Nr. 3 – 3. 10. 1795

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 3 – 3. 10. 1795

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  • #268

    Nr. 3                                                                                                                        1795 Oktober 3

     

     

    Nachdem sich die Verhältnisse in und um Morsbroich einigermaßen beruhigt haben, gibt Linden hier einen Einblick in seine alltägliche Verwaltertätigkeit: Es geht um die nicht gezahlte Pacht des Müllers, um Holzverkäufe aus dem Waldbesitz der Deutsch-Ordens-Kommende, um Ausbesserungsarbeiten usw., schließlich erwähnt er noch die von der Düsseldorfer Regierung ausgeschriebene Kontribution.

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen, Nr. 49a

     

    Hochwürdig Hochwohlgebohrener Freyherr, Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur,
    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths-Statum 7bris anbei zur hohen Einsicht und gnädigen Vergnehmigung unthg. einzuschicken.[1]  Aus diesem werden Hochdieselben gg. entnehmen, mit welch eingezogenen Kösten, ich, ohngeachtet der Wegnahme aller vorrätigen Victualien, die Haushaltung in bestem [2] Monat bestritten – und was hingegen die Flucht ins Preußische, sodann die Plünderung des baaren Geldes, nebst den sonstigen Ausgaben weggeschlungen haben, nicht minder, was in selbigem Monath an Geld eingegangen – und was an Naturalien gelieferet worden ist.

    Die von Euer Hochwürden Exzellenz mir gnädig eröfnete Gesinnung in Betref des von dem Schlebuscher Mühle-Pächtern noch abzuführenden Ruckstandes, habe ich zwarn demselben dahin bekennt gemacht, daß er von denen vom Jahr 1793 et 94 noch rükständigen 96. Malter Korn, 36. derenselben hierhin /: um damit die Forderung des hiesigen Halfen respec. zu tilgen :/ in naturam abzulieferen – 50 Mltr. zu 12 rhr. pro Mltr. zu redimiren –  und falls ein solches binnen kurtzem befolgt werde, er sich alsdann eines ggen. Nachlasses deren übrigen 10 Malter zu erfreuen hätte. Allein dieser freche Camerada wolte meinen Worten nicht glauben er wolte den schriftlichen

    Befehl von Euer Exzellenz vorgezeigt haben, und begegnete mir seiner Gewohnheit nach sehr grob. An statt, daß
    er auf seinen Ruckstand etwas hätte ablieferen sollen, hat er so gar nicht einmahl mit Ablieferung des zur hiesigen Haushaltung notigen Brods continuiret,[3] sondern ich hab, Ausweis  des Monats Status von dem Schlebuscher Halfen noch 1 Mltr. müssen ablieferen lassen um damit der hießigen Nothdurft zu steuren!

    Da die Pachtjahren des gedn. Mullers schon mit letzt verflossenem Cathedra Petri[4] zu Ende geloffen sind, und Euer Hochw. Exzellenz des fallsige hohe Gesinnung durch dHn. Hofrathen von Welter mir kundgemacht worden ist, so habe ich solche ihm Müller durch den Gerichtsdr. legaliter insinuiren[5] laßen. Die Abschrift davon[6] geht zur hohen Einsicht hieneben. Meines untgg.-gringen Erachtens, würde es nicht undienlich seyn, wenn demselben die Mühle Pachtung aufgekündigt würde, wenigstens um zu sehen, ob derselbe nicht hierdurch, sich die Ablieferung des Pacht-Ruckstandes etwas mehr angelegen seyn lassen werde. ich submittire hierunter zu Hochdero gdgen. Entschließung unterthänig.

    Hr. Prenngruber sowohl als Hr Sindicus Dolleschall und Herr Rtmstr. Dechen riethen mir jüngsthin dahin an, dass ich, aus bevorstehender Gefahr eines Lazareth-Überfalls, das aufm Vorhofe dahier befindliche Splitterholtz, baldmöglichst und so gut ich nur könte, veräußeren mögte. ich habe also einen Theil davon nebst dreien oben Schlebusch stehenden Weidenbäumen an einen dasigen Bauersmann H. Finck, überhaupt zu 90 rhr. Spec., gegen gleich baare Zahlung, die auch schon erfolgt ist, und auf des Ankäufers Gefahr – den Überrest des Splitterholtzes aber /: dasjenige ausgenohmen, was zur hiesigen Consumption nötig ist :/ an Hn. Richter Schall und Scheffen Servos zu 26 rhr. 50 stb.verkauft. Und, da in Euer Hochw. Exzellenz hiesigen Buschen noch wenigstens an die 60. Stück abständiger Weidenbäume vorfindlich sind, deren Verkauf nach Aussage eines jeden Forstkundigen, und wie ich dann auch selbst nach genohmenem Augenschein befunden hab, nicht allein für Hochdero Interesse, weilen die Bäume von Tag zu Tag abnehmen, je ehender desto vortheilhafter – sondern auch zu besserem Aufkommen des übrigen Gehöltzes durchaus nötig ist, so werden Eüer Exzellenz keinen Anstand finden, gnädig  zu erlauben, daß ich denen sich hierum von Zeit zu Zeit meldenden Ankäuferen /: jede ohne öffentliche Versteigerung, weilen ich solche dem jetzigen Zeitpunkt gar nicht angemeßen erachte :/ mit pflichtmäßiger Beobachtung Hochdero Interesse, sothane Bäume verkäuflich überlassen dörfe.

    Mit dHn. Richter Schall ist der Euer Exzellenz bekennte Contract wegen der Verpachtung des Schlebuschrather Hauses, gg. befohlener Maaßen unterm 4n. 7bris. abgeschlossen – beiderseits unterschrieben – und gegeneinander ausgewechselt worden. – Die in besagtem Hause vorzunehmende Reparation ist wegen den dermaligen Zeit-Umständen bis herzu untergeblieben.

    Eben so ist auch die Arbeit an der Cascade, womit zwarn schon vor Ankunft der Franken angefangen war, einsweilen eingestellet worden. Vor einigen Tagen hab ich dieselbe jedoch durch den hiesigen Gärtner, unter bisweiligen Mithülf deren auf Euer Exzellenz Befehl entlassen werdenden Zimmerern, die ich teils mit guten teils mit bösen Worten dahin bringen mußte, fortsetzen lassen. Der Pächter Henrich aber wolte sich zu dieser Arbeit gar nicht anschicken.

    Die beiden Mägde, welche Euer Exzellenz ebenfalls zu dimittiren[7] sich gdg. entschlossen haben, sind wirklich diese Woche, nachdem ich ihnen den Lohn pro curr. mense 8bri.[8] ausbezahlt hatte, von hier weggezogen.

    Die Contribution ist nun wircklich für jedes Haus ausgeteilt worden, und belauft sich für Morsbroich mit Einbe-
    grif der Bürriger Gemarcken, die zu 4 rhr. angeschlagen sind, ad 10  rthlr. – für den Schlebuscher Halfen 27 r. – für den Schlangenhecker 24 r. – für den Steinbüchler 66 r. und für die Doctorsburg 26 r. Da seit einigen Tagen
    das Gerücht geht: der Friede mit Kurpfaltz würde ehestens publicirt werden so hab ich denen Halbwinneren angerathen, einsweilen nur den 4ten. Theil der Quota zu erlegen, bis dahin ein Näheres von der Regierung zu Düsseldorff, /: welche noch immer in Statu quo ist :/ würde befohlen werden.

    Auch ist jedem Eigenthümer und Pächter befohlen worden, die Morgenzahl der besitzenden Länderei, Wiesen und Buschen anzugeben. Man vermuthet, die Ursache hievon zu seyn, daß das Contributions Quantum für einenjeden desto eigentlicher bestimt werden könne. Die Contribution ist wahrlich, für  das so rein ausgeplünderte Bergische Land, das empfindsamste, und es ist fast unbegreiflich, wie solche wird entrichtet werden können, ohne alles völlig zu Grund zu richten.

    Nicht einmal der arme Gezelinus ist von den Carmagnols[9] geschont worden. Man hat ihm sein Haab und Gut genohmen, und noch oben drauf, samt seinen Bundesgenossen zerstümmelt und zerfetzt. Von solchen Schurken errette uns o Herr.

     

    Zu Euer Hochwurden Exzellenz Hohen Gnaden empfiehlt sich ganz  gehst. und erstirbt in aller Unterthänigkeit

     

    Euer Hochwurden Exzellenz untg.-treu- gehorsamster Diener Linden  mppria[10]

     

    Mbroich, d. 3ten. 8bris 1795

    [1] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [2] Besagtem.
    [3] Fortgesetzt.
    [4] Das ist der 22. Februar.
    [5] Gesetzesmäßig mitteilen.
    [6] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [7] Entlassen.
    [8] Currente mense 8bri = in dem laufenden Monat Oktober.
    [9] Abwertende Bezeichnung für Soldaten.
    [10]  Manu propria. = mit eigener Hand. Trotz dieses Hinweises handelt es sich hier um eine Abschrift.

    #686

    Nr. 3                                                                                                                        1795 Oktober 3

     

     

    Nachdem sich die Verhältnisse in und um Morsbroich einigermaßen beruhigt haben, gibt Linden hier einen Einblick in seine alltägliche Verwaltertätigkeit: Es geht um die nicht gezahlte Pacht des Müllers, um Holzverkäufe aus dem Waldbesitz der Deutsch-Ordens-Kommende, um Ausbesserungsarbeiten usw., schließlich erwähnt er noch die von der Düsseldorfer Regierung ausgeschriebene Kontribution.

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen, Nr. 49a

     

    Hochwürdig Hochwohlgebohrener Freyherr, Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur,
    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths-Statum 7bris anbei zur hohen Einsicht und gnädigen Vergnehmigung unthg. einzuschicken.[1]  Aus diesem werden Hochdieselben gg. entnehmen, mit welch eingezogenen Kösten, ich, ohngeachtet der Wegnahme aller vorrätigen Victualien, die Haushaltung in bestem [2] Monat bestritten – und was hingegen die Flucht ins Preußische, sodann die Plünderung des baaren Geldes, nebst den sonstigen Ausgaben weggeschlungen haben, nicht minder, was in selbigem Monath an Geld eingegangen – und was an Naturalien gelieferet worden ist.

    Die von Euer Hochwürden Exzellenz mir gnädig eröfnete Gesinnung in Betref des von dem Schlebuscher Mühle-Pächtern noch abzuführenden Ruckstandes, habe ich zwarn demselben dahin bekennt gemacht, daß er von denen vom Jahr 1793 et 94 noch rükständigen 96. Malter Korn, 36. derenselben hierhin /: um damit die Forderung des hiesigen Halfen respec. zu tilgen :/ in naturam abzulieferen – 50 Mltr. zu 12 rhr. pro Mltr. zu redimiren –  und falls ein solches binnen kurtzem befolgt werde, er sich alsdann eines ggen. Nachlasses deren übrigen 10 Malter zu erfreuen hätte. Allein dieser freche Camerada wolte meinen Worten nicht glauben er wolte den schriftlichen

    Befehl von Euer Exzellenz vorgezeigt haben, und begegnete mir seiner Gewohnheit nach sehr grob. An statt, daß
    er auf seinen Ruckstand etwas hätte ablieferen sollen, hat er so gar nicht einmahl mit Ablieferung des zur hiesigen Haushaltung notigen Brods continuiret,[3] sondern ich hab, Ausweis  des Monats Status von dem Schlebuscher Halfen noch 1 Mltr. müssen ablieferen lassen um damit der hießigen Nothdurft zu steuren!

    Da die Pachtjahren des gedn. Mullers schon mit letzt verflossenem Cathedra Petri[4] zu Ende geloffen sind, und Euer Hochw. Exzellenz des fallsige hohe Gesinnung durch dHn. Hofrathen von Welter mir kundgemacht worden ist, so habe ich solche ihm Müller durch den Gerichtsdr. legaliter insinuiren[5] laßen. Die Abschrift davon[6] geht zur hohen Einsicht hieneben. Meines untgg.-gringen Erachtens, würde es nicht undienlich seyn, wenn demselben die Mühle Pachtung aufgekündigt würde, wenigstens um zu sehen, ob derselbe nicht hierdurch, sich die Ablieferung des Pacht-Ruckstandes etwas mehr angelegen seyn lassen werde. ich submittire hierunter zu Hochdero gdgen. Entschließung unterthänig.

    Hr. Prenngruber sowohl als Hr Sindicus Dolleschall und Herr Rtmstr. Dechen riethen mir jüngsthin dahin an, dass ich, aus bevorstehender Gefahr eines Lazareth-Überfalls, das aufm Vorhofe dahier befindliche Splitterholtz, baldmöglichst und so gut ich nur könte, veräußeren mögte. ich habe also einen Theil davon nebst dreien oben Schlebusch stehenden Weidenbäumen an einen dasigen Bauersmann H. Finck, überhaupt zu 90 rhr. Spec., gegen gleich baare Zahlung, die auch schon erfolgt ist, und auf des Ankäufers Gefahr – den Überrest des Splitterholtzes aber /: dasjenige ausgenohmen, was zur hiesigen Consumption nötig ist :/ an Hn. Richter Schall und Scheffen Servos zu 26 rhr. 50 stb.verkauft. Und, da in Euer Hochw. Exzellenz hiesigen Buschen noch wenigstens an die 60. Stück abständiger Weidenbäume vorfindlich sind, deren Verkauf nach Aussage eines jeden Forstkundigen, und wie ich dann auch selbst nach genohmenem Augenschein befunden hab, nicht allein für Hochdero Interesse, weilen die Bäume von Tag zu Tag abnehmen, je ehender desto vortheilhafter – sondern auch zu besserem Aufkommen des übrigen Gehöltzes durchaus nötig ist, so werden Eüer Exzellenz keinen Anstand finden, gnädig  zu erlauben, daß ich denen sich hierum von Zeit zu Zeit meldenden Ankäuferen /: jede ohne öffentliche Versteigerung, weilen ich solche dem jetzigen Zeitpunkt gar nicht angemeßen erachte :/ mit pflichtmäßiger Beobachtung Hochdero Interesse, sothane Bäume verkäuflich überlassen dörfe.

    Mit dHn. Richter Schall ist der Euer Exzellenz bekennte Contract wegen der Verpachtung des Schlebuschrather Hauses, gg. befohlener Maaßen unterm 4n. 7bris. abgeschlossen – beiderseits unterschrieben – und gegeneinander ausgewechselt worden. – Die in besagtem Hause vorzunehmende Reparation ist wegen den dermaligen Zeit-Umständen bis herzu untergeblieben.

    Eben so ist auch die Arbeit an der Cascade, womit zwarn schon vor Ankunft der Franken angefangen war, einsweilen eingestellet worden. Vor einigen Tagen hab ich dieselbe jedoch durch den hiesigen Gärtner, unter bisweiligen Mithülf deren auf Euer Exzellenz Befehl entlassen werdenden Zimmerern, die ich teils mit guten teils mit bösen Worten dahin bringen mußte, fortsetzen lassen. Der Pächter Henrich aber wolte sich zu dieser Arbeit gar nicht anschicken.

    Die beiden Mägde, welche Euer Exzellenz ebenfalls zu dimittiren[7] sich gdg. entschlossen haben, sind wirklich diese Woche, nachdem ich ihnen den Lohn pro curr. mense 8bri.[8] ausbezahlt hatte, von hier weggezogen.

    Die Contribution ist nun wircklich für jedes Haus ausgeteilt worden, und belauft sich für Morsbroich mit Einbe-
    grif der Bürriger Gemarcken, die zu 4 rhr. angeschlagen sind, ad 10  rthlr. – für den Schlebuscher Halfen 27 r. – für den Schlangenhecker 24 r. – für den Steinbüchler 66 r. und für die Doctorsburg 26 r. Da seit einigen Tagen
    das Gerücht geht: der Friede mit Kurpfaltz würde ehestens publicirt werden so hab ich denen Halbwinneren angerathen, einsweilen nur den 4ten. Theil der Quota zu erlegen, bis dahin ein Näheres von der Regierung zu Düsseldorff, /: welche noch immer in Statu quo ist :/ würde befohlen werden.

    Auch ist jedem Eigenthümer und Pächter befohlen worden, die Morgenzahl der besitzenden Länderei, Wiesen und Buschen anzugeben. Man vermuthet, die Ursache hievon zu seyn, daß das Contributions Quantum für einenjeden desto eigentlicher bestimt werden könne. Die Contribution ist wahrlich, für  das so rein ausgeplünderte Bergische Land, das empfindsamste, und es ist fast unbegreiflich, wie solche wird entrichtet werden können, ohne alles völlig zu Grund zu richten.

    Nicht einmal der arme Gezelinus ist von den Carmagnols[9] geschont worden. Man hat ihm sein Haab und Gut genohmen, und noch oben drauf, samt seinen Bundesgenossen zerstümmelt und zerfetzt. Von solchen Schurken errette uns o Herr.

     

    Zu Euer Hochwurden Exzellenz Hohen Gnaden empfiehlt sich ganz  gehst. und erstirbt in aller Unterthänigkeit

     

    Euer Hochwurden Exzellenz untg.-treu- gehorsamster Diener Linden  mppria[10]

     

    Mbroich, d. 3ten. 8bris 1795

    [1] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [2] Besagtem.
    [3] Fortgesetzt.
    [4] Das ist der 22. Februar.
    [5] Gesetzesmäßig mitteilen.
    [6] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [7] Entlassen.
    [8] Currente mense 8bri = in dem laufenden Monat Oktober.
    [9] Abwertende Bezeichnung für Soldaten.
    [10]  Manu propria. = mit eigener Hand. Trotz dieses Hinweises handelt es sich hier um eine Abschrift.

    #690

    Nr. 3                                                                                                                        1795 Oktober 3

     

     

    Nachdem sich die Verhältnisse in und um Morsbroich einigermaßen beruhigt haben, gibt Linden hier einen Einblick in seine alltägliche Verwaltertätigkeit: Es geht um die nicht gezahlte Pacht des Müllers, um Holzverkäufe aus dem Waldbesitz der Deutsch-Ordens-Kommende, um Ausbesserungsarbeiten usw., schließlich erwähnt er noch die von der Düsseldorfer Regierung ausgeschriebene Kontribution.

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen, Nr. 49a

     

    Hochwürdig Hochwohlgebohrener Freyherr, Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur,
    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths-Statum 7bris anbei zur hohen Einsicht und gnädigen Vergnehmigung unthg. einzuschicken.[1]  Aus diesem werden Hochdieselben gg. entnehmen, mit welch eingezogenen Kösten, ich, ohngeachtet der Wegnahme aller vorrätigen Victualien, die Haushaltung in bestem [2] Monat bestritten – und was hingegen die Flucht ins Preußische, sodann die Plünderung des baaren Geldes, nebst den sonstigen Ausgaben weggeschlungen haben, nicht minder, was in selbigem Monath an Geld eingegangen – und was an Naturalien gelieferet worden ist.

    Die von Euer Hochwürden Exzellenz mir gnädig eröfnete Gesinnung in Betref des von dem Schlebuscher Mühle-Pächtern noch abzuführenden Rückstandes, habe ich zwarn demselben dahin bekennt gemacht, daß er von denen vom Jahr 1793 et 94 noch rückständigen 96. Malter Korn, 36. derenselben hierhin /: um damit die Forderung des hiesigen Halfen respec. zu tilgen :/ in naturam abzulieferen – 50 Mltr. zu 12 rhr. pro Mltr. zu redimiren [einlösen]–  und falls ein solches binnen kurtzem befolgt werde, er sich alsdann eines ggen. Nachlasses deren übrigen 10 Malter zu erfreuen hätte. Allein dieser freche Camerada wolte meinen Worten nicht glauben er wolte den schriftlichen

    Befehl von Euer Exzellenz vorgezeigt haben, und begegnete mir seiner Gewohnheit nach sehr grob. An statt, daß
    er auf seinen Rückstand etwas hätte ablieferen sollen, hat er so gar nicht einmahl mit Ablieferung des zur hiesigen Haushaltung notigen Brods continuiret,[3] sondern ich hab, Ausweis  des Monats Status von dem Schlebuscher Halfen noch 1 Mltr. müssen ablieferen lassen um damit der hießigen Nothdurft zu steuren!

    Da die Pachtjahren des gedn. Müllers schon mit letzt verflossenem Cathedra Petri[4] zu Ende geloffen[geloffen oder gelassen???] sind, und Euer Hochw. Exzellenz des fallsige hohe Gesinnung durch dHn. Hofrathen von Welter mir kundgemacht worden ist, so habe ich solche ihm Müller durch den Gerichtsdr. legaliter insinuiren[5] laßen. Die Abschrift davon[6] geht zur hohen Einsicht hieneben. Meines untgg.-geringen Erachtens, würde es nicht undienlich seyn, wenn demselben die Mühle Pachtung aufgekündigt würde, wenigstens um zu sehen, ob derselbe nicht hierdurch, sich die Ablieferung des Pacht-Rückstandes etwas mehr angelegen seyn lassen werde. ich submittire hierunter zu Hochdero gdgen. Entschließung unterthänig.

    Hr. Prenngruber sowohl als Hr Sindicus Dolleschall und Herr Rtmstr. Dechen riethen mir jüngsthin dahin an, dass ich, aus bevorstehender Gefahr eines Lazareth-Überfalls, das aufm Vorhofe dahier befindliche Splitterholtz, baldmöglichst und so gut ich nur könte, veräußeren mögte. ich habe also einen Theil davon nebst dreien oben Schlebusch stehenden Weidenbäumen an einen dasigen Bauersmann H. Finck, überhaupt zu 90 rhr. Spec., gegen gleich baare Zahlung, die auch schon erfolgt ist, und auf des Ankäufers Gefahr – den Überrest des Splitterholtzes aber /: dasjenige ausgenohmen, was zur hiesigen Consumption nötig ist :/ an Hn. Richter Schall und Scheffen Servos zu 26 rhr. 50 stb.verkauft. Und, da in Euer Hochw. Exzellenz hiesigen Buschen noch wenigstens an die 60. Stück abständiger Weidenbäume vorfindlich sind, deren Verkauf nach Aussage eines jeden Forstkundigen, und wie ich dann auch selbst nach genohmenem Augenschein befunden hab, nicht allein für Hochdero Interesse, weilen die Bäume von Tag zu Tag abnehmen, je ehender desto vortheilhafter – sondern auch zu besserem Aufkommen des übrigen Gehöltzes durchaus nötig ist, so werden Eüer Exzellenz keinen Anstand finden, gnädig  zu erlauben, daß ich denen sich hierum von Zeit zu Zeit meldenden Ankäuferen /: jede ohne öffentliche Versteigerung, weilen ich solche dem jetzigen Zeitpunkt gar nicht angemeßen erachte :/ mit pflichtmäßiger Beobachtung Hochdero Interesse, sothane Bäume verkäuflich überlassen dörfe.

    Mit dHn. Richter Schall ist der Euer Exzellenz bekennte Contract wegen der Verpachtung des Schlebuschrather Hauses, gg. befohlener Maaßen unterm 4n. 7bris. abgeschlossen – beiderseits unterschrieben – und gegeneinander ausgewechselt worden. – Die in besagtem Hause vorzunehmende Reparation ist wegen den dermaligen Zeit-Umständen bis herzu untergeblieben.

    Eben so ist auch die Arbeit an der Cascade, womit zwarn schon vor Ankunft der Franken angefangen war, einsweilen eingestellet worden. Vor einigen Tagen hab ich dieselbe jedoch durch den hiesigen Gärtner, unter bisweiligen Mithülf deren auf Euer Exzellenz Befehl entlassen werdenden Zimmerern, die ich teils mit guten teils mit bösen Worten dahin bringen mußte, fortsetzen lassen. Der Pächter Henrich aber wolte sich zu dieser Arbeit gar nicht anschicken.

    Die beiden Mägde, welche Euer Exzellenz ebenfalls zu dimittiren[7] sich gdg. entschlossen haben, sind wirklich diese Woche, nachdem ich ihnen den Lohn pro curr. mense 8bri.[8] ausbezahlt hatte, von hier weggezogen.

    Die Contribution ist nun wircklich für jedes Haus ausgeteilt worden, und belauft sich für Morsbroich mit Einbe-
    grif der Bürriger Gemarcken, die zu 4 rhr. angeschlagen sind, ad 10  rthlr. – für den Schlebuscher Halfen 27 r. – für den Schlangenhecker 24 r. – für den Steinbüchler 66 r. und für die Doctorsburg 26 r. Da seit einigen Tagen
    das Gerücht geht: der Friede mit Kurpfaltz würde ehestens publicirt werden so hab ich denen Halbwinneren angerathen, einsweilen nur den 4ten. Theil der Quota zu erlegen, bis dahin ein Näheres von der Regierung zu Düsseldorff, /: welche noch immer in Statu quo [bestehendem Zustand] ist :/ würde befohlen werden.

    Auch ist jedem Eigenthümer und Pächter befohlen worden, die Morgenzahl der besitzenden Länderei, Wiesen und Buschen anzugeben. Man vermuthet, die Ursache hievon zu seyn, daß das Contributions Quantum für einenjeden desto eigentlicher bestimt werden könne. Die Contribution ist wahrlich, für  das so rein ausgeplünderte Bergische Land, das empfindsamste, und es ist fast unbegreiflich, wie solche wird entrichtet werden können, ohne alles völlig zu Grund zu richten.

    Nicht einmal der arme Gezelinus ist von den Carmagnols[9] geschont worden. Man hat ihm sein Haab und Gut genohmen, und noch oben drauf, samt seinen Bundesgenossen zerstümmelt und zerfetzt. Von solchen Schurken errette uns o Herr.

     

    Zu Euer Hochwurden Exzellenz Hohen Gnaden empfiehlt sich ganz  gehst. und erstirbt in aller Unterthänigkeit

     

    Euer Hochwurden Exzellenz untg.-treu- gehorsamster Diener Linden  mppria[10]

     

    Mbroich, d. 3ten. 8bris 1795

    [1] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [2] Besagtem.
    [3] Fortgesetzt.
    [4] Das ist der 22. Februar.
    [5] Gesetzesmäßig mitteilen.
    [6] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [7] Entlassen.
    [8] Currente mense 8bri = in dem laufenden Monat Oktober.
    [9] Abwertende Bezeichnung für Soldaten.
    [10]  Manu propria. = mit eigener Hand. Trotz dieses Hinweises handelt es sich hier um eine Abschrift.

    #732

    Letzte Fassung!

     

     

    Nr. 3                                                                                                                        1795 Oktober 3

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St Katharinen, Nr. 49a

     

    Nachdem sich die Verhältnisse in und um Morsbroich einigermaßen beruhigt haben, gibt Linden hier einen Einblick in seine alltägliche Verwaltertätigkeit: Es geht um die nicht gezahlte Pacht des Müllers, um Holzverkäufe aus dem Waldbesitz der Deutsch-Ordens-Kommende, um Ausbesserungsarbeiten usw., schließlich erwähnt er noch die von der Düsseldorfer Regierung ausgeschriebene Kontribution.

     

     

    Hochwürdig Hochwohlgebohrener Freyherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkommenthur,
    Hochgebietend-gnädiger Herr!

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade, den Monaths-Statum 7bris anbei zur hohen Einsicht und gnädigen Vergnehmigung unthg. einzuschicken.[1] Aus diesem werden Hochdieselben gg. entnehmen, mit welch eingezogenen Kösten, ich ohngeachtet der Wegnahme aller vorrätigen Victualien die Haushaltung in bestem[2] Monat bestritten – und was hingegen die Flucht ins Preußische, sodann die Plünderung des baaren Geldes, nebst den sonstigen Ausgaben weggeschlungen haben, nicht minder, was in selbigem Monath an Geld eingegangen – und was an Naturalien gelieferet worden ist. Die von Euer Hochwürden Exzellenz mir gnädig eröfnete Gesinnung in Betref des von dem Schlebuscher Mühlepächtern noch abzuführenden Ruckstandes, habe ich zwarn demselben dahin bekennt gemacht, daß er von denen vom Jahr 1793 et 94 noch rükständigen 96. Malter Korn, 36. derenselben hierhin /: um damit die Forderung des hiesigen Halfen respec. zu tilgen :/ in naturam abzulieferen 50 Mltr. zu 12 rhr. pro Mltr. zu redimiren und falls ein solches binnen kurtzem befolgt werde, er sich alsdann eines ggen. Nachlasses deren übrigen 10 Malter zu erfreuen hätte. Allein dieser freche Camerada wolte meinen Worten nicht glauben er wolte den schriftlichen Befehl von Euer Exzellenz vorgezeigt haben, und begegnete mir seiner Gewohnheit nach sehr grob. An statt, daß er auf seinen Ruckstand etwas hätte ablieferen sollen, hat er so gar nicht einmahl mit Ablieferung des zur hiesigen Haushaltung notigen Brods continuiret,[3] sondern ich hab, Ausweis des Monats Status von dem Schlebuscher Halfen noch 1 Mltr. müssen ablieferen lassen, um damit der hiesigen Nothdurft zu steuren! Da die Pachtjahren des gedn. Mullers schon mit letzt verflossenem Cathedra Petri[4] zu Ende geloffen sind und Euer Hochw. Exzellenz des fallsige hohe Gesinnung durch dHn. Hofrathen von Welter mir kundgemacht worden ist, so habe ich solche ihm Müller durch den Gerichtsdr. legaliter insinuiren[5] lassen. Die Abschrift davon[6] geht zur hohen Einsicht hieneben. Meines untgg.-gringen Erachtens würde es nicht undienlich seyn, wenn demselben die Mühlepachtung aufgekündigt würde, wenigstens um zu sehen, ob derselbe nicht hierdurch  sich die Ablieferung des Pacht-Ruckstandes etwas mehr angelegen seyn lassen werde. Ich submittire[7] hierunter zu Hochdero gdgen. Entschließung unterthänig. Hr. Prenngruber sowohl als Hr Sindicus Dolleschall und Herr Rtmstr. Dechen riethen mir jüngsthin dahin an, dass ich aus bevorstehender Gefahr eines Lazareth-Überfalls das aufm Vorhofe dahier befindliche Splitterholtz baldmöglichst und so gut ich nur könte, veräußeren mögte. Ich habe also einen Theil davon nebst dreien ober Schlebusch stehenden Weidenbäumen an einen dasigen Bauersmann H. Finck überhaupt zu 90 rhr. Spec. gegen gleich baare Zahlung, die auch schon erfolgt ist, und auf des Ankäufers Gefahr  den Überrest des Splitterholtzes aber /: dasjenige ausgenohmen, was zur hiesigen Consumption nötig ist :/ an Hn. Richter Schall und Scheffen Servos zu 26 rhr. 50 stb. verkauft. Und da in Euer Hochw. Exzellenz hiesigen Buschen noch wenigstens an die 60. Stück  abständiger Weidenbäume vorfindlich sind, deren Verkauf nach Aussage eines jeden Forstkundigen und wie ich dann auch selbst nach genohmenem Augenschein befunden hab, nicht allein für Hochdero Interesse, weilen die Bäume von Tag zu Tag abnehmen, je ehender desto vortheilhafter, sondern auch zu besserem Aufkommen des übrigen Gehöltzes durchaus nötig ist, so werden Euer Exzellenz keinen Anstand finden, gnädig zu erlauben, daß ich denen sich hierum von Zeit zu Zeit meldenden Ankäuferen /: jede ohne öffentliche Versteigerung, weilen ich solche dem jetzigen Zeitpunkt gar nicht angemessen erachte :/ mit pflichtmäßiger Beobachtung Hochdero Interesse sothane Bäume verkäuflich überlassen dörfe. Mit dHn. Richter Schall ist der Euer Exzellenz bekennte Contract wegen der Verpachtung des Schlebuschrather Hauses gg. befohlener Maaßen unterm 4n. 7bris. Abgeschlossen, beiderseits unterschrieben und gegeneinander ausgewechselt worden. Die in besagtem Hause vorzunehmende Reparation ist wegen den dermaligen Zeitumständen bis herzu untergeblieben. Ebenso ist auch die Arbeit an der Cascade, womit zwarn schon vor Ankunft der Franken angefangen war, einsweilen eingestellet worden. Vor einigen Tagen hab ich dieselbe jedoch durch den hiesigen Gärtner unter bisweiligen Mithülf deren auf Euer Exzellenz Befehl entlassen werdenden Zimmerern, die ich teils mit guten teils mit bösen Worten dahin bringen musste, fortsetzen lassen. Der Pächter Henrich aber wolte sich zu dieser Arbeit gar nicht anschicken. Die beiden Mägde, welche Euer Exzellenz ebenfalls zu dimittiren[8] sich gdg. entschlossen haben, sind wirklich diese Woche, nachdem ich ihnen den Lohn pro curr. mense 8bri.[9] ausbezahlt hatte, von hier weggezogen. Die Contribution ist nun wircklich für jedes Haus ausgeteilt worden, und belauft sich für Morsbroich mit Einbegrif der Bürriger Gemarcken, die zu 4 rhr. angeschlagen sind, ad 10  rthlr. – für den Schlebuscher Halfen 27 r. – für den Schlangenhecker 24 r. – für den Steinbüchler 66 r. und für die Doctorsburg 26 r. Da seit einigen Tagen das Gerücht geht: der Friede mit Kurpfaltz würde ehestens publicirt werden, so hab ich denen Halbwinneren angerathen, einsweilen nur den 4ten. Theil der Quota zu erlegen, bis dahin ein Näheres von der Regierung zu Düsseldorff, /: welche noch immer in Statu quo ist :/ würde befohlen werden. Auch ist jedem Eigenthümer und Pächter befohlen worden, die Morgenzahl der besitzenden Länderei, Wiesen und Buschen anzugeben. Man vermuthet, die Ursache hievon zu seyn, daß das Contributions Quantum für einenjeden desto eigentlicher bestimt werden könne. Die Contribution ist wahrlich, für  das so rein ausgeplünderte Bergische Land, das empfindsamste, und es ist fast unbegreiflich, wie solche wird entrichtet werden können, ohne alles völlig zu Grund zu richten. Nicht einmal der arme Gezelinus ist von den Carmagnols[10] geschont worden. Man hat ihm sein Haab und Gut genohmen und noch oben drauf, samt seinen Bundesgenossen zerstümmelt und zerfetzt. Von solchen Schurken errette uns o Herr.

     

    Zu Euer Hochwurden Exzellenz Hohen Gnaden empfiehlt sich ganz  gehst. und erstirbt in aller Unterthänigkeit

     

    Euer Hochwurden Exzellenz untg.-treu- gehorsamster Diener Linden  mppria[11]

     

    Mbroich, d. 3ten. 8bris 1795

     

    [1] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [2] Besagtem.
    [3] Fortgesetzt.
    [4] Das ist der 22. Februar.
    [5] Gesetzesmäßig mitteilen.
    [6] Am Rand ein Anlagenhinweis.
    [7] Jemanden für etwas vorschlagen.
    [8] Entlassen.
    [9] Currente mense 8bri = in dem laufenden Monat Oktober.
    [10] Abwertende Bezeichnung für Soldaten.
    [11] Manu propria. = mit eigener Hand. Trotz dieses Hinweises handelt es sich hier um eine Abschrift.

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