ist wichtig!

    ³Abkürzung für Teutsch Ordens, der Deutsche Orden, wie es sich heute nennt, bezeichnete sich als „Teutsch“, ebenso wie viele Autoren andere damals Teutschland schrieben und „Teutscher Merkur“.

    ⁴Brabantischer Kronentaler: 1755 in den habsburgischen Niederlanden eingeführte Talermüntze. Der K. drang in    großer Zahl in die deutschen Staaten und Österreich ein und behauptete sich, da höherwertig, gegen den gleichzeitig umlaufenden Konventionstaler.

    #559

    Hallo! Hier meine Beabeitung nach den Editionsrichtlinien. Ich bitte, den Text noch zu überprüfen! Ergänzungen zu den Editionsrichtlinien sind dort hinzugefügt.
    Gruß
    H.-J. Dorn
    Hochwürdig = Hochwohlgeborner Freiherr,
    Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommthur,
    Hochgebietend – Gnädiger Herr!

    Kaum hatte uns Ewer Hochwürden Exzellens hochverehrlichen beiden Rescripten vom 15n. Aug. abhin ich die so erfreuliche Nachricht des zwischen Österreich und Frankreich nun endlich abgeschlossen seyn sollenden Endfriedens zu lesen die Gnade gehabt, so verbreiteten sich hingegen noch nehmlichen Tages die Gerüchte, daß von Wetzlar, Gießen und Weilburg her wirklich 10 a 11000 Mann Infanterie nach den hiesigen Gegenden aufm Marsch begriffen seien, um ihre Cantonnirungs-Stationen zu beziehen. Dies letztere hat sich leider! schon mehr als zu viel bestätigt, denn ich wüsste kein Dorf im ganzen Bergischen, welches dermal Einquartirung frei. Am 27n. v. M. erfuhr ich, daß das Kirspel Schlebusch noch nehmlichen Tages mit 1 Compagnie Grenadiers des 1n. Bataillons von der 67n. Halbbrigade würde belegt werden. Um das Haus Morsbroich für allenfallsiger Einquartirung desto ehender zu befreien, räumte ich dasselbe, und ging nacher Mülheim. Allein! des Hn. Oberamt-Mann Fhn. [Freiherrn] v. Lüzerode Secretaire und dermaliger Marsch-Commissaire hatte die Unvorsichtigkeit gehabt dem Obersten sotanen Bataillons, einem Capitain, einem Adjutent Majorn, einem Chirurgien Major, nebst einem Schreiber, das hiesige Haus zu ihrem Bureau anzuweisen. Um den Mittag kamen diese Herrens mit 2 Bedienten und einem Weib dahier an, und fanden das Haus leer. Ihre 1te. Forderung bestunde in essen und trinken, sodann in Beschaffung 5 vollständigen federnen Bettungen. 1teres musste der Halfen für den Tag hergeben; da aber derselbe kein ordentliches Bett herschaffen wollte oder nicht konnte, so wurde der Orts-Vorstand attaquirt und mit Execution belegt. Dieser schickte mir sogleich einen Expressen und ersuchte mich um die Anschaffung deren 5 Bettungen. Ich erwiderte demselben, daß dies für mich um so unthunlicher, je bekennter es sei, daß die M-broicher Bettungen durch die Plünderungen, teils sehr gelitten, teils nachhero aus Ordres des Gral. Receveurs des Domaines, für die Republique nacher Köln gebracht worden seien. Anderten Morgens in der Frühe erhielt ich von d. Hn. Obrist, Namens le Roy, den scharfen Befehl, die Bettungen ohnverweilter anzuschaffen, und mich selbst dahier einzufinden. Ich eilte sofort nach Köln, um mit dasigen Hn. Beamten die Sache zu überlegen, H. Hofr. [Hofrat] v. Welter und Hr. Rtmstr. Dechen waren der Meinung, daß nähere Ordres zu erwarten seien, und ich noch ein paar Tage zurückbleiben sollte. Allein! mittlerweile, daß ich in Köln war, hatte d. Hr. Obrist mit den übrigen Offes. [Officiers] mich wirklich in Mülheim aufgesucht, da sie aber weder mich, noch den daselbst logirenden General Compère vorgefunden, hatten sie dem Marsch-Comissaire aufgetragen, mir anzudeuten, daß in Zeit 24 Stunden ich samt den Bettungen mich unter der Strafe dahier einzufinden hätte, daß widrigens 30. Grenadiers hierhin gelegt – und jedem pro Tag ½ Kron. [Krontaler] gezahlt werden sollten. Der Marsch-Commissaire ließ mich folgenden Morgens zu sich berufen, und kaum hatte ich mit demselben einige Worte gesprochen, so trat der dahier logirende Capitain ins Zimmer und befragte Ihn, ob er mich gesprochen – und mir alles angedeutet habe. Dieser erwiderte, daß ich derjenige sei, den man suche. Nun war der Vogel gefangen. Ich musste über mein Weggehen von hier, über die Ausleerung des Hauses¹ die derbsten Vorwürfe anhören, all mein Ausreden half nichts – Ohnverzüglich musste ich mit ihm von 2 Grenadiers begleitet zu Hn. Rtmstrn., um von diesem die Anschaffung der Bettungen zu gesinnen. H. Rtmstr. wollte sich ebenfalls mit Plünderungen entschuldigen. Allein keine Entschuldigung wurde angenommen. Nur unter dem Versprechen – daß noch nehmlichen Abends ich mit den Bettungen dahier eintreffen würde – wurde ich entlassen. Ich suchte sogleich eine Karrich auf, und ließ in der Behausung des Hn. Sindicus Dolleschall die 4 schlechtesten Bette, 8 Kissen, 4 paar Bettlaken und 2 Kissenziege aufladen und begleitete die Karrich anhero. Ich gewärtigte nun abermal die schönsten Reprochen und noch was mehr. Allein! Nichts weniger als das geschah. Hr. Obrist ein sehr feiner und solider Mann empfing mich sehr freundschaftlich. Er forderte indessen auch von mir die baldige Anschaffung des nötigsten Tischzeugs, der Küchen-Geschirren, der Köchin /: die er selbst auch schon aufgesucht hatte :/ und endlich die Fournitung der Tafel. Ich erwiderte demselben, daß ich ersteres, so viel nur möglich, tun würde, letzteres aber wegen der jetzig-traurigen Lage der Sachen unmöglich auf Kosten des hiesigen Hauses geschehen könnte, und ohnehin die Anschaffung deren Vivres [Lebensmittel, Verpflegung] wo nicht vom ganzen Amte, doch wenigstens von dem Kirspel Schlebusch, gemeinschaftlich geschehen müsste, als worüber ich d.Hn. Richter besprechen würde. Hinmit begnügte sich einstweilen d. Hr. Obrist. Ich ging sodenn zu Hn. Richter, stellte demselben die Lage der Sache deutlich vor und beredete ihn, daß zwischen ihm, des Amts-Vorstehern und mir eine desfallsige gemeinschaftliche Beratung vorgenommen werden möge. Diese ist auch bereits unterm 3ten. dieses vor sich gegangen. In derselben zeigte es sich aus dem vom Schlebuscher Vorstand bis dahin fournirten Küchen-Zettel des Obristen¹ daß dessen Tafel, ein Tag in dem andern, gerechnet, mit = und ohne fremden Gäste, pro Tag auf 14 ad 15 Rthr. zu stehen käme. Auf die Frage: wie die Gemeinde, zu diesen täglichen Ausgaben für die Zukunft zu concurriren habe? wollte dieselbe darauf bestehen, daß Ewer Hochwürden Exzellenz darab eine Hälfte und die Gemeinde die andere Hälfte zu entrichten haben solle. Hierin konnte und wollte ich aber für diesmal nicht einwilligen. ich erhielt indessen anderten Tages den zur hohen Einsichte dahier beigefügten neuen Küchen-Zettel von dem Hn. Obrist², welcher den obigen noch mit 2 Schüsslen übersteigt, mit dem Bedeuten: ohne Aufschub die Fournirung der Tafel selbst zu übernehmen, und mich desfalls, so gut ich könnte, mit dem Amte zu arrangiren hätte. Seit dem 5ten. dieses hab ich mich also hierzu anschicken, und alle und jede Anschaffung deren Vivres bestreiten müssen. Da nun nach meiner genauen Berechnung vom 5n. bis auf heute der tägliche Ertrag /: besonders so lange es noch Wildprett gibt :/ nicht über 14 Rthr. sich pro Tag beloffen, so bin ich heute mit Hn. Richtern als Bevollmächtigten der Gemeinde, dahin übereingekommen, daß Ewer Hochwürden Exzell. nur ⅓tel, der Gemeinde hingegen ⅔tel zu Last fallen – sohin diese an jedem Decade; so lang die gegenwärtige Einquartirung bestehen wird, an mich einhundert Reichsthlr. auszahlen solle.² Gleichwie nun aber der geringe Geld-Vorrat, der Ausweis des zur hohen Einsicht und gnädigen Ratification anligenden Monats-Status Augti. in meinen Händen noch beruhte, schon aufgezehrt ist und ich dermalen auch nicht imstande bin, derlei Auslagen aus dem Meinigen zu tun; so sehe mich in die Notwendigkeit versetzt, um die gnädigen Verhaltungs-Befehle: woher so wohl zu Bestreitung dieser täglichen Ausgaben als zu Befriedigung deren teils pensionirten teils salarirten Dienerschaften fort sonstigen Notwendigkeiten die erforderlichen Gelder zu nehmen seien: umsomehr untertänig zu bitten, als allem gegründeten Anschein nach es wohl gar keinem Zweifel mehr ausgesetzt ist, daß die Cantonnirungen der Franzosen den bevorstehenden ganzen Winter hindurch continuiren werden. O! wie wird’s wehrend dieser Zeit Morsbroich und mir annoch ergehen? Die letztern Dinge werden scheinbarlich noch schlimmer seyn denn die ersteren. Heute sinds just 2 Jahre, daß wir im gegenwärtigen Kriege die Franzosen, zuerst hier sahen, und wehrend dieser 2 Jahren ist das Bergische Land /: die Plünderungen ausgenommen :/ von denselben noch nicht so hergenommen worden als bei den jetzigen Einquartirungen. Fleisch und Brod, Tabac und Haarpuder, ja alle erdenkliche Nothwendigkeiten muß der Bürger so wohl als der Baur und zwarn ohne einige Widerrede, dem Soldat hergeben. Darbeneben [sic!] muß jede Stadt, jedes Dorf seine einquartirten Truppen vom Kopf bis zu den Füßen neu equipiren; die noch ruckständige alte Contribution wird, mit all möglichen Geschwinde, executive beigetrieben, damit eine neue, die schon unter der Presse, desto ehender stattfinde. Bei allem dem ist´s Friede? Endlich hat auch d. Hr. Forst-Inspector Emmerich /: nachdem von der Mittel-Commission zu Bonn demselben neuerdings die Ordre zugegangen, das Holz-Geschäft zu beschleunigen, sich zu Zeichnung deren Bäumen dahier eingefunden. Er hatte eine ihm miteins zugeschickte Liste bei sich, worinnen specificè [besonders] bemerket, wie viele Klafteren Holtz in jedem Busch /: diejenigen ausgenommen, so sich mit Eichhoff bereits abgefunden :/ verfertiget- und wie viele Bäume hierzu geschlagen werden sollten. Zufolg sotaner Liste sollten aus denen Morsbroicher Buschen 40 Klafter gefertigt- und hierzu 30 Bäume gezeichnet werden. Die Zeichnung solcher Bäumen fand ich am diensamsten in den zur Doctorsburg gehörigen Buschen aus der Ursache vorzunehmen, weilen eines Teils in denselben die Eichbäume am dicksten zusammen stehen, auch die ältesten Bäume sind, und andertens diese Lage, der Gefahr sehr exponiret ist, weilen solche nicht weit vom Rhein enfernt, und sohin leichtlich jemandem einfallen könnte, eine Partie dieser Bäumen von der Republique zu erhandlen, und aufm Wasser weg zu transportieren der Tax deren 40 Klafteren /: welchen Emmerich an Eichhoff eingeschickt hat :/ wird sich auf 160 Rthr. belaufen. die zu Klafterholz gezeichneten 30 Bäume kann ich dermalen, wo die Rheinpassage wieder offen und zimlich viel Holz den Rhein herunter kommt, höher nicht als 270 Rtlr. taxiren. Ob Eichhoff, an welchen ich des Falls geschrieben hab, für die besagten 40 Klafteren Holtz /: deren Bestimmung in das Magazin nacher Düsseldorf ist:/, sich mit etwan 100 Rtlr. begnügen- und zugleich, seinem ehemaligen Versprechen gemäß, einen Revers abgeben wird, wodurch sämtliche in hiesiger Gegend gelegenen T.O: ³ -Waldungen gegen zukünftige Unfälle sicher gestellt werden, dies werde ich wohl ehestens von demselben ruckantwortlich zu erwarten haben. Es fragt sich indessen schon wiederum, wo die hierzu erforderlichen Gelder herzunehmen seien. Wie es übrigens bei den bevorstehenden Winterquartieren den Buschen ergehen werde, lässt sich leicht denken. Dann werden Soldaten und Bauren gemeinsame Sache machen. Ohne die obig-bemerkten zu Klafterholtz für die Republique gezeichneten 30 Eichen hat Emmerich auf mein Ansuchen deren annoch 17 in den zur Doctorsburg gehörigen Ballei-Buschen, und 13 in denen Land-kommtürln. Buschen, welch – alle recht gesunde Bäume sind, zu desto mehrerer Sicherheit, mit dem republicanischen Waldbeil gezeichnet, für welch – gehabte Bemühung derselbe sich mit 4 brab. Kron.⁴ begnügen lassen. Der Rest deren aus dem Verkauf des diesjährigen Schlagholzes eingegangenen Gelder ist dem Monats-Status Aug. mit 41 Rtlr.-57 Stb. eingetragen. Die ganze Masse desselben betruge sich 24 viertel. Hievon [sic] sind verkauft und abgeliefert worden 21 Viertel. 19½ hundert, welche an Kaufschillingen sich belaufen auf-Rtlr. 387- 9 Stb. Zur hiesigen Consumtion sind folglich noch verblieben 2 Viertel- 5½ hundert, diewelche bei der jetzigen Lage dem Vulcanus bald aufgeopfert seyn werden. Denn die starke Wacht, welche dahier ist, und die ganze Hubertus-Burg, außer dem Zimmer des Gärtners eingenommen, fängt wirklich an, die Öfens einzuheizen. Meine Wohnung ist dermalen in dem Zimmer des P. Wendelin. Ich glaube nicht, daß es lang dauren wird, so werde ich auch hieraus weggetrieben werden. O. Friede! Nie ist das Wort: Krieg so gehässig gewesen als dermalen der – Friede. Was wird denn doch endlich aus uns werden? Zufolge des Aug. Monats–Actus ist der Zimmermann, welcher die Reparation an der Behausung zu Schlebuschrath unternommen und bereits geendigt, mit 12 Rtlr.-7 Stb.-8 Hlr. – sodann der Maurer für die verfertigte Maur mit 13 Rtlr. ausbezahlt. Dermalen sind die Leiendecker mit der Reparatur des Dachs und der Dachrinne beschäftigt, wenn solche fertig, so wird auch die in beiden unter der Dachrinne befindlichen Zimmeren zu machende Maurers und Pflästers Arbeit vorzunehmen seyn. Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst, und ersterbe in tiefester
    Ehrforcht Ewer Hochwürden Exzellenz
    Morsbroich d. 10ⁿ. unterthänig – treu – gehorsamster
    7bris 1797. Diener
    J.P. Linden

    ¹Hier ein hakenähnliches Zeichen auf der Schriftlinie, das als „et cetera“ gelesen werden muss.
    ²Hier am Rand des Briefes ein Kanzleivermerk: ein Schrägstrich zwischen 2 Punkten mit der Bedeutung: Dieser Teil ist wichtig!
    ³Abkürzung für Teutsch Ordens, der Deutsche Orden, wie es sich heute nennt, bezeichnete sich als „Teutsch“, ebenso wie viele Autoren andere damals Teutschland schrieben und „Teutscher Merkur“.
    ⁴Brabantischer Kronentaler: 1755 in den habsburgischen Niederlanden eingeführte Talermünze. Der K. drang in großer Zahl in die deutschen Staaten und Österreich ein und behauptete sich, da höherwertig, gegen den gleichzeitig umlaufenden Konventionstaler.
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    Antwort auf: Nr. 21 – 10. 9. 1797

    #561

    So… Ich habe nun die Zeilen so bearbeitet, dass sie dem original Dokument entsprechen.

    Ich finde das sehr wichtig.

    Außerdem habe ich die Abkürzung stillschweigend aufgelöst.

    wie:

    Rtmstr – Rentmeister

    Exzell. – Exzellenz

    Gral. – General

    anligenden in anliegenden geändert

    verfertiget in verfertigt

    leider kann man meine roten Markierungen hier nicht sehen.

    Gruß Rebecca

     

     

    Hochwürdig = Hochwohlgeborner Freiherr,
    Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommthur,
    Hochgebietend – Gnädiger Herr!

    Kaum hatte uns Ewer Hochwürden Exzellens hochver-

    ehrlichen beiden Rescripten vom 15n. Aug. abhin ich die so er-

    freuliche Nachricht des zwischen Österreich und Frankreich

    nun endlich abgeschlossen seyn sollenden Endfriedens zu le-

    sen die Gnade gehabt, so verbreiteten sich hingegen

    noch nehmlichen Tages die Gerüchte, daß von Wetzlar,

    Gießen und Weilburg her wirklich 10 a 11000 Mann Infan-

    terie nach den hiesigen Gegenden aufm Marsch begrif-

    fen seien, um ihre Cantonnirungs-Stationen zu beziehen.

    Dies letztere hat sich leider! schon mehr als zu viel

    bestätigt, denn ich wüsste kein Dorf im ganzen Bergischen,

    welches dermal Einquartirung frei. Am 27n. v. M.

    erfuhr ich, daß das Kirspel Schlebusch noch nehm-

    lichen Tages mit 1 Compagnie Grenadiers des 1n. Batail-

    lons von der 67n. Halbbrigade würde belegt werden.

    Um das Haus Morsbroich für allenfallsiger Einquar-

    tirung desto ehender zu befreien, räumte ich dasselbe,

    und ging nacher Mülheim. Allein! des Hn. Oberamt-

    Mann Freiherrn v. Lüzerode Secretaire und dermaliger Marsch-

    Commissaire hatte die Unvorsichtigkeit gehabt

    dem Obersten sotanen Bataillons, einem Capitain,

    einem Adjutent Majorn, einem Chirurgien Major, nebst

    einem Schreiber, das hiesige Haus zu ihrem Bureau

    anzuweisen. Um den Mittag kamen diese Herrens mit

    2 Bedienten und einem Weib dahier an, und fanden das Haus

    leer. Ihre 1te. Forderung bestunde in essen und trinken,

    sodann in Beschaffung 5 vollständigen federnen Bettungen.

    1teres musste der Halfen für den Tag hergeben; da aber

    derselbe kein ordentliches Bett herschaffen wollte oder

    nicht konnte, so wurde der Orts-Vorstand attaquirt und

    mit Execution belegt. Dieser schickte mir sogleich

    einen Expressen und ersuchte mich um die Anschaffung

    deren 5 Bettungen. Ich erwiderte demselben, daß dies

    für mich um so unthunlicher, je bekennter es sei, daß

    die M-broicher Bettungen durch die Plünderungen, teils

    sehr gelitten, teils nachhero aus Ordres des General Re-

    ceveurs des Domaines, für die Republique nacher

    Köln gebracht worden seien. Anderten Morgens in

    der Frühe erhielt ich von d. Hn. Obrist, Namens le Roy,

    den scharfen Befehl, die Bettungen ohnverweilter anzu-

    schaffen, und mich selbst dahier einzufinden. Ich eilte so-

    fort nach Köln, um mit dasigen Hn. Beamten die Sache zu

    überlegen, H. Hofrat v. Welter und Hr. Rentmeister Dechen

    waren der Meinung, daß nähere Ordres zu erwarten

    seien, und ich noch ein paar Tage zurückbleiben sollte.

    Allein! mittlerweile, daß ich in Köln war, hatte d. Hr.

    Obrist mit den übrigen Officiers mich wirklich in

    Mülheim aufgesucht, da sie aber weder mich, noch den daselbst

    logirenden General Compère vorgefunden, hatten sie dem Marsch-

    Comissaire aufgetragen, mir anzudeuten, daß in Zeit 24 Stunden

    ich samt den Bettungen mich unter der Strafe dahier einzufinden

    hätte, daß widrigens 30. Grenadiers hierhin gelegt – und jedem

    pro Tag ½ Krontaler gezahlt werden sollten. Der Marsch-Commissaire

    ließ mich folgenden Morgens zu sich berufen, und kaum hatte

    ich mit demselben einige Worte gesprochen, so trat der da-

    hier logirende Capitain ins Zimmer und befragte Ihn,

    ob er mich gesprochen – und mir alles angedeutet habe. Die-

    ser erwiderte, daß ich derjenige sei, den man suche. Nun

    war der Vogel gefangen. Ich musste über mein Weggehen

    von hier, über die Ausleerung des Hauses¹ die derbsten Vor-

    würfe anhören, all mein Ausreden half nichts – Ohnver-

    züglich musste ich mit ihm von 2 Grenadiers begleitet zu

    Hn. Rentmeistern , um von diesem die Anschaffung der Bettungen

    zu gesinnen. H. Rentmeister wollte sich ebenfalls mit Plünderungen

    entschuldigen. Allein keine Entschuldigung wurde angenommen.

    Nur unter dem Versprechen – daß noch nehmlichen Abends

    ich mit den Bettungen dahier eintreffen würde – wurde ich ent-

    lassen. Ich suchte sogleich eine Karrich auf, und ließ in der

    Behausung des Hn. Sindicus Dolleschall die 4 schlechtesten

    Bette, 8 Kissen, 4 paar Bettlaken und 2 Kissenziege auf-

    laden und begleitete die Karrich anhero. Ich gewärtigte

    nun abermal die schönsten Reprochen und noch was mehr.

    Allein! Nichts weniger als das geschah. Hr. Obrist

    ein sehr feiner und solider Mann empfing mich sehr

    freundschaftlich. Er forderte indessen auch von mir

    die baldige Anschaffung des nötigsten Tischzeugs, der

    Küchen-Geschirren, der Köchin /: die er selbst auch schon aufgesucht

    hatte :/ und endlich die Fournitung der Tafel. Ich erwiderte

    demselben, daß ich ersteres, so viel nur möglich, tun würde,

    letzteres aber wegen der jetzig-traurigen Lage der Sachen

    unmöglich auf Kosten des hiesigen Hauses geschehen könnte, und

    ohnehin die Anschaffung deren Vivres [Lebensmittel, Verpflegung] wo nicht vom ganzen Am-

    te, doch wenigstens von dem Kirspel Schlebusch, gemeinschaft-

    lich geschehen müsste, als worüber ich d.Hn. Richter besprechen

    würde. Hinmit begnügte sich einstweilen d. Hr. Obrist. Ich ging

    sodenn zu Hn. Richter, stellte demselben die Lage der Sache

    deutlich vor und beredete ihn, daß zwischen ihm, des Amts-

    Vorstehern und mir eine desfallsige gemeinschaftliche Be-

    ratung vorgenommen werden möge. Diese ist auch bereits

    unterm 3ten. dieses vor sich gegangen. In derselben

    zeigte es sich aus dem vom Schlebuscher Vorstand bis

    dahin fournirten Küchen-Zettel des Obristen¹ daß dessen

    Tafel, ein Tag in dem andern, gerechnet, mit = und ohne fremden

    Gäste, pro Tag auf 14 ad 15 Rthr. zu stehen käme. Auf

    die Frage: wie die Gemeinde, zu diesen täglichen Ausgaben

    für die Zukunft zu concurriren habe? wollte dieselbe da-

    rauf bestehen, daß Ewer Hochwürden Exzellenz darab

    eine Hälfte und die Gemeinde die andere Hälfte zu ent-

    richten haben solle. Hierin konnte und wollte ich aber für dies-

    mal nicht einwilligen. ich erhielt indessen anderten Tages

    den zur hohen Einsichte dahier beigefügten neuen Küchen-

    Zettel von dem Hn. Obrist², welcher den obigen noch mit 2 Schüs-

    slen übersteigt, mit dem Bedeuten: ohne Aufschub die Fournirung

    der Tafel selbst zu übernehmen, und mich desfalls, so gut

    ich könnte, mit dem Amte zu arrangiren hätte. Seit dem

    5ten. dieses hab ich mich also hierzu anschicken, und alle und

    jede Anschaffung deren Vivres bestreiten müssen. Da

    nun nach meiner genauen Berechnung vom 5n. bis auf heute

    der tägliche Ertrag /: besonders so lange es noch Wildprett

    gibt :/ nicht über 14 Rthr. sich pro Tag beloffen, so bin ich heute

    mit Hn. Richtern als Bevollmächtigten der Gemeinde, da-

    hin übereingekommen, daß Ewer Hochwürden Exzellenz

    nur ⅓tel, der Gemeinde hingegen ⅔tel zu Last fallen

    sohin diese an jedem Decade; so lang die gegenwärtige

    Einquartirung bestehen wird, an mich einhundert Reichsthlr.

    auszahlen solle.² Gleichwie nun aber der geringe Geld-

    Vorrat, der Ausweis des zur hohen Einsicht und gnädigen

    Ratification anliegenden Monats-Status Augti. in meinen Hän-

    den noch beruhte, schon aufgezehrt ist und ich dermalen

    auch nicht imstande bin, derlei Auslagen aus dem Mei-

    nigen zu tun; so sehe mich in die Notwendigkeit

    versetzt, um die gnädigen Verhaltungs-Befehle: wo-

    her so wohl zu Bestreitung dieser täglichen Ausgaben als

    zu Befriedigung deren teils pensionirten teils salarirten

    Dienerschaften fort sonstigen Notwendigkeiten die erfor-

    derlichen Gelder zu nehmen seien: umsomehr untertä-

    nig zu bitten, als allem gegründeten Anschein nach

    es wohl gar keinem Zweifel mehr ausgesetzt ist, daß

    die Cantonnirungen der Franzosen den bevorstehenden

    ganzen Winter hindurch continuiren werden. O!

    wie wird’s wehrend dieser Zeit Morsbroich und mir

    annoch ergehen? Die letztern Dinge werden scheinbar-

    lich noch schlimmer seyn denn die ersteren.

    Heute sinds just 2 Jahre, daß wir im gegenwärtigen

    Kriege die Franzosen, zuerst hier sahen, und wehrend

    dieser 2 Jahren ist das Bergische Land /: die Plünderungen

    ausgenommen :/ von denselben noch nicht so hergenommen wor-

    den als bei den jetzigen Einquartirungen. Fleisch

    und Brod, Tabac und Haarpuder, ja alle erdenkliche Noth-

    wendigkeiten muß der Bürger so wohl als der Baur und

    zwarn ohne einige Widerrede, dem Soldat hergeben. Dar-

    beneben [sic!] muß jede Stadt, jedes Dorf seine einquartirten

    Truppen vom Kopf bis zu den Füßen neu equipiren; die

    noch ruckständige alte Contribution wird, mit all möglichen

    Geschwinde, executive beigetrieben, damit eine neue, die schon

    unter der Presse, desto ehender stattfinde. Bei allem

    dem ist´s Friede? Endlich hat auch d. Hr. Forst-Inspector Emmerich /: nachdem

    von der Mittel-Commission zu Bonn demselben neuer-

    dings die Ordre zugegangen, das Holz-Geschäft zu be-

    schleunigen, sich zu Zeichnung deren Bäumen dahier einge-

    funden. Er hatte eine ihm miteins zugeschickte Liste bei

    sich, worinnen specificè [besonders] bemerket, wie viele Klafteren Holtz

    in jedem Busch /: diejenigen ausgenommen, so sich mit Eichhoff

    bereits abgefunden :/ verfertigt- und wie viele Bäume

    hierzu geschlagen werden sollten. Zufolg sotaner Liste

    sollten aus denen Morsbroicher Buschen 40 Klafter geferti-

    gt und hierzu 30 Bäume gezeichnet werden. Die Zeich-

    nung solcher Bäumen fand ich am diensamsten in den zur

    Doctorsburg gehörigen Buschen aus der Ursache vorzuneh-

    men, weilen eines Teils in denselben die Eichbäume am dicksten

    zusammen stehen, auch die ältesten Bäume sind, und andertens

    diese Lage, der Gefahr sehr exponiret ist, weilen solche

    nicht weit vom Rhein enfernt, und sohin leichtlich jemandem

    einfallen könnte, eine Partie dieser Bäumen von der

    Republique zu erhandlen, und aufm Wasser weg zu transportieren

    der Tax deren 40 Klafteren /: welchen Emmerich an Eichhoff

    eingeschickt hat :/ wird sich auf 160 Rthr. belaufen. die zu Klaf-

    terholz gezeichneten 30 Bäume kann ich dermalen, wo die

    Rheinpassage wieder offen und zimlich viel Holz den Rhein

    herunter kommt, höher nicht als 270 Rtlr. taxiren. Ob Eich-

    hoff, an welchen ich des Falls geschrieben hab, für die besagten

    40 Klafteren Holtz /: deren Bestimmung in das Magazin nacher

    Düsseldorf ist:/, sich mit etwan 100 Rtlr. begnügen und zu-

    gleich, seinem ehemaligen Versprechen gemäß, einen Revers

    abgeben wird, wodurch sämtliche in hiesiger Gegend gelegenen

    T.O: ³ Waldungen gegen zukünftige Unfälle sicher gestellt

    werden, dies werde ich wohl ehestens von demselben ruck-

    antwortlich zu erwarten haben. Es fragt sich indessen

    schon wiederum, wo die hierzu erforderlichen Gelder herzu-

    nehmen seien. Wie es übrigens bei den bevorstehenden

    Winterquartieren den Buschen ergehen werde, lässt sich

    leicht denken. Dann werden Soldaten und Bauren ge-

    meinsame Sache machen. Ohne die obig-bemerkten

    zu Klafterholtz für die Republique gezeichneten 30 Eichen hat

    Emmerich auf mein Ansuchen deren annoch 17 in den zur Doc-

    torsburg gehörigen Ballei-Buschen, und 13 in denen Land-

    kommtürln. Buschen, welch – alle recht gesunde Bäume sind, zu

    desto mehrerer Sicherheit, mit dem republicanischen Wald-

    beil gezeichnet, für welch – gehabte Bemühung derselbe

    sich mit 4 brab. Kron.⁴ begnügen lassen.

    Der Rest deren aus dem Verkauf des diesjährigen

    Schlagholzes eingegangenen Gelder ist dem Monats-Status

    Aug. mit 41 Rtlr.-57 Stb. eingetragen. Die ganze Masse desselben

    betruge sich 24 viertel. Hievon [sic] sind verkauft und

    abgeliefert worden 21 Viertel. 19½ hundert, welche an

    Kaufschillingen sich belaufen auf-Rtlr. 387- 9 Stb.

    Zur hiesigen Consumtion sind folglich noch verblieben

    2 Viertel- 5½ hundert, diewelche bei der jetzigen Lage

    dem Vulcanus bald aufgeopfert seyn werden. Denn

    die starke Wacht, welche dahier ist, und die ganze Hubertus-

    Burg, außer dem Zimmer des Gärtners eingenommen, fängt

    wirklich an, die Öfens einzuheizen. Meine Wohnung ist der-

    malen in dem Zimmer des P. Wendelin. Ich glaube nicht, daß es

    lang dauren wird, so werde ich auch hieraus weggetrieben werden.

    O Friede! Nie ist das Wort: Krieg so gehässig gewesen

    als dermalen der – Friede. Was wird denn doch endlich aus

    uns werden?

    Zufolge des Aug. Monats–Actus ist der Zimmermann,

    welcher die Reparation an der Behausung zu Schlebuschrath

    unternommen und bereits geendigt, mit 12 Rtlr.-7 Stb.-8 Hlr. –

    sodann der Maurer für die verfertigte Maur mit 13 Rtlr.

    ausbezahlt. Dermalen sind die Leiendecker mit der Repa-

    ratur des Dachs und der Dachrinne beschäftigt, wenn solche

    fertig, so wird auch die in beiden unter der Dachrinne be-

    findlichen Zimmeren zu machende Maurers und Pflästers

    Arbeit vorzunehmen seyn.

    Zu Ewer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden

    empfehle ich mich ganz gehorsamst, und ersterbe in tiefester
    Ehrforcht

    Ewer Hochwürden Exzellenz
    Morsbroich d. 10ⁿ.          unterthänig – treu – gehorsamster
    7bris 1797.                    Diener
    J.P. Linden

    ¹Hier ein hakenähnliches Zeichen auf der Schriftlinie, das als „et cetera“ gelesen werden muss.
    ²Hier am Rand des Briefes ein Kanzleivermerk: ein Schrägstrich zwischen 2 Punkten mit der Bedeutung: Dieser Teil ist wichtig!
    ³Abkürzung für Teutsch Ordens, der Deutsche Orden, wie es sich heute nennt, bezeichnete sich als „Teutsch“, ebenso wie viele Autoren andere damals Teutschland schrieben und „Teutscher Merkur“.
    ⁴Brabantischer Kronentaler: 1755 in den habsburgischen Niederlanden eingeführte Talermünze. Der K. drang in großer Zahl in die deutschen Staaten und Österreich ein und behauptete sich, da höherwertig, gegen den gleichzeitig umlaufenden Konventionstaler.

     

    #761

    Letzte Fassung!

     

    Nr. 21                                                                                                     1797 September 10

     

    In dem Brief berichtet Johann Peter Linden, seinem Herrn von Forstmeister, von den zu Unrecht geforderten Tafelgeldern, die von der Gemeinde für die Verpflegung des einquartiert gewesenen Majors und seiner Stabsoffiziere berechnet wurden. Er will jedoch noch die näheren Bestimmungen der Steuerkommission abwarten, bevor er sich beschweren will. Des Weiteren schreibt Linden von den notwendigen Reparaturarbeiten an den Stalltüren des Schlangenhecker Hofes. Da der Halfen gezwungen war, seine mit Stalltüren versehenen Pferdeställe durchreisenden Fuhrleuten zu überlassen, sollen jetzt an allen Ställen Türen angebracht werden. Zum Abschluss des Briefes sendet Johann Peter Linden seinem Herrn noch die besten Wünsche für seinen morgigen Namenstag.

     

     

    Hochwürdig-hochwohlgebohrner Freiherr, insonders hochzuverehrendester Herr Landkomthur, hochgebietend gnädiger Herr!

     

     

    Kaum hatte uns Euer Hochwürden Exzellens hochverehrlichen beiden Rescripten vom 15n. Aug. abhin ich die so erfreuliche Nachricht des zwischen Österreich und Frankreich nun endlich abgeschlossen seyn sollenden Endfriedens zu lesen die Gnade gehabt, so verbreiteten sich hingegen noch nehmlichen Tages die Gerüchte, daß von Wezlar, Gießen und Weilburg her wirklich 10 a 11000 Mann Infanterie nach den hiesigen Gegenden aufm Marsch begriffen seien, um ihre Cantonnirungs-Stationen zu beziehen. Dies letztere hat sich, leider, schon mehr als zu viel bestätiget, denn ich wüsste kein Dorf im ganzen Bergischen, welches dermal Einquartirung frei. Am 27n. v.M. erfuhr ich, daß das Kirspel Schlebusch noch nehmlichen Tages mit 1 Compagnie Grenadiers des 1n. Bataillons von der 67n. Halbbrigade würde belegt werden. Um das Haus Morsbroich für allenfallsiger Einquartirung desto ehender zu befreien, raumte ich dasselbe und ging nacher Mülheim. Allein! des Hn. Oberamtmann Fhn.[1] v. Lüzerode Secretaire und dermaliger Marsch-Commissair hatte die Unvorsichtigkeit gehabt dem Obersten sotanen Bataillons, einem Capitain, einem Adjutent Majorn, einem Chirurgien Major nebst einem Schreiber das hiesige Haus zu ihrem Bureau anzuweisen. Um den Mittag kamen diese Herren mit 2 Bedienten und einem Weib dahier an und fanden das Haus leer. Ihre 1te. Forderung bestund in essen und trinken, sodann in Beischaffung 5 vollständigen federnen Bettungen, 1teres musste der Halfen für den Tag hergeben; da aber derselbe kein ordentliches Bett herschaffen wollte oder nicht konnte, so wurde der Ortsvorstand attaquirt und mit Execution belegt. Dieser schickte mir sogleich einen Expressen und ersuchte mich um die Anschaffung deren 5 Bettungen. Ich erwiderte demselben, daß dies für mich um so unthunlicher, je bekennter es sei, daß die M-broicher Bettungen durch die Plünderungen teils sehr gelitten, teils nachhero aus Ordres des Gral. Receveurs des Domaines[2] für die Republique nacher Cöln gebracht worden seien. Anderten Morgens in der Fruhe erhielt ich von dHn. Obrist, Namens le Roy den scharffen Befehl, die Bettungen ohnverweilter anzuschaffen und mich selbst dahier einzufinden. Ich eilte sofort nach Köln, um mit dasigen Hn. Beamten die Sache zu überlegen, H. Hofr. v.Welter und Hr. Rtmstr. Dechen waren der Meinung, daß nähere Ordres zu erwarten seien und ich noch ein paar Tage zuruckbleiben solte. Allein! Mittlerweile daß ich in Köln war, hatte dHr. Obrist mit den übrigen Offes[3] mich wirklich in Mülheim aufgesucht, da sie aber weder mich, noch den daselbst logirenden General Compère vorgefunden, hatten Sie dem Marsch Comissaire aufgetragen, mir anzudeuten, daß in Zeit 24 Stunden ich samt den Bettungen mich unter der Strafe dahier einzufinden hätte, daß widrigens 30. Grenadiers hierhin gelegt – und jedem pro Tag ½ Kron. gezahlt werden sollten. Der Marsch-Commissaire ließ mich folgenden Morgens zu sich berufen, und, kaum hatte ich mit demselben einige Worte gesprochen, so trat der dahier logirende Capitain ins Zimmer und befragte Ihn, ob Er mich gesprochen und mir alles angedeutet habe. Dieser erwiderte, daß ich derjenige sei, den man suche. Nun war der Vogel gefangen. ich musste über mein Weggehen von hier, über die Ausleerung des Hauses  die derbsten Vorwürfe anhören, all mein Ausreden half nichts. Ohnverzüglich mußte ich mit ihm von 2 Grenadiers begleitet zu Hn. Rtmstrn., um von diesem die Anschaffung der Bettungen zu gesinnen. H. Rtmstr. wolte sich ebenfalls mit Plünderungen entschuldigen. Allein keine Entschuldigung wurde angenommen. Nur unter dem Versprechen, daß noch nehmlichen Abends ich mit den Bettungen dahier eintreffen würde, wurde ich entlassen. Ich suchte sogleich eine Karrich auf und ließ in der Behausung des Hn. Sindicus Dolleschall die 4 schlechtesten Bette, 8 Küssen, 4 paar Bettlaken und 2 Küssenziege aufladen und begleitete die Kärrich anhero. Ich gewärtigte nun abermal die schönsten Reprochen[4] und noch was mehr. Allein! Nichts weniger als das geschah. Hr. Obrist ein sehr feiner und solider Mann empfing mich sehr freundschaftlich. Er forderte indessen auch von mir die baldige Anschaffung des nötigsten Tischzeugs, der Kuchengeschirren, der Köchin /: die er selbst auch schon aufgesucht hatte :/ und endlich die Fournirung[5] der Tafel. Ich erwiderte demselben, daß ich ersteres, soviel nur möglich, thun würde. Letzteres aber, wegen der jetzig traurigen Lage der Sachen unmöglich auf Kosten des hiesigen Hauses geschehen könnte und ohnehin die Anschaffung deren Vivres, wo nicht vom ganzen Amte, doch wenigstens von dem Kirspel Schlebusch gemeinschaftlich geschehen müsste, als worüber ich dHn. Richter besprechen würde. Hiemit begnügte sich einsweilen dHr. Obrist. Ich ging sodenn zu Hn. Richtern, stellte demselben die Lage der Sache deutlich vor und beredete ihn, daß zwischen ihm, des Amtsvorsteheren und mir eine desfallsige gemeinschaftliche Berathung vorgenommen werden möge. Diese ist auch bereits unterm 3ten. dieses vor sich gegangen. In derselben zeigte es sich aus dem vom Schlebuscher Vorstand bis dahin fournirten Kuchenzettel des Obristen, daß dessen Tafel ein Tag in dem andern gerechnet mit und ohne fremde Gäste, pro Tag auf 14 ad 15 rhr. zu stehen kam. Auf die Frage, wie die Gemeinde zu diesen täglichen Ausgaben für die Zukunft concurriren habe? wollte dieselbe darauf bestehen, daß Euer Hochwürden Exzelenz darab eine Hälfte und die Gemeinde die anderte Hälfte zu entrichten haben solle. Hierinn konnte und wollte ich aber für diesmal nicht einwilligen. Ich erhielt indessen anderten Tages den zur hohen Einsicht dahier beigefügten neuen Kuchenzettel von dem Hn. Obrist.,[6] welcher den obigen noch mit 2 Schüsslen übersteigt, mit dem Bedeuten, ohne Aufschub die Fournirung der Tafel selbst zu übernehmen und mich des Falls, so gut ich könte, mit dem Amte zu arrangiren hätte. Seit dem 5ten. dieses hab ich mich also hierzu anschicken und alle und jede Anschaffung deren Vivres bestreiten müssen. Da nun nach meiner genauen Berechnung Vom 5n. bis auf heute der tägliche Ertrag /: besonders so lange es noch Wildprett gibt :/ nicht über 14 r. sich pro Tag beloffen, so bin ich heute mit Hn. Richtern als Bevollmächtigten der Gemeinde dahin übereingekommen, daß Euer Hochwürden Exzell. nur ⅓tel, der Gemeinde hingegen ⅔tel zu Last fallen, sohin diese jedem Decade; so lang die gegenwärtige Einquartirung bestehen wird, an mich einhundert Reichsthlr. auszahlen solle.[7] Gleichwie nun aber der geringe Geldvorrath, der Ausweis des zur hohen Einsicht und gnädigen Ratifcation anligenden Monats-Status Augti. in meinen Händen noch beruhete, schon aufgezehrt ist und ich dermalen auch nicht imstande bin, derlei Auslagen aus dem Meinigen zu thun; so sehe mich in die Nothwendigkeit versetzt, um die gnädigen Verhaltungsbefehle: woher sowohl zu Bestreitung dieser täglichen Ausgaben, als zu Befriedigung deren teils pensionirten teils salarirten[8] Dienerschaften, fort sonstigen Nothwendigkeiten die erforderlichen Gelder zu nehmen seien: um so mehr unterthänig zu bitten, als allem gegründeten Anschein nach es wohl gar keinem Zweifel mehr ausgesetzt ist, daß die Catonnirungen[9] der Franzosen den bevorstehenden ganzen Winter hindurch continuiren werden, O! wie wird’s wehrend dieser Zeit, Morsbroich und mir annoch ergehen? Die letztern Dinge werden scheinbarlich noch schlimmer seyn denn die ersteren. Heute sinds just 2 Jahre, daß wir im gegenwärtigen Kriege die Franzosen zuerst hier sahen, und wehrend dieser 2 Jahren ist das Bergische Land /: die Plünderungen ausgenommen :/ von denselben noch nicht so hergenohmen worden, als bei den jetzigen Einquartirungen. Fleisch und Brod, Tabac und Haarpuder, ja alle erdenkliche Nothwendigkeiten muß der Bürger sowohl als der Baur und

    zwarn ohne einige Widerrede dem Soldat hergeben. Darneben muss jede Stadt, jedes Dorf seine einquartirten Truppen vom Kopf bis zu den Füßen neu equipiren;[10] die noch ruckständige alte Contribution wird mit all möglichen Geschwinde executive beigetrieben, damit eine neue, die schon unter der Presse, desto ehender stattfinde, bei allem dem ist´s Friede? Endlich hat auch dHr. Forstinspector Emmerich /: nachdem von der Mittel-Commission zu Bonn demselben neuerdings die Ordre zugegangen, das Holzgeschäft zu beschleunigen, sich zu Zeichnung deren Bäumen dahier eingefunden. Er hatte eine ihm miteins zugeschickte Liste bei sich, worinnen specifice bemercket, wie viele Klafteren Holtz in jedem Busch /: diejenigen ausgenommen, so sich mit Eichhoff bereits abgefunden :/ verfertiget – und wie viele Bäume hierzu geschlagen werden solten. Zufolg sotaner Liste sollten aus denen Morsbroicher Buschen 40 Klafter gefertiget und hierzu 30 Bäume gezeichnet werden. Die Zeichnung solcher Bäumen fand ich am diensamsten in den zur

    Doctorsburg gehörigen Buschen aus der Ursache vorzunehmen, weilen einestheils in denselben die Eichbäume am dicksten zusammen stehen, auch die ältesten Bäume sind, und andertens

    diese Lage der Gefahr sehr exponiret ist, weilen solche nicht weit vom Rhein entfernet und sohin leichtlich jemandem einfallen könnte, eine Parthie dieser Bäumen von der Republique zu erhandlen und aufm Wasser weg zu transportieren der Tax deren 40 Klafteren /: welchen Emmerich an Eichhoff eingeschickt hat :/ wird sich auf 160 rhr. belaufen. Die zu Klafterholtz gezeichneten 30 Bäume kann ich dermalen, wo die Rheinpassage wieder offen und ziemlich viel Holtz den Rhein herunterkommt, höher nicht als 270 r. taxiren. Ob Eichhoff, an welchen ich des Falls geschrieben hab, für die besagten 40 Klafteren Holtz /: deren Bestimung in das Magazin nacher Düsseldorf ist :/, sich mit etwan 100 rhr. begnügen und zugleich, seinem ehemaligen Versprechen gemäß einen Revers[11] abgeben wird, wodurch sämtliche in hiesiger Gegend gelegenen T.O.[12] Waldungen gegen zukünftige Unfälle sichergestellt werden, dies werde ich wohl ehestens von demselben ruck-antwortlich zu erwarten haben. Es fragt sich indessen schon wiederum, wo die hierzu erforderlichen Gelder herzunehmen seien. Wie es übrigens bei den bevorstehenden Winterquartieren den Buschen ergehen werde, lässt sich leicht denken, Dann werden Soldaten und Bauren gemeinsame Sache machen. Ohne die obige bemerkten zu Klafterholtz für die Republique gezeichneten 30 Eichen hat Emmerich auf mein Ansuchen deren annoch 17 in den zur Doctorsburg gehörigen Balleibuschen und 13. in denen Landkomturn.-Buschen, welch alle recht gesunde Bäume sind, zu desto mehrerer Sicherheit mit dem republicanischen Waldbeil gezeichnet, für welch gehabte Bemühung derselben sich mit 4 brab. Kron. begnügen lassen. Der Rest deren aus dem Verkauf des diesjährigen Schlagholtzes eingegangenen Gelder ist dem Monatsstatus Aug. mit 41 r. 57 stb. eingetragen. Die ganze Masse desselben betrug sich 24 Viertel. Hiervon sind verkauft und abgeliefert worden 21 Viertel. 19½ hundert, welche an Kaufschillingen sich belaufen auf- rhr. 387- 9 stbr. Zur hiesigen Consumtion sind folglich noch verblieben 2 Viertel – 5½ hundert, diewelche, bei der jetzigen Lage dem Vulcanus bald aufgeopfert seyn werden. Denn die starke Wacht, welche dahier ist und die ganze Hubertusburg, außer dem Zimmer des Gärtners, eingenommen, fängt wirklich an, die Öfen einzuheizen. Meine Wohnung ist dermalen in dem Zimmer des P. Wendelin. Ich glaube nicht, daß es lang dauren wird, so werde ich auch hieraus weggetrieben werden. O. Friede! Nie ist das Wort Krieg so gehässig gewesen als dermalen der Friede. Was wird denn doch endlich aus uns werden? Zufolge des Aug-Monats-Status ist der Zimmermann, welcher die Reparation an der Behausung zu Schlebuschrath unternommen und bereits geendigt, mit 12 r.- 7 stb.- 8 hr. – sodann der Maurer für die verfertigte Maur mit 13 r. ausbezahlt. Dermalen sind die Leiendecker mit der Reparatur des Dachs und der Dachrinne beschäftigt, wenn solche fertig, so wird auch die in beiden unter der Dachrinne befindlichen Zimmeren zu machende Maurers und Pflästers Arbeit vorzunehmen seyn.

     

    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefester Ehrforcht

     

    Euer Hochwürden Exzellenz

    unterthänig treu gehorsamster Diener

     

    J.P. Linden

     

    Morsbroich d. 10n.7bris. 1797

     

     

     

    [1] Freiherr.
    [2] Landdomäneneinnehmer = Verwalter der Staatsgüter.
    [3] Abgekürzt: Offiziere.
    [4] Vorwürfe
    [5] Versorgung
    [6] Hier am Rand ein Kanzleivermerk.
    [7] Im Original unterstrichen und am Seitenrand  mit einer Kanzleimarkierung versehen.
    [8] entlohnenden
    [9] französisch cantonnement: Einquartierung
    [10] ausstatten
    [11] Verpflichtung
    [12] Abkürzung für Teutsch-Ordens.

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