Nr. 24 – 2.2.1799

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 24 – 2.2.1799

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    Nr. 24                                                                                        1799 Februar 2

    Landesarchiv Koblenz

    Linden schickt an den Landkomtur eine Übersicht über die Kriegslasten des Hauses Morsbroich und der dortigen Pächter. Der Schreiner und Pförtner hat sein Amt aufgegeben, nachdem seine Bezahlung ausgeblieben ist.

     

    Hochwürdig, hochwohlgebohrener Reichsfreiherr, insonders hochzuverehrendester Herr Landkomtur, hochgebietend gnädiger Herr!

    Euer Hochwürden Exzellenz hochverehrliches Rescript vom 28 v. M. hatte ich die Gnade, heut unterthänig zu erhalten und solle darauf folgendes vorläufig zu erinnern gehorsamst nicht anstehen: Die mittels meines unterthänigen Berichtes vom 18. Januar ab hier zur hochgefälligen Einsicht eingeschickte Tabelle ist weiter nichts als ein Auszug aus denen von hochdero dahiesigen Pächten von mir übergebenen Rechnungen über sämtliche von denenselben wehrend dem Übergange der Franzosen über den Rhein getragenen Kriegslasten. Aus diesen Rechnungen hab ich jene Posten, /: woran Euer Hochwürden Exzellenz als Verpachter gemeinschaftlich mit denen Pächteren nach Maßgab des Generalis vom 27. April v. J. zu tragen haben :/ in eine Tabelle gebracht und die übrigen Posten als Einquartirung, Vorspann, Viehlieferungen etc. als welche dem Pfächter allein zu Last fallen :/ weggelassen. Sotane Tabelle ist also nichts weniger als eine Abrechnung mit den Pächtern, sie ist nur zu dem Ende gefertigt worden, um dadurch den von der Regierung zu Düsseldorf geforderten Beweis, dessen nehmlich für die Ballei Coblenz der Bezug deren 4 m[1] rhr ab dem verkauften Rittersitz Steinbüchel zu Tilgung deren auf die Besitzlichkeiten des Herzogthums Berg ausgeschriebenen und noch ferner zu Bestreitung der Kriegslasten nothwendig seyn führen zu können. Übrigens ist meines Wissens weder von dHn Hofrath von Welter mit denen Balleipfächteren noch von dHrn Rtmster Dechen mit denen dasig landkomturlichen Pfächteren wehrend dem Kriege eine vollständige Berechnung gepflogen worden. Eine solche Berechnung könnte auch eigentlich in solang nicht wohl statthaben, bis dahin von der Landesregierung ein Regulativ über die Eintheilung der Kriegslasten zwischen Ver- und Anpachter zum Vorschein kam. Da nunmehr solches wirklich vorhanden, so wäre meines unterthänig ohnmaßgebigen Erachtens je eher je besser die Abrechnung vorzunehmen. Übrigens glaube ich wohl, daß die hiesigen Halbwinner /: den Morsbroicher ausgenohmen :/ sich damit begnügen werden, wenn ihnen bis herzu getragene Kriegslasten, obgleich solche sich auch höher belaufen, mit denen ruckständigen Pachten gegeneinander aufgeglichen werden. Was ansonsten den von mir vom 1ten 7bris 1795 bis hierhin gehabten Empfang und geschehenen Ausgaben betrifft, werde zur schuldigsten Befolgung Euer Hochwürden Exzellenz gnädigen Befehls ich darüber eine ganz vollständige Rechnung fertig stellen und solche dem Hrn. Hofrathe von Welter zukommen lassen. Der Schreiner und Pförtner dahier Joseph Haug befragte mich unlengst, ob auf die an Euer Hochwürden Exzellenz von ihm unterthänige schriftl. Supplique[2] hochdero gnädige Entschließung mir nicht zugekommen sey, ich erwiderte ihm, daß mir desfalls nichts zugekommen sey und daß er sich allenfalls bey d. Hrn Hofrath von Welter einmal melden könne. Dies hat er also gethan und da er bei demselben auch keine Antwort vorgefunden, so zeigte er mir gestern an, daß er genötigt sey, sich mit seiner Frau von hier wegzubegeben und sein Brod anderswo zu suchen, indem er wegen ausbleibender Zahlung seines Lohnes und Köstgelder dahier länger nicht mehr bestehen könne. Er hat mir sodann die Schlüssel des Hoftors übergeben und ist mit seiner Frau von hier weg und in seine Behausung zu Schlebusch eingezogen. Euer Hochwürden Exzellenz habe ich ein solches schuldigst anzuzeigen unterthänig nicht ermangeln sollen. Zu hochdero gnädigen Einsicht hab die Gnade den Monaths Status Januarii dahier unterthänig anzuschließen. Nebst zweien dahier wirklich im Quartier gelegenen Infantristen sind dadurch, daß das gesamte Militair aus Forcht der Eisfahrt sich von Mülheim weggemacht hat, auch noch 2 Dragoner Offiziers dem Hause Morsbroich zu Last gefallen. Die Verheerungen, welche das Wasser und Eis diesmal angestellt haben, sollen leider! jenen vom Jahr 1784 an mehreren Ortschaften weit übertroffen auf der linken Seite des Rheins ist bei Dormagen und auf der rechten bei Langenweyer ein Durchbruch geschehen!

    Zu hohen Gnaden mich gehorsamst empfehlend ersterbe in tiefster Hochverehrung ganz unterthänig

    Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehorsamster Diener Linden

    Morsbroich, den 2. Februar 1799

     

    [1] Das „m“ ist als „mille“ = tausend zu lesen.
    [2] Bittgesuch.

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