Nr. 7 – 18. 12. 1795

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 7 – 18. 12. 1795

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    Nr. 7                                                                                                             1795 Dezember 18

     

     

    In diesem Brief berichtet Linden, dass die Holzanteile aus den Schlebuscher Wäldern an die Waldgenossenschaft der Umgebung verteilt wurden. Da die französischen Truppen schwere Verwüstungen in den umgebenen Wäldern verursacht haben, bemüht sich Linden um die Erlaubnis des Forstinspektors,  die Wälder mit Gewehren zu schützen. In einer Nachschrift vom selben Tage  berichtet Linden dann von militärischen Ereignissen im Umkreis von Düsseldorf, Opladen und Bensberg.

     

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgeborener Freiherr, Insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur,

    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

     

    Eüer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade hiemit unterthänig zu berichten, daß gestern die Schlebuscher Gemarken Waldungen gewöhnlicher Maßen ausgewießen, das ist, jedem Beerbten[1] sein Maal, wo er für dies jahr seinen Holtz antheil zu empfangen hat, nach vorheriger des fallsigen Verloosung, durch die Förster angewießen- und dießemnach das gebräuchliche Busch-Eßen[2] gehalten worden seie. Hr. Dinger Schall, welcher /: wie Eüer Exzellenz bekänt ist :/ von Hochdero seeln.  Herrn Vorfahrer requirirt[3] worden, der Gemarckenschaft einsweilen, bis dahin ein neüer Gewaldschulteis[4] angeordnet, Vor- und Beistand zu leisten, fande sich auch hiebei ein, so wie dann auch ich, auf Ersuchen besten.[5] Hn. Dingers, dabei miterschiene. Bei dießer Gelegenheit, machte ich zwar den Vorschlag, daß das, auf Befehl des Forst Inspekteürs Emmerich,  jüngsthin auf sotaner Gemarcke verfertigte Klafterholtz zu Verhütung deren Diebereien, aus dem Busch an ein drittes Ort in Sicherheit gebracht würde, allein die Förstere und übrige Gemarcken-Beerbten bestunden /: Einwendens ohngehindert, daß beim nochmaligen Vorrucken der franzöß. Armée auch wieder neües Klafterholtz würde verfertigt werden müßen, somit die Waldungen täglich mehr und mehr zu grund gerichtet würden :/ platterdings beim Verkauf deren wirklich gefertigten 21 Klafteren; Hr. Dinger ware zwarn auch mit meiner Meinung einstimmig, allein die Förstere und Beerbten schalten dermalen theils wegen Abwesenheit des Hn. Dingers, theils aus Mangel eines Gewaldeschulteis, deßen baldige Anordnung so wohl zu conserviren als beßeren bepflanzen der Gemarken-Buschen höchst nötig ist, schalten nach eigenem Wohlgefallen.

    Wie ehedem gebraüchlich, wurden auch diesmal zu Bestreitung deren Busch-Eßens-Kösten, plus offerentibus [6], unter die anwesenden Beerbten 3. hierzu ausgesetzte Eichen, und zwarn eine zu 5- eine zu 7- und  die 3e. zu 8 rhr. verkauft.

    Auf sotaner Gemarke hat ein zeitlr.[7] Gewaldsschuldeis jährlichs den Holtz-Genus von einer Gewald. Hr. Dinger dörfte wohl auf den Gedancken verfallen, sich dießen Genus zueignen zu wollen; wie ich in dießem falle mich zu benehmen habe, hab ich hiemit unthg. anfragen- und zugleich vernehmen sollen, ob es nicht dienlich seyn dörfte, sotane Raten einsweilen ad locum tertium [8] hinführen zu laßen, und demnechst den des falls, beim nechsten Waldgeding, von denen Versammleten Gewaldsherren zu faßenden Entschluß abzuwarten.

    Wie hoch eigentlich Eüer Hochwürden Exzellenz diesjähriger Holtz-Antheil auf denen Schlebuscher- so wie auch auf denen nechstens auszuweisenden Bürricher Gemarcken sich belaufen wird, werde in meinem nähern untgen. Berichte anzuzeigen die Gnade haben.

    Wie Hr. Dinger Schall /: der erst gestern die Verwüstung in seiner Behausung einmal beaugenscheinigt- sich aber auch schon wieder absentiret hat :/ mir sagte, werden die meisten Gemarken-Rechnungen und sonstige Briefschaften, diewelche in Händen des hießigen Hn. Pastorn als Executorn testamenti[9] des seeln. Hn. Vicarius Brewer, beruhet haben, bei den franzößischen Unruhen theils zerrißen theils weggenohmen worden seyn – Auch ist im Schreibzimer des Hn. Schall, durch Unvorsichtigkeit der Domestiquen ein, dem Ofen zunechst gestandener Korb mit verschiedenen wichtigen Papieren in Brand gerathen; zum Glück fürs Hauß wurde der Brand jedoch noch frühzeitig wahrgenohmen; Ein theil des höltzernen bekleids ware indeßen schon weggebrennet. Hr. Schall hat einsweilen die dasige Haushaltung gänzlich aufgehoben, und nur einen Knecht daselbst zurückgelaßen. Er befindt sich mit seiner Famille, weiter hinauf im Bergischen, bald hie bald da.

    Ewer Hochwürden Exzellenz Hochverehrlichen 3. Schreiben, nehmlich eins vom 7n- und eins vom 21n. vorigen Monats, sodann eines vom 1n. dießes, hatte ich gestern ererst[10] die Gnade, durch die Oplader Post-Expedition, zugleich zu erhalten; auch liefe miteins noch ein Schreiben des Hn. Landkommenthurs /tit/ Grafen von Kaunitz aus Agram dto.den 3n. Xbris 1794 unter Addresse des Hochseeln.  Hn. v. Roll, den Aufenthalt Hochdesselben auf der Comende Welheim[11] betreffend, ein. Und heüte erst erhielte Eüer Exzellenz gges. Schreiben vom 13n. 8bris durch die Post von Mühlheim. Hochdieselben ersehen hieraus gdg. den dermalig-sehr unrichtigen Postenlauf.

    Ganz bestürtzt muste aus Ewer Hochwürden Exzellenz Gnädigem Schreiben vom 1ten. dießes entnehmen, daß Hochdero gge. Absichten, die Entlaßung der hießigen Dienerschaft[12],  ich verfehlet habe. Gewis nie würde ich mir nur den Schatten eines Gedankens hievon, ich geschweige, der That selbst, haben einfallen laßen, wenn ich mich nicht vollkommen überzeügt geglaubt hätte, daß ich dadurch, die von Ewer Hochwürden Exzellenz einer mir so münd- als schriftlich offenbarte gnädige Entschließung schuldigst in Vollzug gesetzt hätte. Hätte ich nur den mindesten Zweifel hierunter geschöpft, so würde Hochdero Gnädige Erleüterung ich mir gewis zuvordrist untg. ausgebeten – und die Gnädige Entscheidung darüber schuldigst abgewartet haben. Und da ich auch noch einige Täge vor der Entlaßung, den Hn. Hofrathen von Welter über den 5n . der mir gnädig erteilten Instruction, in puncto der auszuzalenden Löhnen besprache, von dießem aber auch nichts weniger zu vernehmen hatte, als daß Ewer Hochwürden Exzellenz Gnädige Willens Meinung in betref der Entlaßung anderswohin gezielet haben sollte, so bitte ich hiemit ganz

    unterthänig, daß Hochdieselben mir hierunter in nichts zu Last kommen zu laßen die Hohe Gnade haben wollen. Was Ewer Hochwürden Exzellenz, statt der bisherigen dahießigen Haushaltung, für die Zukunft an Köstgeld, fort an Lohn und Pension zu bestimmen die Gnade gehabt haben hierüber hab bis herzu von dem Hn. Hofrath von Welter, wegen gehemmter Rhein Passage, nichts erfahren können, durch eine sich morgen ereignende Gelegenheit, werde ich denselben um die Bekantmachung der von Ewer Hochwürden Exzellenz desfalls gnädig genommenen Entschlußes zu meiner untgen Benehmung schriftlich belangen, auch demselben Hochdero Gnädigen Befehl, daß der Bediente Joseph /: weßen Aufenthalts Ort ihme Hn. Hofrathe vernuthlich bewust seyn wird:/ an die Stelle des in der Landkommende abgehenden Pförtners Hermann anzuordnen seie und desselben Verrichtungen einsweilen zu versehen habe, miteins bekannt machen.

    Den Verkauf deren Weidenbäumen belangend habe ich die Gnade andurch unthg. zu bemercken, wie ich mich dießerthalben zuvordrist mit dHn. Rentmeistern Dechen besprochen hatte und da auch dießer der Meinung ware, daß derenselben einige, von Zeit zu Zeit, bestthunlichst zu veraüßeren seyen, so fuhre ich mit dem Verkauf unthg. einberichteter Maßen bis herzu fort. – Die Vermuthung, daß bei dereinst wieder eröfneter Communication mit der andern Rheinseite der Holtz-Preis höher ausfallen dörfte, ist zwarn eben so gegrundet, alß richtig es ist, daß bei allenfalls ferner vorkommenden Holtz Requisitionen das Weidenholtz denenselben so leicht nicht exponiret ist. In dem unverhoften Falle aber, daß die franzößische Armée nochmal vorrucken und sich in der Nähe Ewer Exzellenz Waldungen lageren würde, würde  keine Schonung statt haben. Ein trauriges Beispiel hievon sieht man an einem Theil deren Dünnwalder Buschen, wo die schönsten Eichen und Boichen abgehauen- und über Kreuz und quer übereinander ligen.

    Ewer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens die Gnade zu versicheren, daß zu Conservirung Hochdero Waldungen ich gewis keine Mühe spare. Um solche gegen die dermalig-haüfigen Holtz Diebereien desto beßer schützen zu können, erwirckte ich jüngst bei Hn. Forst-Inspekteür Emmerich die nötigen Päße um ohngestörter die Buschen mit denen Gewehren betretten zu dörfen. Was aber die dermalig-Richterliche Bestrafung deren Busch-Frevleren betrift, ist der gegenwärtige Zeitpunkt hierzu wohl nicht schicklich. Die neüerliche Affaire zu Sohlingen, wobei dem dortigen Beamten sein schönes Hauß von den Bauren bis auf den Grund niedergerißen wurde, ist ein frisches Beispiel des jetzigen Bauren Muthwills,  ich finde es dahero unthg. ohnmaasgebig für gut, die Bestrafung deren ertapt werdenden Holtz-Dieben, bis zur Zeit der Ruhe, ausgestellt seyn zu laßen.

    Eine neüe, der erstern ohngefehr ähnliche, Contribution ist nicht nur wircklich ausgeschrieben, sonderen auch die baldige Abtragung derselben unter militaerischen Executionsstrafe, von den Kanzlen schon verkündet worden. Eüer Hochwürden Exzellenz dahießigen Halbwinnern stelleten mir die platte

    Unmöglichkeit in Entrichtung derselben vor. In dießer Hinsicht, und weilen der in meinen Händen noch beruhende Vorrath zu Bestreitung des Ganzen, nicht hinreichend, auch dermalen ich, wegen gehemmter Rhein-Passage, bei Hn. Hofrathen v. Welter und Hn. Rtmsten. Dechen keine Gelder, zu dießem Ende, erheben kann verkaufte ich, um auf jeden fall vorbereitet zu seyn, vorgestern an einen Mann aus Deütz ferner 6 abständige Weidenbaüm pro stuck zu 2 Carolins, einem Preiße, der auch bei einer öffentlichen Versteigerung nicht höher ausgefallen seyn würde. Gleichwie aber Ewer Hochwürden Exzellenz

    Gnädiges Schreiben vom 21n. 9bris, mit den ferneren Verkäufen gänzlich einzuhalten, mir anbefiehlt, so machte ich dießen Gnädigen Entschluß dem Ankaüfer gleich bekannt. Derselbe stunde auch um so lieber von dem Kauf ab, alß er die Weiden allzu theur an sich erhandlet hatte. Solte nun ich die Halbwinnern zum

    Abtrag des Contributions-Quanti nicht vermögen können, und dieselbe ohne Pardon entrichtet werden müßen, so werde ich den Überrest aus dem Meinigen abführen. Indeßen werde ich das Aüßerste abwarten, und so lang es nur thunlich, mit der Entrichtung zauderen. Nebst Abbezug auf meinen untgen. Bericht vom 2n. dieses, empfehle Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen  Hulden und Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefesten Hochverehrung

     

    Morsbroich den 18n. Xbris 1795.

    Ewer Hochwürden Exzellenz unterthänig treü gehster. Diener Linden

     

    N:S: Unsere Lage ist und bleibt noch immer bedenklich, unruhig, und noch sehr zweifelhaft, ob die Erlösung bald erfolgen werde. Die Franzoßen laßen noch unaufhörlich an Verschanzungen vor Düßeldorf arbeiten, ihre Patroullen durchstreifen noch fast täglich die hießige Nachbarschaft, betragen sich indeßen, noch zur Zeit, etwas beßer, wie die vorigen, und sind meistens Deütsche. Vor ein paar Tägen machten sie bei Opladen, durch Verrätherei der Bauren, 4 kaiserle.  Hußaren zu Gefangenen, und heüte Nachmittag, da man an nichts weniger als an Franzoßen dachte, sahe man deren eine starcke Patroulle von mehr als 100 Mann dahier vorbei- und zwarn nacher Bensberg zu reiten. Ein daselbst stehendes kaiserl Piquet von 60. Mann Rohanscher Hußaren wurde garstig aufgehoben. gegen 6 Uhr abends kamen die Franzoßen dahin, der das Comando habende Officier ware bei einem Schmauß, die Gemeinen in ihren Quartiers, und 36 pferde standen abgesattelter in den Stallungen des neüen Schloßes. Schon ehe die Kaiserln. einmal wusten, daß der Feind da seie, hatte dieser die 36 Pferde wirklich zur Beüte – und einen Mann zum Gefangenen

    gemacht. Der dasige Hr. Oberschulteis Daniels muste, nachdeme sie ihm zu vordrist seine Sackuhre abgenommen hatten, bis nacher Paffrath, eine Stunde von Bensberg, vorreiten. Sie kamen nun gegen 8 Uhr abends mit dießer Beüte, sodann mit einer in Schlebusch weggenommenen Karrig mit Haaber /: wo selbst sie auch noch 5. Kronthlr. von dasigem Scheffen erpreßt hatten:/ wieder hier vorbei und ritten ruhig nacher Benrath, woselbst noch immer ihre Vorposten stehen, zuruck. Das weitere steht nun zu erwarten.

    Vor einem abermaligen Vorrücken der Armée ist man wieder in Besorgnis, um so mehr als sich heüte auch wieder 100 Mann Infanterie in Opladen haben sehen laßen. Alles flüchtet schon wieder über Hals und Kopf. Großer Gott! Wann wird doch einmal des Elends ein Ende seyn? ich ersterbe ut in litt.

     

    Soeben komt die Frau des Reitknechts Wilhelm, zu mir, um  sich ihres Manns halber zu erkundigen. Sie ist nur begierig, zu vernehmen, daß dießer /: so wie sie und die ihrigen:/ sich noch immer bei gutem Wohlsein befinde.

    Eben auch mögte der hießige Friseur Hermann gern wißen, ob die für Euer Exzellenz verfertigte unter Hochdero Addresse nacher Mergentheim abgeschickte Peruque richtig angekommen seie.

    [1] Erbe einer Markgenossenschaft oder Holzungs- oder Waldgemeinschaft.
    [2] Eingefügt: zu Schlebusch.
    [3] überprüft.
    [4] Bevollmächtigter einer öffentlichen Gewalt, z. B. einer Waldgenossenschaft.
    [5] Besagten.
    [6] Lat. offerre, entgegenbringen, spenden, hier wohl Geschenke aus Anlass des sogenannten Busch-Essens.
    [7] Der gegenwärtig amtierende.
    [8] An einen dritten Ort.
    [9] Testamentsvollstrecker.
    [10] Wohl verschrieben: erst.
    [11] Welheim war bis 1806 ein Besitz des Deutschen Ordens in Westfalen, zur Geschichte der Kommende und zum Landkomtur Kaunitz siehe Dorn, Hans-Jürgen, Die Deutschordensballei Westfalen von der Reformation bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1808, Marburg 1978 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 26, hg. v. Udo Arnold), S.150, Anmkg. 114 und S. 200 f.
    [12] Eingefügt: betreffendt.

    #652

    Nr. 7                                                                                                             1795 Dezember 18

     

     

    In diesem Brief berichtet Linden, dass die Holzanteile aus den Schlebuscher Wäldern an die Waldgenos-senschaft der Umgebung verteilt wurden. Da die französischen Truppen schwere Verwüstungen in den umgebenen Wäldern verursacht haben, bemüht sich Linden um die Erlaubnis des Forstinspektors,  die Wälder mit Gewehren zu schützen. In einer Nachschrift vom selben Tage  berichtet Linden dann von militärischen Ereignissen im Umkreis von Düsseldorf, Opladen und Bensberg.

     

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgeborener Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur,

    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade hiemit unterthänig zu berichten, daß gestern die Schlebuscher Gemarkenwaldungen gewöhnlicher Maßen ausgewiesen, das ist, jedem Beerbten[1] sein Maal, wo er für dies Jahr seinen Holtzantheil zu empfangen hat, nach vorheriger des fallsigen Verloosung, durch die Förster angewiesen- und diesemnach das gebräuchliche Busch-Essen[2] gehalten worden sei. Hr. Dinger Schall, welcher /: wie Euer Exzellenz bekant ist :/ von Hochdero seeln.  Herrn Vorfahrer requirirt[3] worden, der Gemarckenschaft einsweilen, bis dahin ein neuer Gewaldschulteis[4] angeordnet, Vor- und Beistand zu leisten, fand sich auch hiebei ein, so wie dann auch ich, auf Ersuchen besten.[5] Hn. Dingers, dabei miterschien. Bei dieser Gelegenheit, machte ich zwar den Vorschlag, daß das auf Befehl des Forst Inspekteurs Emmerich,  jüngsthin auf sotaner Gemarcke verfertigte Klafterholtz zu Verhütung deren Diebereien, aus dem Busch an ein drittes Ort in Sicherheit gebracht würde, allein die Förster und übrige Gemarcken-Beerbten bestunden /: Einwendens ohngehindert, daß beim nochmaligen Vorrucken der französ. Armée auch wieder neues Klafterholtz würde verfertigt werden müssen, somit die Waldungen täglich mehr und mehr zugrund gerichtet würden :/ platterdings beim Verkauf deren wirklich gefertigten 21 Klafteren; Hr. Dinger war zwarn auch mit meiner Meinung einstimmig, allein die Förster und Beerbten schalten dermalen theils wegen Abwesenheit des Hn. Dingers, theils aus Mangel eines Gewaldeschulteis, dessen baldige Anordnung so wohl zu conserviren als besseren bepflanzen der Gemarken-Buschen höchst nötig ist, schalten nach eigenem Wohlgefallen. Wie ehedem gebräuchlich, wurden auch diesmal zu Bestreitung deren Busch-Essens-Kösten, plus offerentibus [6], unter die anwesenden Beerbten 3. hierzu ausgesetzte Eichen, und zwarn eine zu 5- eine zu 7- und  die 3e. zu 8 rhr. verkauft.

    Auf sotaner Gemarke hat ein zeitlr.[7] Gewaldsschuldeis jährlichs den Holtz-Genuss von einer Gewald. Hr. Dinger dörfte wohl auf den Gedancken verfallen, sich diesen Genuss zueignen zu wollen; wie ich in diesem Falle mich zu benehmen habe, hab ich hiemit unthg. anfragen- und zugleich vernehmen sollen, ob es nicht dienlich seyn dörfte, sotane Raten einsweilen ad locum tertium [8] hinführen zu lassen, und demnechst den des Falls, beim nechsten Waldgeding, von denen Versammleten Gewaldsherren zu fassenden Entschluss abzuwarten. Wie hoch eigentlich Euer Hochwürden Exzellenz diesjähriger Holtz-Antheil auf denen Schlebuscher- so wie auch auf denen nechstens auszuweisenden Bürricher Gemarcken sich belaufen wird, werde in meinem nähern untgen. Berichte anzuzeigen die Gnade haben.

    Wie Hr. Dinger Schall /: der erst gestern die Verwüstung in seiner Behausung einmal beaugenscheinigt- sich aber auch schon wieder absentiret hat :/ mir sagte, werden die meisten Gemarken-Rechnungen und sonstige Briefschaften, diewelche in Händen des hiesigen Hn. Pastorn als Executorn testamenti[9] des seeln. Hn. Vicarius Brewer, beruhet haben, bei den französischen Unruhen theils zerrissen theils weggenohmen worden seyn – Auch ist im Schreibzimer des Hn. Schall, durch Unvorsichtigkeit der Domestiquen ein dem Ofen zunechst gestandener Korb mit verschiedenen wichtigen Papieren in Brand gerathen; zum Glück fürs Haus wurde der Brand jedoch noch frühzeitig wahrgenohmen; Ein Theil des höltzernen Bekleids war indessen schon weggebrennet. Hr. Schall hat einsweilen die dasige Haushaltung gänzlich aufgehoben, und nur einen Knecht daselbst zurückgelassen. Er befindt sich mit seiner Famille, weiter hinauf im Bergischen, bald hie bald da. Euer Hochwürden Exzellenz Hochverehrlichen 3. Schreiben, nehmlich eins vom 7n- und eins vom 21n. vorigen Monats, sodann eines vom 1n. dieses hatte ich gestern ererst[10] die Gnade, durch die Oplader Post-Expedition, zugleich zu erhalten; auch lief miteins noch ein Schreiben des Hn. Landkommenthurs /tit/ Grafen von Kaunitz aus Agram dto.den 3n. Xbris 1794 unter Addresse des Hochseeln.  Hn. v. Roll, den Aufenthalt Hochdesselben auf der Comende Welheim[11] betreffend, ein. Und heute erst erhielt Euer Exzellenz gges. Schreiben vom 13n. 8bris durch die Post von Mühlheim. Hochdieselben ersehen hieraus gdg. den dermalig-sehr unrichtigen Postenlauf.

    Ganz bestürtzt musste aus Euer Hochwürden Exzellenz gnädigem Schreiben vom 1ten. dieses entnehmen, daß Hochdero gge. Absichten, die Entlassung der hiesigen Dienerschaft[12],  ich verfehlet habe. Gewis nie würde ich mir nur den Schatten eines Gedankens hievon, ich geschweige, der That selbst, haben einfallen lassen, wenn ich mich nicht vollkommen überzeugt geglaubt hätte, daß ich dadurch die von Euer Hochwürden Exzellenz einer mir so münd- als schriftlich offenbarte gnädige Entschließung schuldigst in Vollzug gesetzt hätte. Hätte ich nur den mindesten Zweifel hierunter geschöpft, so würde Hochdero Gnädige Erleuterung ich mir gewis zuvordrist untg. ausgebeten – und die gnädige Entscheidung darüber schuldigst abgewartet haben. Und da ich auch noch einige Tage vor der Entlassung den Hn. Hofrathen von Welter über den 5n . der mir gnädig erteilten Instruction, in puncto der auszuzalenden Löhnen besprach, von diesem aber auch nichts weniger zu vernehmen hatte, als daß Euer Hochwürden Exzellenz gnädige Willensmeinung in betref der Entlassung anderswohin gezielet haben sollte, so bitte ich hiemit ganz unterthänig, daß Hochdieselben mir hierunter in nichts zu Last kommen zu lassen die Hohe Gnade haben wollen. Was Euer Hochwürden Exzellenz, statt der bisherigen dahiesigen Haushaltung, für die Zukunft an Köstgeld, fort an Lohn und Pension zu bestimmen die Gnade gehabt haben hierüber hab bis herzu von dem Hn. Hofrath von Welter wegen gehemmter Rhein Passage nichts erfahren können, durch eine sich morgen ereignende Gelegenheit, werde ich denselben um die Bekantmachung der von Euer Hochwürden Exzellenz desfalls gnädig genommenen Entschlusses zu meiner untgen Benehmung schriftlich belangen, auch demselben Hochdero gnädigen Befehl, daß der Bediente Joseph /: wessen Aufenthalts Ort ihm Hn. Hofrath vernuthlich bewust seyn wird:/ an die Stelle des in der Landkommende abgehenden Pförtners Hermann anzuordnen sei und desselben Verrichtungen einsweilen zu versehen habe, miteins bekannt machen.

    Den Verkauf deren Weidenbäumen belangend habe ich die Gnade andurch unthg. zu bemercken, wie ich mich dieserthalben zuvordrist mit dHn. Rentmeistern Dechen besprochen hatte und da auch dieser der Meinung war, daß derenselben einige, von Zeit zu Zeit, bestthunlichst zu veräußeren seyen, so fuhr ich mit dem Verkauf unthg. einberichteter Maßen bis herzu fort. – Die Vermuthung, daß bei dereinst wieder eröfneter Communication mit der andern Rheinseite der Holtz-Preis höher ausfallen dörfte, ist zwarn eben so gegrundet, als richtig es ist, daß bei allenfalls ferner vorkommenden Holtzrequisitionen das Weidenholtz denenselben so leicht nicht exponiret ist. In dem unverhoften Falle aber, daß die französische Armée nochmal vorrucken und sich in der Nähe Euer Exzellenz Waldungen lageren würde, würde  keine Schonung statt haben. Ein trauriges Beispiel hievon sieht man an einem Theil deren Dünnwalder Buschen, wo die schönsten Eichen und Boichen abgehauen- und überkreuz und quer übereinander ligen.

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens die Gnade zu versicheren, daß zu Conservirung Hochdero Waldungen ich gewis keine Mühe spare. Um solche gegen die dermalig-haüfigen Holtz Diebereien desto besser schützen zu können, erwirckte ich jüngst bei Hn. Forst-Inspekteur Emmerich die nötigen Pässe um ohngestörter die Buschen mit denen Gewehren betretten zu dörfen. Was aber die dermalig-richterliche Bestrafung deren Busch-Frevleren betrift, ist der gegenwärtige Zeitpunkt hierzu wohl nicht schicklich. Die neuerliche Affaire zu Sohlingen, wobei dem dortigen Beamten sein schönes Haus von den Bauren bis auf den Grund niedergerissen wurde, ist ein frisches Beispiel des jetzigen Bauren Muthwills,  ich finde es dahero unthg. ohnmaasgebig für gut, die Bestrafung deren ertapt werdenden Holtz-Dieben, bis zur Zeit der Ruhe, ausgestellt seyn zu lassen.

    Eine neue, der erstern ohngefehr ähnliche, Contribution ist nicht nur wircklich ausgeschrieben, sonderen auch die baldige Abtragung derselben unter militaerischen Executionsstrafe von den Kanzlen schon verkündet worden. Euer Hochwürden Exzellenz dahiesigen Halbwinnern stelleten mir die platte

    Unmöglichkeit in Entrichtung derselben vor. In dieser Hinsicht, und weilen der in meinen Händen noch beruhende Vorrath zu Bestreitung des Ganzen, nicht hinreichend, auch dermalen ich, wegen gehemmter Rheinpassage, bei Hn. Hofrathen v. Welter und Hn. Rtmsten. Dechen keine Gelder, zu diesem Ende, erheben kann, verkaufte ich, um auf jeden Fall vorbereitet zu seyn, vorgestern an einen Mann aus Deutz ferner 6 abständige Weidenbäum pro Stuck zu 2 Carolins, einem Preise, der auch bei einer öffentlichen Versteigerung nicht höher ausgefallen seyn würde. Gleichwie aber Euer Hochwürden Exzellenz

    gnädiges Schreiben vom 21n. 9bris, mit den ferneren Verkäufen gänzlich einzuhalten, mir anbefiehlt, so machte ich diesen gnädigen Entschluß dem Ankäufer gleich bekannt. Derselbe stund auch um so lieber von dem Kauf ab, als er die Weiden allzu theur an sich erhandlet hatte. Solte nun ich die Halbwinnern zum Abtrag des Contributions-Quanti nicht vermögen können, und dieselbe ohne Pardon entrichtet werden müssen, so werde ich den Überrest aus dem Meinigen abführen.  Indessen werde ich das Äußerste abwarten, und so lang es nur thunlich, mit der Entrichtung zauderen. Nebst Abbezug auf meinen untgen. Bericht vom 2n. dieses, empfehle Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen  Hulden und Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefester Hochverehrung

     

    Morsbroich den 18n. Xbris 1795.

    Ewer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehster. Diener Linden

     

    N:S: Unsere Lage ist und bleibt noch immer bedenklich, unruhig, und noch sehr zweifelhaft, ob die Erlösung bald erfolgen werde. Die Franzosen lassen noch unaufhörlich an Verschanzungen vor Düsseldorf arbeiten, ihre Patroullen durchstreifen noch fast täglich die hiesige Nachbarschaft, betragen sich indessen, noch zur Zeit, etwas besser, wie die vorigen, und sind meistens Deutsche. Vor ein paar Tagen machten sie bei Opladen, durch Verrätherei der Bauren, 4 kaiserle. Husaren zu Gefangenen und heute Nachmittag, da man an nichts weniger als an Franzosen dachte, sah man deren eine starcke Patroulle von mehr als 100 Mann dahier vorbei- und zwarn nacher Bensberg zu reiten. Ein daselbst stehendes kaiserl Piquet von 60. Mann Rohanscher Husaren wurde garstig aufgehoben. Gegen 6 Uhr abends kamen die Franzosen dahin, der das Comando habende Officier war bei einem Schmaus, die Gemeinen in ihren Quartiers, und 36 Pferde standen abgesattelter in den Stallungen des neuen Schlosses. Schon ehe die Kaiserln. einmal wussten, daß der Feind da sei, hatte dieser die 36 Pferde wirklich zur Beute – und einen Mann zum Gefangenen gemacht. Der dasige Hr. Oberschulteis Daniels muste, nachdeme sie ihm zu vordrist seine Sackuhre abgenommen hatten, bis nacher Paffrath, eine Stunde von Bensberg, vorreiten. Sie kamen nun gegen 8 Uhr abends mit dieser Beute, sodann mit einer in Schlebusch weggenommenen Karrig mit Haaber /: wo selbst sie auch noch 5. Kronthlr. von dasigem Scheffen erpresst hatten:/ wieder hier vorbei und ritten ruhig nacher Benrath, woselbst noch immer ihre Vorposten stehen, zuruck. Das Weitere steht nun zu erwarten.

    Vor einem abermaligen Vorrücken der Armée ist man wieder in Besorgnis, um so mehr als sich heute auch wieder 100 Mann Infanterie in Opladen haben sehen lassen. Alles flüchtet schon wieder über Hals und Kopf. Großer Gott! Wann wird doch einmal des Elends ein Ende seyn? ich ersterbe ut in litt.

     

    Soeben komt die Frau des Reitknechts Wilhelm, zu mir, um  sich ihres Manns halber zu erkundigen. Sie ist nur begierig, zu vernehmen, daß dieser /: so wie sie und die ihrigen:/ sich noch immer bei gutem Wohlsein befinde.

    Eben auch mögte der hiesige Friseur Hermann gern wissen, ob die für Euer Exzellenz verfertigte unter Hochdero Addresse nacher Mergentheim abgeschickte Peruque richtig angekommen sei.

    [1] Erbe einer Markgenossenschaft oder Holzungs- oder Waldgemeinschaft.
    [2] Eingefügt: zu Schlebusch.
    [3] überprüft.
    [4] Bevollmächtigter einer öffentlichen Gewalt, z. B. einer Waldgenossenschaft.
    [5] Besagten.
    [6] Lat. offerre, entgegenbringen, spenden, hier wohl Geschenke aus Anlass des sogenannten Busch-Essens.
    [7] Der gegenwärtig amtierende.
    [8] An einen dritten Ort.
    [9] Testamentsvollstrecker.
    [10] Wohl verschrieben: erst.
    [11] Welheim war bis 1806 ein Besitz des Deutschen Ordens in Westfalen, zur Geschichte der Kommende und zum Landkomtur Kaunitz siehe Dorn, Hans-Jürgen, Die Deutschordensballei Westfalen von der Reformation bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1808, Marburg 1978 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 26, hg. v. Udo Arnold), S.150, Anmkg. 114 und S. 200 f.
    [12] Eingefügt: betreffendt.

    #714

    Letzte Fassung!

     

    Nr. 7                                                                                                             1795 Dezember 18

     

     

    In diesem Brief berichtet Linden, dass die Holzanteile aus den Schlebuscher Wäldern an die Waldgenos-senschaft der Umgebung verteilt wurden. Da die französischen Truppen schwere Verwüstungen in den umgebenen Wäldern verursacht haben, bemüht sich Linden um die Erlaubnis des Forstinspektors, die Wälder mit Gewehren zu schützen. In einer Nachschrift vom selben Tage berichtet Linden dann von militärischen Ereignissen im Umkreis von Düsseldorf, Opladen und Bensberg.

     

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgeborener Freiherr, insonders Hochzuverehrendester Herr Landkomenthur,

    Hochgebietend-gnädiger Herr!

     

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade hiemit unterthänig zu berichten, daß gestern die Schlebuscher Gemarkenwaldungen gewöhnlicher Maßen ausgewiesen, das ist, jedem Beerbten[1] sein Maal, wo er für dies Jahr seinen Holtzantheil zu empfangen hat, nach vorheriger desfallsigen Verloosung durch die Förster angewiesen- und diesemnach das gebräuchliche Busch-Essen[2] gehalten worden sei. Hr. Dinger Schall, welcher /: wie Euer Exzellenz bekant ist :/ von Hochdero seeln. Herrn Vorfahrer requirirt[3] worden, der Gemarckenschaft einsweilen, bis dahin ein neuer Gewaldschulteis [4] angeordnet, Vor- und Beistand zu leisten, fand sich auch hiebei ein, so wie dann auch ich, auf Ersuchen besten.[5] Hn. Dingers, dabei miterschien. Bei dieser Gelegenheit, machte ich zwar den Vorschlag, daß das auf Befehl des Forst Inspekteurs Emmerich jüngsthin auf sotaner Gemarcke verfertigte Klafterholtz zu Verhütung deren Diebereien aus dem Busch an ein drittes Ort in Sicherheit gebracht würde, allein die Förster und übrige Gemarcken-Beerbten bestunden /: Einwendens ohngehindert, daß beim nochmaligen Vorrucken der französ. Armée auch wieder neues Klafterholtz würde verfertigt werden müssen, somit die Waldungen täglich mehr und mehr zugrund gerichtet würden :/ platterdings beim Verkauf deren wirklich gefertigten 21 Klafteren; Hr. Dinger war zwarn auch mit meiner Meinung einstimmig, allein die Förster und Beerbten schalten dermalen theils wegen Abwesenheit des Hn. Dingers, theils aus Mangel eines Gewaldeschulteis, dessen baldige Anordnung so wohl zu conserviren als besseren bepflanzen der Gemarken-Buschen höchst nötig ist, schalten nach eigenem Wohlgefallen. Wie ehedem gebräuchlich, wurden auch diesmal zu Bestreitung deren Busch-Essens-Kösten plus offerentibus[6] unter die anwesenden Beerbten 3. hierzu ausgesetzte Eichen, und zwarn eine zu 5- eine zu 7- und  die 3e. zu 8 rhr. verkauft. Auf sotaner Gemarke hat ein zeitlr.[7] Gewaldsschuldeis jährlichs den Holtz-Genuss von einer Gewald. Hr. Dinger dörfte wohl auf den Gedancken verfallen, sich diesen Genuss zueignen zu wollen; wie ich in diesem Falle mich zu benehmen habe, hab ich hiemit unthg. anfragen und zugleich vernehmen sollen, ob es nicht dienlich seyn dörfte, sotane Raten einsweilen ad locum tertium [8] hinführen zu lassen und demnechst den des Falls beim nechsten Waldgeding von denen versammleten Gewaldsherren zu fassenden Entschluss abzuwarten. Wie hoch eigentlich Euer Hochwürden Exzellenz diesjähriger Holtz-Antheil auf denen Schlebuscher sowie auch auf denen nechstens auszuweisenden Bürricher Gemarcken sich belaufen wird, werde in meinem nähern untgen. Berichte anzuzeigen die Gnade haben.

    Wie Hr. Dinger Schall /: der erst gestern die Verwüstung in seiner Behausung einmal beaugenscheinigt, sich aber auch schon wieder absentiret hat[9] :/ mir sagte, werden die meisten Gemarkenrechnungen und sonstige Briefschaften, diewelche in Händen des hiesigen Hn. Pastorn als Executorn testamenti[10] des seeln. Hn. Vicarius Brewer, beruhet haben, bei den französischen Unruhen theils zerrissen theils weggenohmen worden seyn Auch ist im Schreibzimer des Hn. Schall durch Unvorsichtigkeit der Domestiquen ein dem Ofen zunechst gestandener Korb mit verschiedenen wichtigen Papieren in Brand gerathen; zum Glück fürs Haus wurde der Brand jedoch noch frühzeitig wahrgenohmen. Ein Theil des höltzernen Bekleids war indessen schon weggebrennet. Hr. Schall hat einsweilen die dasige Haushaltung gänzlich aufgehoben und nur einen Knecht daselbst zurückgelassen. Er befindt sich mit seiner Famille weiter hinauf im Bergischen, bald hie bald da. Euer Hochwürden Exzellenz Hochverehrlichen 3. Schreiben, nehmlich eins vom 7n und eins vom 21n. vorigen Monats, sodann eines vom 1n. dieses hatte ich gestern ererst[11] die Gnade, durch die Oplader Post-Expedition, zugleich zu erhalten; auch lief miteins noch ein Schreiben des Hn. Landkommenthurs /tit/ Grafen von Kaunitz aus Agram dto. den 3n. Xbris 1794 unter Addresse des Hochseeln. Hn. v. Roll, den Aufenthalt Hochdesselben auf der Comende Welheim[12] betreffend, ein. Und heute erst erhielt Euer Exzellenz gges. Schreiben vom 13n. 8bris durch die Post von Mühlheim. Hochdieselben ersehen hieraus gdg. den dermalig sehr unrichtigen Postenlauf.

    Ganz bestürtzt musste aus Euer Hochwürden Exzellenz gnädigem Schreiben vom 1ten. dieses entnehmen, daß Hochdero gge. Absichten, die Entlassung der hiesigen Dienerschaft[13] ich verfehlet habe. Gewis nie würde ich mir nur den Schatten eines Gedankens hievon, ich geschweige, der That selbst, haben einfallen lassen, wenn ich mich nicht vollkommen überzeugt geglaubt hätte, daß ich dadurch die von Euer Hochwürden Exzellenz einer mir so münd- als schriftlich offenbarte gnädige Entschließung schuldigst in Vollzug gesetzt hätte. Hätte ich nur den mindesten Zweifel hierunter geschöpft, so würde Hochdero gnädige Erleuterung ich mir gewis zuvordrist untg. ausgebeten und die gnädige Entscheidung darüber schuldigst abgewartet haben. Und da ich auch noch einige Tage vor der Entlassung den Hn. Hofrathen von Welter über den 5n. der mir gnädig erteilten Instruction in puncto der auszuzalenden Löhnen besprach, von diesem aber auch nichts weniger zu vernehmen hatte, als daß Euer Hochwürden Exzellenz gnädige Willensmeinung in Betref der Entlassung anderswohin gezielet haben sollte, so bitte ich hiemit ganz unterthänig, daß Hochdieselben mir hierunter in nichts zu Last kommen zu lassen die Hohe Gnade haben wollen. Was Euer Hochwürden Exzellenz statt der bisherigen dahiesigen Haushaltung für die Zukunft an Köstgeld, fort an Lohn und Pension zu bestimmen die Gnade gehabt haben, hierüber hab bis herzu von dem Hn. Hofrath von Welter wegen gehemmter Rheinpassage nichts erfahren können, durch eine sich morgen ereignende Gelegenheit, werde ich denselben um die Bekantmachung der von Euer Hochwürden Exzellenz desfalls gnädig genommenen Entschlusses zu meiner untgen Benehmung schriftlich belangen, auch demselben Hochdero gnädigen Befehl, daß der Bediente Joseph /: wessen Aufenthaltso rt ihm Hn. Hofrath vermuthlich bewust seyn wird:/ an die Stelle des in der Landkommende abgehenden Pförtners Hermann anzuordnen sei und desselben Verrichtungen einsweilen zu versehen habe, miteins bekannt machen.

    Den Verkauf deren Weidenbäumen belangend habe ich die Gnade andurch unthg. zu bemercken, wie ich mich dieserthalben zuvordrist mit dHn. Rentmeistern Dechen besprochen hatte und da auch dieser der Meinung war, daß derenselben einige, von Zeit zu Zeit bestthunlichst zu veräußeren seyen, so fuhr ich mit dem Verkauf unthg. einberichteter Maßen bis herzu fort. – Die Vermuthung, daß bei dereinst wieder eröfneter Communication mit der andern Rheinseite der Holtzpreis höher ausfallen dörfte, ist zwarn ebenso gegrundet, als richtig es ist, daß bei allenfalls ferner vorkommenden Holtzrequisitionen das Weidenholtz denenselben so leicht nicht exponiret ist. In dem unverhoften Falle aber, daß die französische Armée nochmal vorrucken und sich in der Nähe Euer Exzellenz Waldungen lageren würde, würde keine Schonung statt haben. Ein trauriges Beispiel hievon sieht man an einem Theil deren Dünnwalder Buschen, wo die schönsten Eichen und Boichen abgehauen- und überkreuz und quer übereinander ligen.

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens die Gnade zu versicheren, daß zu Conservirung Hochdero Waldungen ich gewis keine Mühe spare. Um solche gegen die dermalig-häufigen Holtz Diebereien desto besser schützen zu können, erwirckte ich jüngst bei Hn. Forst-Inspekteur Emmerich die nötigen Pässe um ohngestörter die Buschen mit denen Gewehren betretten zu dörfen. Was aber die dermalig-richterliche Bestrafung deren Busch-Frevleren betrift, ist der gegenwärtige Zeitpunkt hierzu wohl nicht schicklich. Die neuerliche Affaire zu Sohlingen, wobei dem dortigen Beamten sein schönes Haus von den Bauren bis auf den Grund niedergerissen wurde, ist ein frisches Beispiel des jetzigen Bauren Muthwills, ich finde es dahero unthg. ohnmaasgebig für gut, die Bestrafung deren ertapt werdenden Holtz-Dieben bis zur Zeit der Ruhe ausgestellt seyn zu lassen.

    Eine neue der erstern ohngefehr ähnliche Contribution ist nicht nur wircklich ausgeschrieben, sonderen auch die baldige Abtragung derselben unter militaerischen Executionsstrafe von den Kanzlen schon verkündet worden. Euer Hochwürden Exzellenz dahiesigen Halbwinnern stelleten mir die platte

    Unmöglichkeit in Entrichtung derselben vor. In dieser Hinsicht und weilen der in meinen Händen noch beruhende Vorrath zu Bestreitung des Ganzen nicht hinreichend, auch dermalen ich, wegen gehemmter Rheinpassage bei Hn. Hofrathen v. Welter und Hn. Rtmsten. Dechen keine Gelder zu diesem Ende erheben kann, verkaufte ich, um auf jeden Fall vorbereitet zu seyn, vorgestern an einen Mann aus Deutz ferner 6 abständige Weidenbäum pro Stuck zu 2 Carolins, einem Preise, der auch bei einer öffentlichen Versteigerung nicht höher ausgefallen seyn würde. Gleichwie aber Euer Hochwürden Exzellenz

    gnädiges Schreiben vom 21n. 9bris, mit den ferneren Verkäufen gänzlich einzuhalten, mir anbefiehlt, so machte ich diesen gnädigen Entschluss dem Ankäufer gleich bekannt. Derselbe stund auch umso lieber von dem Kauf ab, als er die Weiden allzu theur an sich erhandlet hatte. Solte nun ich die Halbwinnern zum Abtrag des Contributions-Quanti nicht vermögen können und dieselbe ohne Pardon entrichtet werden müssen, so werde ich den Überrest aus dem Meinigen abführen. Indessen werde ich das Äußerste abwarten und so lang es nur thunlich, mit der Entrichtung zauderen. Nebst Abbezug auf meinen untgen. Bericht vom 2n. dieses, empfehle Zu Euer Hochwürden Exzellenz Hohen Hulden und Gnaden empfehle ich mich ganz gehorsamst und ersterbe in tiefester Hochverehrung

     

    Morsbroich den 18n. Xbris 1795.

    Euer Hochwürden Exzellenz unterthänig treu gehster. Diener Linden

     

    N:S: Unsere Lage ist und bleibt noch immer bedenklich, unruhig, und noch sehr zweifelhaft, ob die Erlösung bald erfolgen werde. Die Franzosen lassen noch unaufhörlich an Verschanzungen vor Düsseldorf arbeiten, ihre Patroullen durchstreifen noch fast täglich die hiesige Nachbarschaft, betragen sich indessen, noch zur Zeit, etwas besser wie die vorigen und sind meistens Deutsche. Vor ein paar Tagen machten sie bei Opladen durch Verrätherei der Bauren 4 kaiserle. Husaren zu Gefangenen und heute Nachmittag, da man an nichts weniger als an Franzosen dachte, sah man deren eine starcke Patroulle von mehr als 100 Mann dahier vorbei- und zwarn nacher Bensberg zu reiten. Ein daselbst stehendes kaiserl Piquet von 60. Mann Rohanscher Husaren wurde garstig aufgehoben. Gegen 6 Uhr abends kamen die Franzosen dahin, der das Comando habende Officier war bei einem Schmaus, die Gemeinen in ihren Quartiers und 36 Pferde standen abgesattelter in den Stallungen des neuen Schlosses. Schon ehe die Kaiserln. einmal wussten, daß der Feind da sei, hatte dieser die 36 Pferde wirklich zur Beute und einen Mann zum Gefangenen gemacht. Der dasige Hr. Oberschulteis Daniels muste, nachdeme sie ihm zu vordrist seine Sackuhr abgenommen hatten, bis nacher Paffrath, eine Stunde von Bensberg, vorreiten. Sie kamen nun gegen 8 Uhr abends mit dieser Beute, sodann mit einer in Schlebusch weggenommenen Karrig mit Haaber /: wo selbst sie auch noch 5. Kronthlr. von dasigem Scheffen erpresst hatten :/ wieder hier vorbei und ritten ruhig nacher Benrath, woselbst noch immer ihre Vorposten stehen, zuruck. Das Weitere steht nun zu erwarten.

    Vor einem abermaligen Vorrücken der Armée ist man wieder in Besorgnis, um so mehr als sich heute auch wieder 100 Mann Infanterie in Opladen haben sehen lassen. Alles flüchtet schon wieder über Hals und Kopf. Großer Gott! Wann wird doch einmal des Elends ein Ende seyn? ich ersterbe ut in litt.

     

    Soeben komt die Frau des Reitknechts Wilhelm zu mir, um sich ihres Manns halber zu erkundigen. Sie ist nur begierig, zu vernehmen, daß dieser /: so wie sie und die ihrigen :/ sich noch immer bei gutem Wohlsein befinde.

    Eben auch mögte der hiesige Friseur Hermann gern wissen, ob die für Euer Exzellenz verfertigte. unter Hochdero Addresse nacher Mergentheim abgeschickte Peruque richtig angekommen sei.

    [1] Erbe einer Markgenossenschaft oder Holzungs- oder Waldgemeinschaft.
    [2] Eingefügt: zu Schlebusch.
    [3] überprüft.
    [4] Bevollmächtigter einer öffentlichen Gewalt, z. B. einer Waldgenossenschaft.
    [5] Besagten.
    [6] Lat. offerre, entgegenbringen, spenden, hier wohl Geschenke aus Anlass des sogenannten Busch-Essens.
    [7] Der gegenwärtig amtierende.
    [8] An einen dritten Ort.
    [9] Lat. = abgesetzt.
    [10] Testamentsvollstrecker.
    [11] Wohl verschrieben: erst.
    [12] Welheim war bis 1806 ein Besitz des Deutschen Ordens in Westfalen, zur Geschichte der Kommende und zum Landkomtur Kaunitz siehe Dorn, Hans-Jürgen, Die Deutschordensballei Westfalen von der Reformation bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1808, Marburg 1978 (Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 26, hg. v. Udo Arnold), S.150, Anmkg. 114 und S. 200 f.
    [13] Eingefügt: betreffendt.

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