Nr. 8 – 2. 1. 1796

Foren Lindenbriefe Morsbroich Nr. 8 – 2. 1. 1796

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  • #278

    Nr. 8                                                                                                                        1796 Januar 2

     

    Kurz nach dem Jahreswechsel 1795/96  erklärt der Verwalter Linden seinem Herrn von Forstmeister, dass er die Dienerschaft des Schlosses nach seinen Wünschen entlohnt und einen Teil von ihnen entlassen habe, wobei es beim Friseur Herman zu Verwirrung kam, da er von von Forstmeister nicht berücksichtigt wurde.  Außerdem berichtet Linden über die bereits gemachten Gartenarbeiten am Schloss und die Lage der Brennholzwirtschaft. Er endet seinen Brief mit den besten Wünschen fürs neue Jahr.

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgebohrener Freiherr, Insonders Hochzuverehrendster Herr Landkomthur

    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

    Eüer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths Xbris Statum a:p: zur Hohen Einsichte und Gnädigen Genehmigung, anbei unthg. zu praesentiren.

    Hochdero Gnädiger Entschluß in betref deren für die dahier verbleibende Dienerschaft, Gnädig ausgeworfenen Kostgelder, Pensionen und Löhnen, ist mir in dem gestern von Hn. Hofrathe von Welter, kopierlich erhaltenen Reglement richtig zugekommen, auch ohnverzüglich jedem Betheiligten von mir bekennt gemacht worden. Da der hießige Friseur Herman hiebei die Erinnerung machte, daß Ewer Hochwürden Exzellenz bei Hochdero jüngern dahiesigen Anwesenheit ihme die gnädige Zusage gethan hätten, daß er mit unter die Zahl deren dahier Bleibenden gehören solte; derselbe aber in dem Gnädigen Reglement hierunter nicht mitbegriffen –  jedoch auch unter den zu Entlaßenden nicht austrücklich benennet, so glaubte derselbe zuverläßig, daß seiner darinnen gnädig nicht würde gedacht worden seyn. In der Vermuthung, daß Hr. Hofrath v. Welter oder Hr. Rtmster. Dechen mir hierüber so wohl, alß auch, ob Hochdieselben in pto. das benötigten Gemüßes und Lichtes für die dahier bleibende Dienerschaft, eine gnädige Verfügung zu treffen beliebet hätten, einige Auskunft würden geben können, entschloß ich mich, heüte, da sich eben ein Gelegenheit darbote, nacher Köln zu kommen, mich hierüber näher zu befragen. Ich erhielte nun auch was den Peruquier belangt, die Antwort dahin, daß, in Gefolg eines dem Hr. Renmstern. Dechen jüngst zugegangnen Gnädigen Schreibens, derselbe unter den zu entlaßenden Dieneren, bestimmter mitbegriffen seie. – Da ich aber in Betref des Gemüßes und Lichtes nichts eigentliches in Erfahr bringen konte, so hab Ewer Hochwürden Exzellenz um die desfallsige Gnädige Verfügung, ich andurch zu meiner untertänigen Benehnung gehorsamst bitten zugleich anfragen sollen, ob Hochdieselben nicht gnädig erlauben wollen, zuweilen einige Schlächtfische, als Makrelen und Männin[1] für die Abstinenz-Täge aus die Dünne fangen zu dörfen.

    Da seit etwa 14 Tägen die Franzoßen sich ziemlich ruhig gehalten haben und die gegenwärtige Zeit und Witterung zum Bepflanzen recht paßend sind, so hab bereits die Ausrottung der Garten Hecke durch den Gärtner und 2 Taglöhner vornehmen laßen. Durch dieße Ausrottung ergibt sich eine Menge Bouchener Stahlen[2] von etwa 8 bis 900 Stück, mit einigen davon hab ich wircklich die leere Plätze in Hochdero Buschen ausfüllen laßen und mit den übrigen werde vor und nach auf gleiche Weiß fortfahren demnechst auch die Cascade Arbeit vollends zu Stande bringen laßen.

    Vorgestern wurden auch die Bürricher Gemarcken Buschen ausgewießen und diesenmach das gewöhnliche Busch-Eßen /: ein kostspieliger Mißbrauch :/ gehalten zu Bestreitung deren dabei aufgeloffenen Kösten ad 28 rhr.  40 stb. wurden sodann 4 Eichenstümpf ausgesezt, und unter die anwesenden Beerbten meistbietend, und zwarn eins zu 10 – eins zu 8 – die 3te. zu 7 – und die 4te. zu 4 rhr. 5 schill. verkauft.

    Auf dieser Gemarcke haben euer Hochwürden Exzellenz 7 1/2 – auf der Schlebuscher Gemarcke hingegen nur 3 5/16 Gewäld. Nach Aussage deren Försteren werden auf  lezterer, für dies Jahr jede Gewald circa 900 – auf ersterer hingegen /: woselbst die Gewälde nicht so groß – zudem die Buschen mehr in Unstand sind:/ nur etwan 400 Höltzer beibringen. In allem würde sich also Hochdero Anteil auf beiden Gemarken ohngefahr belaufen auf 2 Viertel und 700 Höltzer.

    Da die Gemarken Buschen deren Holtz Diebereien weit mehr, als Hochdero Eigenen Waldungen, exponirt sind, so hielte ich unterthänig ohnmaasgebig für rathsam. daß mit dem Abfällen sotanen Holtzes, sobald sichs nur in etwa thuen läst, angefangen, und falls bis dahin noch keine sichere Ruhe seie, solches auf der Stelle auf des Ankaüfers Gefahr verkauft würde;  und  da die Holtzhäuern /: deren sonst pro Viertel Holtz zu fällen 1 rhr. zalt worden ist:/ darmalen in Rucksicht der großen Theürung, um eine Zulage von 15 stbr. pro Vrtl. untg bitten, so hangt es von hochdero Gnade ab, ob ihnen, statt der begehrten 15 stbr, die halbscheid, nemlich 7 1/2 stbr pro Vtl. für diesmal zuzusetzen seie. In ein – als anderm submittire[3] Hochdero Gnädigen Entschliesung ich ganz unthg.

    Die Entrichtung der 2tern. Contribution geht sehr langsahm von statten, die meisten Leüte zauderen damit, und viele wollen sie gar nicht abführen. Dem ohngeachtet sieht man auch noch keine Executiones[4] vor sich gehen. Was hiebei für ein Anstand obwalte, und ob wohl noch Hofnung seie, daß solche unabgetragen bleibe, ist bis herzu ein Räthsel. Ich werde indessen das Eüßerste abwarten.

    Ewer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens, samt der übrigen Hochdero dahiesigen Dienerschaft, für die Erlaßung obig-Gnädigen Reglements hirmit den untg. – tiefstschuldigsten Dank ablegen – und mir zugleich die Freiheit nehmen wollen, Hochdenenselben, bei Gelegenheit des Jahrwechsels, mein gehorsamstes Compliment dahin zu machen, daß der Allwaltende dieß – und noch sehr viele folgenden Jahren in ununterbrochenen Hohen Wohl, Vergnügen, und in der baldigst hoffenden süßesten Ruhe fortleben laßen wolle. Ein welches von dem Allerhöchsten zu erbitten ich nie aufhören würde. Der in tiefschuldigsten Hoch- Verehrung zu ersterben die Gnade habe

     

    Ewer Hochwürden Exzellenz untg.-treü gehorsamster J.P. Linden

    Morsbroich am 2n. Januar 1796

     

    [1] Munne, Minne, auch Milbe, nach Auskunft des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs der Fisch cyprinus aspius oder dobula, auf Deutsch Döbel, eine Karpfenart.
    [2] Der Begriff war nicht zu ermitteln.
    [3] Lat.: unterwerfe…ich mich.
    [4] Zwangsmaßnahmen.

    #655

    Nr. 8                                                                                                                        1796 Januar 2

     

    Kurz nach dem Jahreswechsel 1795/96  erklärt der Verwalter Linden seinem Herrn von Forstmeister, dass er die Dienerschaft des Schlosses nach seinen Wünschen entlohnt und einen Teil von ihnen entlassen habe, wobei es beim Friseur Herman zu Verwirrung kam, da er von Forstmeister nicht berücksichtigt worden war.  Außerdem berichtet Linden über die bereits gemachten Gartenarbeiten am Schloss und die Lage der Brennholzwirtschaft. Er endet seinen Brief mit den besten Wünschen fürs neue Jahr.

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Hochwürdig-Hochwohlgebohrener Freiherr, insonders Hochzuverehrendster Herr Landkomthur

    Hochgebietend-Gnädiger Herr!

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths Xbris Statum a:p: zur Hohen Einsicht und Gnädigen Genehmigung, anbei unthg. zu praesentiren.

    Hochdero Gnädiger Entschluss in betref deren für die dahier verbleibende Dienerschaft, gnädig ausgeworfenen Kostgelder, Pensionen und Löhnen, ist mir in dem gestern von Hn. Hofrath von Welter kopierlich erhaltenen Reglement richtig zugekommen, auch ohnverzüglich jedem Betheiligten von mir bekennt gemacht worden. Da der hiesige Friseur Herman hiebei die Erinnerung machte, daß Euer Hochwürden Exzellenz bei Hochdero jüngern dahiesigen Anwesenheit ihm die gnädige Zusage gethan hätten, daß er mit unter die Zahl deren dahier Bleibenden gehören solte; derselbe aber in dem gnädigen Reglement hierunter nicht mitbegriffen –  jedoch auch unter den zu Entlassenden nicht austrücklich benennet, so glaubte derselbe zuverlässig, daß seiner darinnen gnädig nicht würde gedacht worden seyn. In der Vermuthung, daß Hr. Hofrath v. Welter oder Hr. Rtmster. Dechen mir hierüber so wohl, als auch, ob Hochdieselben in pto. das benötigten Gemüses und Lichtes für die dahier bleibende Dienerschaft, eine gnädige Verfügung zu treffen beliebet hätten, einige Auskunft würden geben können, entschloß ich mich, heute, da sich eben ein Gelegenheit darbote, nacher Köln zu kommen, mich hierüber näher zu befragen. Ich erhielt nun auch was den Peruquier belangt, die Antwort dahin, daß, in Gefolg eines dem Hr. Renmstern. Dechen jüngst zugegangnen gnädigen Schreibens, derselbe unter den zu entlassenden Dieneren, bestimmter mitbegriffen sei. – Da ich aber in Betref des Gemüses und Lichtes nichts eigentliches in Erfahr bringen konte, so hab Euer Hochwürden Exzellenz um die desfallsige gnädige Verfügung, ich andurch zu meiner untertänigen Benehnung gehorsamst bitten zugleich anfragen sollen, ob Hochdieselben nicht gnädig erlauben wollen, zuweilen einige Schlachtfische, als Makrelen und Männin[1] für die Abstinenz-Täge aus die Dünne fangen zu dörfen.

    Da seit etwa 14 Tagen die Franzosen sich ziemlich ruhig gehalten haben und die gegenwärtige Zeit und Witterung zum Bepflanzen recht passend sind, so hab bereits die Ausrottung der Gartenhecke durch den Gärtner und 2 Taglöhner vornehmen lassen. Durch diese Ausrottung ergibt sich eine Menge Bouchener Stahlen[2] von etwa 8 bis 900 Stück, mit einigen davon hab ich wircklich die leere Plätze in Hochdero Buschen ausfüllen lassen und mit den übrigen werde vor und nach auf gleiche Weis fortfahren demnechst auch die Cascade Arbeit vollends zu Stande bringen lassen.

    Vorgestern wurden auch die Bürricher Gemarcken Buschen ausgewiesen und diesemnach das gewöhnliche Busch-Essen /: ein kostspieliger Mißbrauch :/ gehalten zu Bestreitung deren dabei aufgeloffenen Kösten ad 28 rhr.  40 stb. wurden sodann 4 Eichenstümpf ausgesezt, und unter die anwesenden Beerbten meistbietend, und zwarn eins zu 10 – eins zu 8 – die 3te. zu 7 – und die 4te. zu 4 rhr. 5 schill. verkauft.

    Auf dieser Gemarcke haben euer Hochwürden Exzellenz 7 1/2 – auf der Schlebuscher Gemarcke hingegen nur 3 5/16 Gewäld. Nach Aussage deren Försteren werden auf  lezterer, für dies Jahr jede Gewald circa 900 – auf ersterer hingegen /: woselbst die Gewälde nicht so groß – zudem die Buschen mehr in Unstand sind:/ nur etwan 400 Höltzer beibringen. In allem würde sich also Hochdero Anteil auf beiden Gemarken ohngefahr belaufen auf 2 Viertel und 700 Höltzer.

    Da die Gemarken Buschen deren Holtz Diebereien weit mehr, als Hochdero eigenen Waldungen, exponirt sind, so hielte ich unterthänig ohnmaasgebig für rathsam, daß mit dem Abfällen sotanen Holtzes, sobald sichs nur in etwa thuen läst, angefangen, und falls bis dahin noch keine sichere Ruhe sei, solches auf der Stelle auf des Ankaufers Gefahr verkauft würde;  und  da die Holtzhauern /: deren sonst pro Viertel Holtz zu fällen 1 rhr. zalt worden ist:/ darmalen in Rucksicht der großen Theurung, um eine Zulage von 15 stbr. pro Vrtl. untg bitten, so hangt es von hochdero Gnade ab, ob ihnen, statt der begehrten 15 stbr, die halbscheid, nemlich 7 1/2 stbr pro Vtl. für diesmal zuzusetzen sei. In ein – als anderm submittire[3] Hochdero Gnädigen Entschliesung ich ganz unthg.

    Die Entrichtung der 2tern. Contribution geht sehr langsahm von statten, die meisten Leute zauderen damit, und viele wollen sie gar nicht abführen. Dem ohngeachtet sieht man auch noch keine Executiones[4] vor sich gehen. Was hiebei für ein Anstand obwalte, und ob wohl noch Hofnung sei, daß solche unabgetragen bleibe, ist bis herzu ein Räthsel. Ich werde indessen das Äußerste abwarten.

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens, samt der übrigen Hochdero dahiesigen Dienerschaft, für die Erlassung obig-gnädigen Reglements hirmit den untg. – tiefstschuldigsten Dank ablegen – und mir zugleich die Freiheit nehmen wollen, Hochdenenselben, bei Gelegenheit des Jahrwechsels, mein gehorsamstes Compliment dahin zu machen, daß der Allwaltende dies – und noch sehr viele folgenden Jahren in ununterbrochenen Hohen Wohl, Vergnügen, und in der baldigst hoffenden süßesten Ruhe fortleben lassen wolle. Ein welches von dem Allerhöchsten zu erbitten ich nie aufhören würde. Der in tiefschuldigsten Hoch- Verehrung zu ersterben die Gnade habe

     

    Euer Hochwürden Exzellenz untg.-treu gehorsamster J.P. Linden

    Morsbroich am 2n. Januar 1796

     

    [1] Munne, Minne, auch Milbe, nach Auskunft des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs der Fisch cyprinus aspius oder dobula, auf Deutsch Döbel, eine Karpfenart.
    [2] Der Begriff war nicht zu ermitteln.
    [3] Lat.: unterwerfe…ich mich.
    [4] Zwangsmaßnahmen.

    #715

    Letzte Fassung!

    Nr. 8

    1796 Januar 2

     

    Historisches Archiv der Stadt Köln, St. Katharinen 49 a

     

    Kurz nach dem Jahreswechsel 1795/96  erklärt der Verwalter Linden seinem Herrn von Forstmeister, dass er die Dienerschaft des Schlosses nach seinen Wünschen entlohnt und einen Teil von ihnen entlassen habe, wobei es beim Friseur Herman zu Verwirrung kam, da er von Forstmeister nicht berücksichtigt worden war. Außerdem berichtet Linden über die bereits gemachten Gartenarbeiten am Schloss und die Lage der Brennholzwirtschaft. Er endet seinen Brief mit den besten Wünschen fürs neue Jahr.

     

     

    Hochwürdig-Hochwohlgebohrener Freiherr, insonders Hochzuverehrendster Herr Landkomthur

    Hochgebietend-gnädiger Herr!

     

    Euer Hochwürden Exzellenz habe ich die Gnade den Monaths Xbris Statum a:p zur Hohen Einsicht und gnädigen Genehmigung anbei unthg. zu praesentiren. Hochdero Gnädiger Entschluss in Betref deren für die dahier verbleibende Dienerschaft gnädig ausgeworfenen Kostgelder, Pensionen und Löhnen ist mir in dem gestern von Hn. Hofrath von Welter kopierlich erhaltenen Reglement richtig zugekommen, auch ohnverzüglich jedem Betheiligten von mir bekennt gemacht worden. Da der hiesige Friseur Herman hierbei die Erinnerung machte, daß Euer Hochwürden Exzellenz bei Hochdero jüngern dahiesigen Anwesenheit ihm die gnädige Zusage gethan hätten, daß er mit unter die Zahl deren dahier Bleibenden gehören solte; derselbe aber in dem gnädigen Reglement hierunter nicht mitbegriffen –  jedoch auch unter den zu Entlassenden nicht austrücklich benennet, so glaubte derselbe zuverlässig, daß seiner darinnen gnädig nicht würde gedacht worden seyn. In der Vermuthung, daß Hr. Hofrath v. Welter oder Hr. Rtmst. Dechen mir hierüber sowohl als auch, ob Hochdieselben in pto. das benötigten Gemüses und Lichtes für die dahier bleibende Dienerschaft eine gnädige Verfügung zu treffen beliebet hätten, einige Auskunft würden geben können, entschloss ich mich, heute, da sich eben ein Gelegenheit darbot, nacher Köln zu kommen, mich hierüber näher zu befragen. Ich erhielt nun auch was den Peruquier belangt, die Antwort dahin, daß in Gefolg eines dem Hr. Renmstern. Dechen jüngst zugegangnen gnädigen Schreibens derselbe unter den zu entlassenden Dieneren bestimmter mitbegriffen sei. – Da ich aber in Betref des Gemüses und Lichtes nichts eigentliches in Erfahr bringen konte, so hab Euer Hochwürden Exzellenz um die desfallsige gnädige Verfügung ich andurch zu meiner untertänigen Benehnung gehorsamst bitten zugleich anfragen sollen, ob Hochdieselben nicht gnädig erlauben wollen, zuweilen einige Schlachtfische, als Makrelen und Männin[1] für die Abstinenz-Tage aus die Dünne fangen zu dörfen. Da seit etwa 14 Tagen die Franzosen sich ziemlich ruhig gehalten haben und die gegenwärtige Zeit und Witterung zum Bepflanzen recht passend sind, so hab bereits die Ausrottung der Gartenhecke durch den Gärtner und 2 Taglöhner vornehmen lassen. Durch diese Ausrottung ergibt sich eine Menge Bouchener Stahlen[2] von etwa 8 bis 900 Stück mit einigen davon hab ich wircklich die leere Plätze in Hochdero Buschen ausfüllen lassen und mit den übrigen werde vor und nach auf gleiche Weis fortfahren demnechst auch die Cascade Arbeit vollends zu Stande bringen lassen.  Vorgestern wurden auch die Bürricher Gemarcken Buschen ausgewiesen und diesemnach das gewöhnliche Busch-Essen /: ein kostspieliger Missbrauch :/ gehalten zu Bestreitung deren dabei aufgeloffenen Kösten ad 28 rhr. 40 stb. wurden sodann 4 Eichenstümpf ausgesetzt und unter die anwesenden Beerbten meistbietend und zwarn eins zu 10 – eins zu 8 – die 3te. zu 7 – und die 4te. zu 4 rhr. 5 schill. verkauft. Auf dieser Gemarck haben Euer Hochwürden Exzellenz 7 1/2 – auf der Schlebuscher Gemarck hingegen nur 3 5/16 Gewald. Nach Aussage deren Försteren werden auf  letzterer für dies Jahr jede Gewald circa 900 – auf ersterer hingegen /: woselbst die Gewälde nicht so groß – zudem die Buschen mehr in Unstand sind:/ nur etwan 400 Höltzer beibringen. In allem würde sich also Hochdero Anteil auf beiden Gemarken ohngefahr belaufen auf 2 Viertel und 700 Höltzer.

    Da die Gemarkenbuschen deren Holtzdiebereien weit mehr als Hochdero eigenen Waldungen exponirt sind, so hielte ich unterthänig ohnmaasgebig für rathsam, daß mit dem Abfällen sotanen Holtzes sobald sichs nur in etwa thuen lässt, angefangen, und falls bis dahin noch keine sichere Ruhe sei, solches auf der Stelle auf des Ankaufers Gefahr verkauft würde und da die Holtzhauern /: deren sonst pro Viertel Holtz zu fällen 1 rhr. zalt worden ist :/ darmalen in Rucksicht der großen Theurung, um eine Zulage von 15 stbr. pro Vrtl. untg bitten, so hangt es von hochdero Gnade ab, ob ihnen, statt der begehrten 15 stbr die Halbscheid, nemlich 7 1/2 stbr pro Vtl. für diesmal zuzusetzen sei. In ein – als anderm submittire[3] Hochdero Gnädigen Entschliesung ich ganz unthg. Die Entrichtung der 2tern. Contribution geht sehr langsahm von statten, die meisten Leute zauderen damit und viele wollen sie gar nicht abführen. Dem ohngeachtet sieht man auch noch keine Executiones[4] vor sich gehen. Was hiebei für ein Anstand obwalte, und ob wohl noch Hofnung sei, daß solche unabgetragen bleibe, ist bis herzu ein Räthsel. Ich werde indessen das Äußerste abwarten. Euer Hochwürden Exzellenz habe ich übrigens samt der übrigen Hochdero dahiesigen Dienerschaft für die Erlassung obig gnädigen Reglements hirmit den untg tiefstschuldigsten Dank ablegen – und mir zugleich die Freiheit nehmen wollen, Hochdenenselben, bei Gelegenheit des Jahrwechsels mein gehorsamstes Compliment dahin zu machen, daß der Allwaltende dies und noch sehr viele folgenden Jahren in ununterbrochenen Hohen Wohl, Vergnügen und in der baldigst hoffenden süßesten Ruhe fortleben lassen wolle. Ein welches von dem Allerhöchsten zu erbitten ich nie aufhören würde. Der in tiefschuldigsten Hochverehrung zu ersterben die Gnade habe

     

    Euer Hochwürden Exzellenz untg.-treu gehorsamster J.P. Linden

    Morsbroich am 2n. Januar 1796

     

    [1] Munne, Minne, auch Milbe, nach Auskunft des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs der Fisch cyprinus aspius oder dobula, auf Deutsch Döbel, eine Karpfenart.
    [2] Der Begriff war nicht zu ermitteln.
    [3] Lat.: unterwerfe…ich mich.
    [4] Zwangsmaßnahmen.

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