Nr. 25 – 3.2.1800

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 25 – 3.2.1800

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    Letzte Fassung

    Nr. 25                                                                                                        1800 Februar 3

    Landesarchiv Koblenz

    Linden schickt die Monatsübersicht des Hauses Morsbroich an den Landkomtur, er berichtet darüber, dass der neu verpflichtete Jäger noch nicht angekommen ist. Die Belastungen der Besatzung sind erträglicher geworden, an ihre Stelle muss er von bandenmäßigen Überfällen berichten.

     

    Hochwürdig ochwohlgebohrener Reichsfreiherr insonders hochzuverehrendester Herr Landkomentur, hochgebietend gnädiger Herr!

    Den Empfang Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrlichen Rescripts vom 14n Jänner abhin unterthänig [unleserlich] hab zugleich die Gnade, zu hochdero hohen Einsicht den Statum erwehnten Monats dahier gehorsamst anzuschließen. In Betref des von Hochdenenselben an die Stelle des Joh. Schmitz gnädig bestimmten neuen Revierjägers Johan Bernard /: welcher aber bis heute dahier noch nicht angekommen ist :/ werde dem hohen Befehl zufolge ich wegen denen demselben gnädig zugelegten Kost- und Jahrgelder fort Kleidungen und Schussgelder mich schuldigst zu benehmen gehorsamst nicht entstehen. Dem Jäger Servohs hab nochmalen hochdero gnädige Willensmeinung unterthänig bekennt gemacht, worauf derselbe all mögliche Besserung angelobte. Zur Herstellung deren Vestungswercker zu Düsseldorf ist schon wieder eine beträchtliche Holzforderung zum Vorschein gekommen, die aber noch nicht repartiret worden. Auch sollen zu nehmlichem Ende daselbst mehrere Ziegelöfen errichtet werden. Die Kriegs- und Friedensgerüchte unterhalten sich in hiesigen Gegenden noch immer miteinander, worunter jedoch das wahrscheinlichste ist, daß der Kriegsgott in diesem Jahre nochmalen und noch furchtbarer wie vorhin auftreten werde. Die Einquartirungen sind nun eine zeitlang hiesiger Orten sehr leidentlich gewesen, nur in DDorf und Mülheim befinden sich einige Truppen. Dahingegen hat sich seit einem halben Jahr eine zu 160 Mann starke, meistens mit Gewehren versehene Räuberbande eingefunden. Von dieser wurde noch in gestriger Nacht in hiesiger Nähe das Haus eines wohlbemittelten Bürgers um Mitternacht, nachdem zuvor alle Hausgenossen geknebelt, vom Speicher bis in den Keller rein ausgeleeret, fast wochentlich vernimmt man derlei traurige Geschichten. Früchten des leidigen Kriegs!
    Zu Euer Hochwürden Exzellenz hohen Gnade empfehle ich mich gantz unterthänig in tiefster Hochverehrung ersterbend

    Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehorsamster Diener Linden

    Morsbroich am 3n Hornung 1800

     

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